Schwarzenburg 07.12.2017

Eine Sternwarte mit unsicherem Blick in die Zukunft

Die beiden Teleskope beim Schulhaus Schlossgasse sind im Besitz der Gemeinde Schwarzenburg.
Seit 25 Jahren steht neben dem Schulhaus von Schwarzenburg eine Sternwarte. Wird das neue Schulhaus errichtet, brauchen die Teleskope einen neuen Standort. Der Betreiber zeigt sich zuversichtlich.

Vor rund 25 Jahren erhielt die Schule von Schwarzenburg aus einer Erbschaft zwei Teleskope. Seitdem stehen die beiden Apparate in einem kleinen verschiebbaren Schutzhäuschen auf dem Gelände des Schulhauses Schlossgasse. Sagen die Stimmbürger an der Gemeindeversammlung am 11. Dezember Ja zum neuen Schulgebäude (siehe Kasten), dann muss die Schulsternwarte an einen neuen Standort zügeln. Denn dort, wo heute das Häuschen mit den Teleskopen steht, soll der Neubau entstehen. Eine Verschiebung neben das neue Schulgebäude sei nicht möglich, sagt Erich Laager, Leiter der Schulsternwarte und ehemaliger Lehrer in Schwarzenburg: Die Sternwarte sei dann zu nahe an den Nachbarhäusern. «Schlechte Beobachtungsbedingungen wären die Folge.»

Die Verlegung einer Sternwarte sei nicht so einfach, sagt Laager. Nicht jeder freie Flecken Land ist geeignet. «Es braucht einen Standort ohne störendes Fremdlicht und mit einem niedrigen Horizont», erklärt der Leiter der Sternwarte. Er sei aber zuversichtlich, dass die Sternwarte einen neuen Standort in Schwarzenburg erhalten wird.

Auf Anfrage sagt der Gemeindepräsident Martin Haller, dass die Gemeinde ein grosses Interesse habe, die Sternwarte weiter in Schwarzenburg zu betreiben. Ein möglicher neuer Standort sei das Schloss Schwarzenburg. «Aus Sicht der Gemeinde wäre das ein sehr passender Standort – auf dem Schlossareal und nahe der Tätschhütte.» Heute Donnerstag werde die Stiftung des Schlosses Schwarzenburg diskutieren, ob die Sternwarte dorthin zügeln kann. «Entschieden ist noch nichts. Auch nicht, ob die Sternwarte überhaupt einen neuen Standort benötigen wird», betont Haller. «Die Bevölkerung wird an der Gemeindeversammlung über den Bau des neuen Schulhauses abstimmen. Danach planen wir weiter.»

Helfer sind willkommen

«Die Sternwarte gehört der Gemeinde, die auch allfällige Unterhaltsarbeiten finanziert», sagt der Leiter Erich Laager. «Die fünf Personen im Alter zwischen 15 und 80 Jahren, die den Besuchern Erklärungen geben und die beiden Teleskope bedienen, machen das ehrenamtlich.» Mehr Helfer seien willkommen, sagt Laager. «Es werden immer Leute für das Sternwarten-Team gesucht.»

Etwa die Hälfte der Besucher stamme aus dem Schwarzenburgerland, die andere Hälfte aus dem Raum Bern. Das Alter der Besucher sei gemischt, sagt Laager. «Viele dritte und vierte Primarschulklassen kommen die Sternwarte besuchen, weil das Sonnensystem auf ihrem Lehrplan steht.» Ihr Besuch werde durch die zentrale Lage der Sternwarte erleichtert. Vom Bahnhof Schwarzenburg sind es nur zehn Minuten», sagt Laager. «Das ist bei anderen Sternwarten in der Schweiz wohl nur selten der Fall.»

Bauprojekt

Die Gemeinde möchte den Standort Schlossgasse stärken

In der Gemeinde Schwarzenburg ist der Schulraum knapp. «Für die rund 194 Kinder reicht das Raumangebot des Schulhauses Thun­stras­se nicht aus», schreibt der Gemeinderat in seiner Botschaft an die Gemeindeversammlung. Auch das vorhandene Raumangebot im Schulhaus Schlossgasse erfülle die heutigen Anforderungen nicht mehr.

Auf dem Areal der Schulanlage Schlossgasse plant die Gemeinde Schwarzenburg deshalb einen Neubau mit 643 Quad­ratmetern Gesamtfläche und vier Schulräumen – je zwei für den Kindergarten und die Tagesschule (die FN berichteten). Die Kosten sollen höchstens 3,5 Millionen Franken betragen. Mit dem Neubau des Doppelkindergartens und der Tagesschule werde der Schulstandort Schlossgasse gestärkt, schreibt der Gemeinderat. Dieser liege zentral im Dorf und sei für die Kinder gut erreichbar. An der Gemeindeversammlung vom 11. Dezember wird der Verpflichtungskredit den Bürgern zur Abstimmung vorgelegt.

jmw