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Wer spielt denn hier Gott?

US-Forschern ist es gelungen, ein defektes Gen eines Embryos zu reparieren. Und schon schreibt der SonntagsBlick: "Forscher züchten genveränderte Embryos. Der Mensch spielt Gott." Je mehr medizinisch möglich wird, desto anspruchsvoller ist die ethische Diskussion, wann und wie wir das medizinisch Mögliche auch tun. Insofern spielen nicht Wissenschaftler Gott, die Krankheiten verhindern, heilen oder mindestens lindern wollen, sondern diejenigen, die Jahrhunderte alte Schriften wie ein Kochbuch für ihr tägliches Urteilen und Handeln anwenden.

Die Gene von Lebewesen verändern sich. Auch das Klima verändert sich. Wenn sich Lebensräume und Gene verändern, sind die Lebewesen im Vorteil, welche Gene haben, die am besten zu den jeweiligen Umweltbedingungen passen.

Seit Jahrtausenden züchten Menschen Tiere und Pflanzen. Damit verändern sich nicht nur die Gene dieser Tiere und Pflanzen, sondern auch die gesamte Umwelt. Auch die menschlichen Gene verändern sich, weil auch die menschlichen Gene in der jeweiligen Umwelt einen Vorteil haben, die am besten zu den sich verändernden Umweltbedingungen passen.

Es gibt keine höhere Macht, die Genmutationen plant. Es gibt aber immer wieder Genmutationen die das Leben bzw. das Überleben erschweren oder erleichtern. Dass man genetische Defekte bei Embryonen repariert und damit Leben rettet bzw. Lebensqualität verbessert, ist genauso legitim, wie Krankheiten bei Kindern und Erwachsenden mit medizinischen und anderen Massnahmen zu lindern oder zu heilen.

Selbstverständlich kann jede wissenschaftliche Errungenschaft auch missbraucht werden. Die Plastische Chirurgie kann nach Unfällen oder Krankheiten entstellte Körper wiederherstellen. Es gibt auch gesunde Menschen, die auch nach der zehnten Schönheitsoperation mit ihrem Aussehen immer noch nicht zufrieden sind. Wenn Forscher versuchen, Defekte an Genen von Embryonen zu reparieren, entstehen noch lange keine Designerbabys.

Wir sind Teil der Natur, verändern uns und unsere Umwelt schon seit Jahrtausenden, wie das alle Lebewesen tun. Im Gegensatz zu allen anderen Lebewesen machen wir uns Gedanken über unser Tun. Wir müssen also vor und nach der Geburt sowie vor dem Tod nicht alles tun, was medizinisch möglich ist. Religiöse und andere Moralisten richten mehr Schaden an, als sie Nutzen stiften, wenn sie nach starren Massstäben und absoluten Ansprüchen über Gut und Böse entscheiden. Mit Moral fällen wir nach starren Massstäben Urteile, ohne nachdenken zu müssen. Vor der Moral kommt die Ethik: Wer also moralische Urteile fällt, sollte zuerst darüber nachdenken, welche Massstäbe aus welchen Gründen und mit welchen Zielen anzuwenden sind. Je mehr medizinisch möglich wird, desto anspruchsvoller ist die ethische Diskussion, wann und wie wir das medizinisch Mögliche auch tun. Insofern spielen nicht Wissenschaftler Gott, die Krankheiten verhindern, heilen oder mindestens lindern wollen, sondern diejenigen Menschen, die Jahrhunderte alte Schriften wie ein Kochbuch für ihr tägliches Urteilen und Handeln anwenden.

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