Neuenegg 08.02.2018

Gemeindeschreiber geht in Ruhestand

Hans-Ulrich Gerber im Archiv der Gemeinde Neuenegg. Dort wird er in den nächsten Monaten noch aufräumen.
Es ist eine lange Zeit, die Hans-Ulrich Gerber in der Gemeindeschreiberei von Neuenegg verbracht hat: 34 Jahre lang waltete er dieses Amtes. Es gab lustige, aber auch schwierige Momente für ihn in all den Jahren.

Seit 34 Jahren ist Hans-Ulrich Gerber Gemeinde­schreiber von Neuenegg. Nun geht der 65-Jährige in Pension. Geboren ist er in Laupen. Als er sechs Jahre alt war, zog die Familie nach Neuenegg um. Hier besuchte er die Primar- und die Sekundarschule und trat später die Lehre als Gemeindeschreiber auf der Gemeindeverwaltung Neuenegg an. Hans-Ulrich Gerber ist deshalb stark mit Neuenegg verbunden. Das habe ihm bei seiner Arbeit viel geholfen: «Ich wusste, wovon die Leute sprechen, und kannte schon damals viele persönlich.»

Dennoch zog es ihn in andere Gefilde: Nach der Rekruten- und Unteroffiziersschule in der Schweizer Armee trat er die Stelle als Gemeindeschreiber in Albligen an. Dort übernahm er die Gemeindeverwaltung in Personalunion. «Ich war erst 21  Jahre alt, und es fehlte mir an Wissen – es war nicht einfach damals.» In Neuenegg habe er sich während der Lehre kaum mit Finanzen beschäftigt, «in Albligen war ich jedoch auch mit der Finanzverwaltung betraut». Gelernt habe er auf jeden Fall viel, sagt Gerber schmunzelnd.

Zehn Jahre später, das war 1984, zog es Gerber zurück in die Neuenegger Verwaltung: «Als der damalige Neuenegger Gemeindeschreiber und eins­tige Lehrmeister in Pension ging, war für mich der Fall klar: Das wollte ich machen.»

In den darauffolgenden 34  Jahren hat der Gemeindeschreiber so manche schönen, aber auch schwierigen Aufgaben übernommen: «Die Geburtstagsehrungen älterer Menschen haben mir immer grosse Freude bereitet», sagt Gerber. Mit einigen hätten sich sehr gute Gespräche ergeben, «und ich hörte Sachen, die mir sonst verborgen geblieben wären».

Was er nicht gerne gemacht hat, ist die sogenannte Exmission. «Wenn das Gericht die Ausweisung aus einem Miet­objekt beschlossen hatte, die Mieter die Verfügung aber nicht befolgten, musste ich sie aus der Wohnung werfen.» Das habe ihn belastet, besonders wenn es sich um Familien handelte. «Ich habe ihnen jeweils noch eine Frist von zehn Tagen gegeben; das hat zum Glück meistens funktioniert.» In den wenigen Fällen, in denen die Familien die Weisung auch nach der Zusatzfrist nicht befolgten, habe er in Zusammenarbeit mit den sozialen Diensten eine Unterkunftsmöglichkeit gesucht, «denn Kinder dürfen nicht auf der Strasse stehen».

Eine aus heutiger Sicht amüsante Episode aus seiner Zeit als Gemeindeschreiber ist für Gerber die vermeintliche Wahl eines Gemeinderates: «Ich bin schuld, dass eine Person zu Unrecht für drei Stunden Gemeinderat war», sagt er und lacht. «Das war 1988, wir haben die Stimmen gezählt, und vor der Türe warteten die Parteipräsidenten bereits ungeduldig.» Ihm sei ein Rechenfehler passiert. «Der Kandidat hatte mit seiner Partei schon gefeiert, als ich ihm mitteilen musste, dass er doch nicht Gemeinderat ist», erzählt Gerber und lacht.

3300 Einwohner zählte die Gemeinde 1984, heute sind es 5600. In den letzten zwei Jahren kamen mit den neuen Überbauungen 800 hinzu. Weil viele der Neuzuzüger Familien mit Kindern sind, hat die Gemeinde für die Tagesschule und den Kindergarten vorübergehend Pavillons eingerichtet. Für die Zukunft wünscht Hans-Ulrich Gerber, «dass Neuenegg – trotz des gros­sen Bevölkerungswachstums – weiterhin ein Ort zum Leben, Wohnen und Arbeiten bleibt und die Naherholungsgebiete im Wald und der Sense entlang nicht verloren gehen».

In den nächsten Monaten wird Gerber noch das Archiv der letzten 34 Jahre aufräumen. Was danach kommt, weiss er noch nicht genau: «In die Natur gehen, Ski fahren, und vielleicht werde ich auch wieder in der Musikgesellschaft Neuenegg mitwirken.» Sein Instrument sei das Eufonium. Er werde es nehmen, wie es kommt, sagt Gerber. Um seine Nachfolge brauche er sich zum Glück keine Sorgen zu machen: «Marco Joder hat den Job bereits per 1. Februar übernommen. Er war mein Stellvertreter, und auch er hat schon hier die Lehre gemacht und kennt die Gemeinde bestens.»

«Der Kandidat hatte mit seiner Partei schon gefeiert, als ich ihm mitteilen musste, dass er doch nicht Gemeinderat ist».

Hans-Ulrich Gerber

Gemeindeschreiber Neuenegg

«Die Geburtstagsehrungen älterer Menschen haben mir immer grosse Freude bereitet.»

Hans-Ulrich Gerber

Gemeindeschreiber Neuenegg