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Hat Christoph Nussbaumer den journalistischen Kompass verloren?

Unabhängige Medien werden neben Legislative (Volk und Parlamente), Exekutive (Regierung) und Judikative (Justiz) oft als vierte Gewalt bezeichnet, weil sie in einem funktionierenden Rechtsstaat allen auf die Finger schauen. Damit Medienunternehmen und einzelne Journalisten diese Funktion wahrnehmen können, müssen sie unabhängig sein. Insbesondere Journalisten müssen unabhängig denken und handeln. Tun sie das nicht, werden sie zu Handlangern einzelner Interessengruppen. Die Freiburger Nachrichten haben hinsichtlich Unabhängigkeit in letzter Zeit zweimal versagt. Chefredaktor Christoph Nussbaumer muss dafür die Verantwortung übernehmen und das Tun der Redaktion kritisch hinterfragen.

Warum ich mir Sogen um die Unabhängigkeit der FN mache, erläutere ich an zwei Beispielen.

Der Fall Marie Garnier

Die Staatsrätin Marie Garnier hat den FN brisante Unterlagen über den überforderten Oberamtmann des Saanebezirks Carl-Alex Ridoré gesteckt. Dass sie das nicht hätte tun dürfen, ist ganz klar. Es geht aber hier um etwas anderes. Normalerweise garantieren Journalisten den Quellenschutz. Das ist sehr wichtig, um an wichtige Informationen heranzukommen, die man als Journalist eben braucht, um die Rolle der vierten Gewalt wirksam auszuüben. Die FN argumentiert nun mit der Macht von Staatsrätin Marie Garnier. Diese Argumentation ist in diesem Fall ganz einfach falsch, weil Oberamtmann Ridoré vom Volk gewählt ist, und das Volk wissen sollte, welche Probleme er als Oberamtmann hat. Die Argumentation der FN ist auch gefährlich, denn jeder Bürger, der vertrauliche Informationen hat, muss sich nun gut überlegen, ob er diese der FN-Redaktion zukommen lässt, denn er kann sich nicht auf den Quellenschutz der FN-Journalisten verlassen. Der Fall Garnier wirft auch noch die Frage auf, warum die FN mit ihrem Vorgehen aus dem Fall Rodoré einen Fall Garnier gemacht hat. Ich weiss es nicht.

Die Region Sense als Helferin in der BR Bersets Kampagne für die Altersvorsorge 2020

Die Region Sense hat kurz vor der Abstimmung zur Altersvorsorge zu einem Anlass mit Bundesrat Alain Berset im Schlüssel Ueberstorf eingeladen. Dass Bundesrat Berset bis am Schluss für ein Ja gekümpft hat, ist sein gutes Recht. Dass andere Befürworter wie Nationalrätin Christine Bulliard ihm dabei geholfen haben, ist auch OK. Dass sich die Region Sense im Vorfeld einer Abstimmung für die eine oder anderes Seite einspannen lässt, geht gar nicht. Dass die FN in ihrer Berichterstattung diese Einseitigkeit der Region Sense ausblendet, geht auch nicht. Insofern muss der Vorstand der Region Sense über die Bücher. Aber auch die Redaktion der FN, insbesondere Chefredaktior Christoph Nussbaumer, ein Befürworter der Vorlage, muss über die Bücher, kritischer hinschauen, sich auf seine journalistische Unabhängigkeit besinnen und kritischer berichten, anstatt Handlanger politischer Interessengruppen zu werden.

Kommentare zu diesem Artikel

Emanuel Waeber

Werter Felix
Vorab Gratulation zu deinem mutigen Blogeintrag, der es in beiden Angelegenheiten auf den Punkt bringt. Es ist hinlänglich bekannt, dass der Chefredaktor der "FN" ausserhalb seiner politischen Gesinnung kaum andere Meinungen zulässt beziehungsweise diese nur einer politischen Würdigung gut genug ist. Fazit dieser unendlichen Geschichte und fernab der politischen Realitäten situierten Meinungskundgebung: Blut- und Geistesauffrischung täte unseren FN gut! Emanuel Waeber, St. Antoni

ADRIAN Imboden

Langsam Zeit dass diese Zeitung in die Schranken gewiesen wird.
Freut mich.

Christoph Schütz

Ich gratuliere Herrn Schneuwly zu diesem Blog, obwohl ich in der Geschichte um Marie Garnier anderer Ansicht bin und die besagte Publikation der FN sogar begrüsste, weil daran m. E. ein öffentliches Interesse bestand. Frau Granier hat meines Wissens auch gar nie Quellenschutz verlangt und die FN haben die Dokumente nicht publiziert. Recht hat Herr Schneuwly jedoch mit seiner allgemeinen Kritik: Die FN ist alles andere als unabhängig, sondern bewahrt insbesondere die Behörden vor Kritik, das ist genau das Gegenteil von dem, was sie gemäss ihrem Auftrag tun sollte. Demokratieschädlich ist das.