Archiv 02.07.2007

Am Anfang war die Weltreise

Auf seiner Weltreise hat der Murtner Andi Fischer die Armut Indiens kennengelernt. Wegschauen konnte der junge Informatiker nicht mehr.

Fünf Studienkollegen lancieren ein Hilfsprojekt in Indien

Autor: Von IRMGARD LEHMANN

Natürlich sei er auf seiner Reise rund um die Welt auch in Südamerika der Armut begegnet. Doch Indien habe ihn nicht mehr losgelassen, sagt der 33-jährige Informatiker Andi Fischer. Nirgendwo sei das Gefälle zwischen Arm und Reich so krass wie dort: «Fünf Meter neben dem Reichsten steht der Ärmste.» Andi Fischer hat im Jahre 2004 die Weltreise angetreten, kurz nach Abschluss des Studiums in Zürich. «Dass ich ein Jahr um die Welt reisen kann und die Menschen dort kaum das Geld haben für eine Schulbildung, hat mich sehr berührt», resümiert Fischer. Das habe ihm keine Ruhe mehr gelassen.

Spenden aus dem Freundeskreis

Nach seiner Rückkehr in die Schweiz hat Fischer in Freundeskreisen Geld gesammelt und in kurzer Zeit 15 000 Franken zusammengebracht. Dies gab den Ausschlag, professioneller vorzugehen. Mit seinem Bruder Pascel (31, Physiker) und den Studienkollegen James Glattfelder (34, Physiker) Adrian Plattner (33, Jurist/Ökonom) und Adrian Riedo (33, Elektroingenieur) hat er den Verein «noon.ch» gegründet. In den letzten zwei Jahren sind rund 40 000 Franken an Spenden eingegangen. Inzwischen zählt der Verein 150 Spender: «Mit wenig Geld können wir in Indien sehr viel bewirken», hält Andi Fischer fest. Ein Lehrer verdiene zwischen 200 und 500 Franken im Monat, ein Bäcker etwa 80 Franken. Direkt zu helfen ist das Ziel des Teams. So wurden in den letzten zwei Jahren rund 30 000 Franken in Schulprojekte investiert. An einer Grundschule bezahlt der Verein den Lehrerlohn, das Schulmaterial und die Schulzimmermiete. «Wir haben auch einen Arzt aufgeboten und den 200 Kindern eine Schulreise finanziert», sagt Präsident Andi Fischer. Hilfe leistet «noon.ch» auch in einer Schule für geistig behinderte Kinder. Ein drittes Projekt befasst sich mit der Abklärung von Schulgründungen in vernachlässigten ländlichen Gebieten. Im Vorfeld haben sich die fünf Freunde mit lokalen Hilfsorganisationen in Verbindung gesetzt und rund 20 Projekte in Indien an Ort und Stelle angeschaut. Und was hat den Ausschlag gegeben, in Schulprojekte zu investieren? «Wir wollen vor allem junge Menschen unterstützen.»

Regelmässig Präsenz zeigen

Jedes der fünf Gründungsmitglieder ist mit einer Aufgabe betraut, sei dies mit Finanzen, Marketing oder Medien und Firmenkontakte. «Eine Stunde pro Tag setzt jeder von uns ein», bemerkt Fischer. Die Arbeit an Ort und Stelle wird regelmässig überprüft. Andi Fischer ist 2005 nach Indien gereist und drei seiner Kollegen - notabene alle auf eigene Kosten - im letzten Jahr: «Auch indische Taschen haben eben viele Löcher», schmunzelt Fischer. So bleibt nur noch die Frage, warum sich die fünf Freunde nicht einer bereits bestehenden Organisation angeschlossen haben? Fischer: «Jeder gespendete Franken kommt voll und ganz den Projekten zugut, und so können wir direkt etwas gegen die Armut tun.» «noon.ch» führe eine transparente Buchhaltung, die über die Homepage eingesehen werden kann. Informationen: www.noon.ch