Schwarzenburg 21.12.2017

Aus einer Garage hinaus in die Welt

Geschäftsleiter Marcel Grünig spannt im Schulungs- und Ausstellungsraum einen Siebdruckrahmen mit einem gelbem Gewebe in eine Beschichtungsmaschine.
Vor fünfzig Jahren gründete Hans-Ulrich Grünig in Schwarzenburg eine Bauschlosserei. Seine Einzelfirma von damals heisst heute Grünig-Interscreen und ist eine internationale Marke in der Siebdruckbranche.

Spannen, beschichten, waschen. Diese drei Worte fassen das Geschäft der Grünig-Interscreen AG zusammen. Die Schwarzenburger Firma ist in der Siebdruckbranche tätig. Sie entwickelt und produziert Maschinen und modular aufgebaute Anlagen für die Herstellung von Scha­blonen für spezifische Kundenbedürfnisse.

Beim Siebdruck wird ein feinmaschiges Gewebe als Trägermaterial auf einen Rahmen gespannt und mit einer lichtempfindlichen Emulsion beschichtet und belichtet, die jene Bereiche verschliesst, die nicht bedruckt werden sollen. Die Farbe, der Lack oder ein anderes Druckmaterial wird von einer Gummirakel über das Gewebe gestrichen und durch die offenen Stellen der Schablone auf die zu bedruckende Unterlage gedrückt. Deshalb heisst der im Vergleich zu anderen Druckverfahren relativ langsame Siebdruck im Fachjargon auch Durchdruck.

Dieser wird zum Beschriften von Plakaten, Autoarmaturen, Textilien, Keramik, Ski, Papierwaren, Kunststoff, Metall, Holz oder Glas eingesetzt. Die Grös­se der Schablonen reicht von wenigen Zentimetern bis zu einigen Metern.

Pionier der Siebdruckbranche

Beim Herstellen der Schablonen ist die Grünig-Interscreen  AG ein globaler Player. «Wir exportieren gut 95 Prozent unserer Maschinen in über fünfzig Länder der Welt, die Hälfte davon verkaufen wir in Europa», sagt Firmeninhaber und Geschäftsleiter Marcel Grünig.

Sein Vater Hans-Ulrich Grünig hat 1967 in Schwarzenburg die Einzelfirma «HU.  Grünig» für Bauschlosserarbeiten gegründet. Der damals 25-jährige Mann, der einige Jahre zuvor an der Berufsweltmeisterschaft in der Kategorie Kunstschlosserei die Bronzemedaille gewonnen hatte, richtete sein Atelier in der Garage seiner Schwiegereltern ein, wo er Garagentore herstellte.

Nachdem er von einem ehemaligen Arbeitskollegen einen Auftrag für eine im Siebdruck tätige Firma erhalten hatte, waren sein Interesse an der Branche und sein Tüftlergeist geweckt. «Er wollte umständliche Handarbeit mit Maschinen vereinfachen», sagt Marcel Grünig über seinen Vater.

Dieser konstruierte gemäss Firmenwebseite 1979 mit der H-41 die weltweit erste Anlage für das Beschichten von Schablonen. Vier Jahre später entwickelte er zudem erste Anlagen, die Schablonen nach dem Drucken automatisch waschen konnten. «Ich war damals ein Kind und verstand noch nicht, was für ein Pionier mein Vater war», sagt Marcel Grünig.

Bis zu 500 000 Franken teuer

Er hat 2002 den Betrieb von seinem Vater Hans-Ulrich und seiner Mutter Elisabeth übernommen. «Das war mein Bubentraum, zu dem mich die Eltern nie gedrängt hatten», sagt Grünig. Das Familienunternehmen produziert und vertreibt heute im Industriequartier Ringgenmatt in Schwarzenburg in mehreren Produk­tionshallen mit total 3 700 Quadratmetern Fläche jedes Jahr rund 240 Maschinen und Anlagen. Die längste ist 80 Meter lang, die teuersten kosten bis zu 500 000 Franken. «Wir sind teurer als andere Anbieter, weil wir hohe Produktionskosten haben und Schweizer Qualität liefern. Wir entwickeln und produzieren fast alle Maschinenteile selber und betreuten die Geräte von der Installation bis zur Wartung», sagt der 46-jährige Elektroingenieur.

Bis zu acht Monteure sind permanent in der Welt unterwegs. Wo sie schon gearbeitet haben, zeigen farbige Stecknadeln in einer Weltkarte, die in der Montagehalle hängt.

Waschanlagen am wichtigsten

Qualität bei den Maschinen, Know-how beim Beraten und Flexibilität beim Produzieren seien die Wettbewerbsvorteile seiner Firma, mit denen er sich im Weltmarkt abhebe. «Deshalb könnten wir weiterhin in der Schweiz produzieren. Das wäre mit Massenprodukten unmöglich», sagt Grünig.

Seine Firma hat 45 Angestellte. Zu ihnen gehören sechs Lehrlinge in der Automatik, der Polymechanik sowie im Anlagen- und Apparatebau. Rund ein Drittel der Mitarbeiter wohnen im Kanton Freiburg. Pro Jahr setzt das Unternehmen rund sieben Millionen Franken um, wovon die Waschanlagen die Hälfte ausmachen. «Zurzeit läuft das Geschäft gut. Wir sind bis im August 2018 ausgelastet», sagt Marcel Grünig.

Das ganze Team in Portugal

Das fünfzigjährige Jubiläum hat die Firma dieses Jahr mit dem ganzen Team mit einem mehrtägigen Ausflug zu zwei Kunden in Portugal gefeiert. «Dabei haben die Mitarbeiter einen Teil unserer Anlagen in die professionelle Produktion eingebunden gesehen», erzählt Marcel Grünig. Diese Besuche hätten die Angestellten sehr beeindruckt. «Das wiederum motiviert sie, bei jedem Auftrag zu versuchen, die perfekte Scha­blone herzustellen», sagt Grünig.

«Die Firma zu übernehmen war mein Bubentraum, zu dem mich meine Eltern nie gedrängt hatten.»

Marcel Grünig

Inhaber und Geschäftsleiter