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Freie Spitalwahl – transparente medizinische Qualität statt Protektionismus

Über 91 Prozent der ausserkantonalen Spitalaufenthalte entfallen auf die Kantone Bern (66,5 Prozent) und Waadt (24,7 Prozent), davon 36,1 Prozent auf die Universitätsspitäler Insel und Chuv, 45,2 Prozent auf die grossen Spitäler mit Zentrumsfunktion. Zwei Drittel der Behandlungen in Spitälern ausserhalb des Kantons Freiburg sind angemeldet und geplant. Staatsrätin Anne-Claude Demierre ist alarmiert und setzt eine «Taskforce» ein, die dafür sorgen soll, dass Freiburger Patienten wieder vermehrt Freiburger Spitäler wählen. Dass die Patienten das am ehesten tun würden, wenn ihnen verständliche und vor allem gute Qualitätsangaben zur Verfügung stünden, scheint die Gesundheitsdirektorin nicht zu interessieren.

Gesundheitsdirektorin Anne-Claude Demierre beklagt sich über Freiburger Patienten, die sich in ausserkantonalen Spitälern behandeln lassen, und die Freiburger Nachrichten rapportieren, ohne kritisch nachzufragen. Weder im staatsrätlichen Bericht noch in der FN-Hofberichterstattung kommt das Wort «Qualität» vor. Die Verantwortlichen der öffentlichen und privaten Spitäler des Kantons kommen auch nicht zu Wort. Es geht Staatsrätin Demierre nicht primär um die Qualität der Medizin, sondern in erster Linie um hiesige Arbeitsplätze.

Wie meistens, wenn die Politik glaubt, ein Problem lösen zu müssen, wird eine «Taskforce» eingesetzt. Wenn sich Freiburger Patienten weniger oft in den Nachbarkantonen medizinisch versorgen lassen sollen, wie sich Frau Demierre das wünscht, müssen sie nicht bloss wissen, dass es im Kanton Freiburg entsprechende Angebote gibt, sondern dass diese Angebote auch besser sind als anderswo. Anstatt dafür zu sorgen, dass den Patienten endlich übersichtliche und verständliche Qualitätsdaten für eine optimale Arzt- und Spitalwahl zur Verfügung stehen, war die Gesundheitsdirektorin beim kantonalen Ärzteverband. Die Ärzte, die sich ihrerseits nicht wirklich um transparente Qualität bemühen, sollen die Patienten gefälligst in Freiburger Spitäler überweisen.

Die Qualität medizinischer Leistungen so darzustellen, dass diese für Patienten und ihre Angehörigen bei der Wahl des passenden Arztes, Spitals, Pflegeheims etc. hilfreich sind, ist nicht ganz einfach. Wir setzen bei Comparis auf Patientenbewertungen, denn ihre Erfahrungen sind für andere Patienten sicher hilfreich. Die öffentlichen und privaten Spitäler im Kanton Freiburg müssten eigentlich ein vitales Interesse daran haben, durch transparente und verständliche Qualitätsangaben die Freiburger Bevölkerung davon zu überzeugen, dass sie in den meisten Fällen im Kanton Freiburg medizinisch gut versorgt werden. Dafür braucht es keine Taskforce, die alles verpolitisiert und verbürokratisiert, sondern unternehmerisch denkende und handelnde Gesundheitsinstitutionen.

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