Guggisberg 08.06.2017

Ein Projekt für die ganze Gemeinde

Schülerinnen und Schüler aus Guggisberg legen bei der Neugestaltung des Pausenplatzes selber Hand an.
Die Schule Guggisberg hat einen Anbau an eines der beiden bestehenden Schulgebäude in der Gemeinde erstellt. Für die Gestaltung der Umgebung steigen nun Schulkinder, ihre Eltern und Freiwillige in die Hosen.

Die Schule Guggisberg hat einen Erweiterungsbau ans Schulhaus Schwendi in Riffenmatt erstellt. Ab August werden dort 100 Kinder unterrichtet. Der Altbau stammt aus den 1970er-Jahren. Die Arbeiten begannen vor einem Jahr und stehen jetzt vor dem Abschluss. Die Neugestaltung der Umgebung war zu Beginn gar nicht Teil des Bauvorhabens, sagt Schulleiterin Vreni Bürki während einer Führung. «Wir nahmen das Heft deshalb selbst in die Hand.»

Die Bildungskommission setzte eine Arbeitsgruppe ein. Die Gruppe beschloss, die Kinder bei der Planung und Umsetzung der Gestaltung im Rahmen einer Projektwoche einzubeziehen – als gemeinsames Schulprojekt aller Klassen. Die Schüler wurden zu ihren Wünsche und Ideen befragt. «Sie sollten selbst entscheiden, wie ihr Pausenplatz gestaltet werden soll», so Bürki. Die Projektwoche hat am Dienstag begonnen und dauert bis Freitag. Das Projekt wird fast ausschliesslich durch Spendengelder finanziert; das war eine Vorgabe der Gemeindeversammlung. Das Budget für die Neugestaltung beträgt nun 98 000 Franken.

Der Gemeinderat hiess das Konzept gut. «Wir spürten leise Skepsis in Bezug auf die Finanzierung durch Spendengelder», erinnert sich Bürki. Das habe sie motiviert. Mit dem Konzept ging die Gruppe bei Unternehmen, Vereinen und Stiftungen Geld sammeln – erfolgreich: Im März war gleichzeitig mit dem Eingang der Baubewilligung das Geld beisammen.

Viele Arbeiten in Kinderhand

«An der Projektwoche beteiligen sich alle Schülerinnen und Schüler», sagt Bürki, «wir haben ein Göttisystem: Die Grossen haben dabei ein Auge auf die Kleinen.» So lernten die Älteren, Rücksicht und Verantwortung zu übernehmen. Oben auf dem Hügel neben dem Neubau steht ein Holzspielhaus mit Schindeldach. Es ist wie die Wackelbrücke, die Schaukel und die Seilbahn ein Gemeinschaftswerk von Schülern, Lehrern und Handwerkern. Einige Schüler entrinden fleissig Holzrugel, andere schleifen Holzleisten, verteilen Kies und Erde am Boden oder setzen Pflanzen und essbares Gemüse in den Beeten rund um das Gebäude an. Wieder andere basteln Spielzeug für den späteren Pausenplatz – zum Beispiel ein Tic-Tac-Toe mit Holzelementen, die auf dem Boden ausgelegt werden können. Eine Gruppe gestaltet Dekorationselemente für den Aussenbereich, eine andere schreibt Blumentöpfe an oder montiert Schaukelsessel aus Holz. Auch das Künstlerische kommt nicht zu kurz: Ein Team bemalt in der zum Malatelier umfunktionierten Turnhalle bunte Holzlatten für einen Zaun. Dann kommen Kindergesichter sowie Plaketten mit den Namen der Sponsoren drauf. Schliesslich nutzen auch einige Kinder die Gelegenheit und führen ein Schubkarrenrennen durch, als gerade niemand hinsieht. Oder sie legen sich zum Ausruhen in die selbst gemachten Wippen.

Er verteile den Kies, den ihm seine Kollegen liefern, sagt Kevin Aebischer aus Sangernboden. Er mache die Arbeit gerne, aber es ermüde auch. Timea Haldimann aus Hirschmatt, die gerade mit dem Elektrobohrer Schrauben ins Holz getrieben hat, sagt: «Ich mache das gerne, zu Hause wäre es mir zu langweilig.»

Das Schulprojekt fördert die Solidarität unter der Bevölkerung: Die Burgergemeinde hilft mit Arbeitsstunden des Forstes und liefert Holz. Auch Eltern beteiligen sich an den Arbeiten. «Das Projekt bringt uns zusammen», sagt Bürki, das sei wichtig, um die Identität in der Gemeinde zu stärken. «Früher hatte jeder Weiler sein eigenes Schulhaus, das ist jetzt unser gemeinsames Schulgebäude.»

Zur Geschichte

Eine Geschichte des stetigen Rückgangs

Vor gut 65 Jahren drückten in Guggisberg noch 480 Kinder die Schulbank. Damals führte die Gemeinde bis zu acht Schulgebäude. Die Schülerzahlen sind seither massiv gesunken: Im nächsten Schuljahr 2017/2018 werden rund 135 Schüler und Kindergartenkinder unterrichtet. Der Kanton Bern hat 2001 Klassenschliessungen angeordnet. Zuerst wurden drei der acht Schulhäuser geschlossen: Kriesbaumen, Kalchstätten und Riedacker. Im 2009 wurde der Standort Sangernboden aufgehoben und zum Verkauf ausgeschrieben. 2011 beschloss der Gemeinderat auch die Veräusserung der Schulhäuser Riedstätt und Hirschmatt. Heute werden noch zwei Standorte genutzt: Die Kindergärtler besuchen das Schulhaus in Guggisberg, die Klassenstufen eins bis sechs sind in Schwendi untergebracht – in zwei Stufen mit total fünf Klassen. Die Schüler aus allen Teilen der 55 Quadratkilometer grossen Gemeinde werden in die beiden bestehenden Gebäude gebracht. In den letzten Jahren nun ist der Bedarf für Schulraum wieder angestiegen. Einerseits, weil der Rückgang der Schülerzahlen gestoppt hat, und andererseits, weil neue Anforderungen wie Spezialzimmer zusätzlichen Platz benötigen. Im Sommer 2014 stellte die Schule einen provisorischen Container beim Schulhaus Guggisberg auf. Sie beschloss zudem den Neubau in Schwendi. Die Gemeindeversammlung sprach dafür eine Million Franken.

fca