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Silvan Jampen 22.02.2018

Was die Stärke der Schweiz auch in Zukunft ausmacht

Die Schweiz von heute in ihrer hervorragenden Verfassung in gesellschaftlicher, demokratischer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht ist das Resultat eines jahrhundertelangen Entwicklungsprozesses. Dieser Prozess verlief eingebettet in die umgebende Wirklichkeit. Die Geografie im zentralen Alpenraum, die Verankerung inmitten dynamischer Machtverhältnisse, die Vernetzung mit Europa und der ganzen Welt – dies alles hat die Entwicklung unseres Landes und seiner Bewohner letztlich zu einem Erfolg werden lassen. Der (Wage-)Mut der Helvetier, die Spuren des Römischen Reichs, das Söldnerwesen, die nach Europa ausstrahlende Macht der Stadtstaaten, die Reformation, der Einfluss der Staatsrechtsphilosophen, die liberale Verfassung, die Industrialisierung, die Unversehrtheit in den Weltkriegen – Stichworte prägender Interaktion der Schweiz mit ihrer Umwelt. Viele Generationen von Menschen in diesem Land wussten sich seit jeher zu behaupten. Dieser Flecken Erde zog deshalb auch immer Menschen aus anderen Ländern an und hat sie erfolgreich in seinen Weg integriert.

Nicht in Isolation, sondern im aktiven Austausch, im intelligenten Ausspielen seiner Nischen-Fähigkeiten und Stärken sowie im liberalen Bewusstsein seiner Verantwortung für sich und sein Handeln hat sich unser Land Respekt und Freiheiten verschafft. Wir haben stets akzeptiert (und akzeptieren müssen), dass andere Mächte stärker sind als wir. Die Regeln auf dem europäischen und globalen Spielfeld haben (mit Ausnahmen) nicht wir erlassen. Unsere Stärke als eines der erfolgreichsten und stabilsten Länder der Welt haben wir durchwegs im Spiel erlangt, dessen Regeln die anderen, die stärkeren Mächte aufgestellt haben. Dabei war die Schweiz seit jeher existenziell darauf angewiesen, im Spiel der anderen geachtet zu werden. Als ein Vorbild, dessen souveränes Handeln nachahmenswert erschien, und dessen vorausschauendes Verhalten wenig Angriffsmöglichkeiten provozierte.

Die gewaltigen Veränderungen, die sich ganz besonders in den westlichen Ländern seit dem Fall der Berliner Mauer ergeben haben, haben die Schweiz überrascht. Wohl auch deshalb hat sie die Entwicklungen der vergangenen dreissig Jahre statt als Zeichen von Veränderung als Angriffe auf sich selber und sein doch so erfolgreiches Nachkriegsmodell missverstanden. Das unablässige Voranschreiten der europäischen Integration, die Globalisierung der Regulierungen oder der sinkende Stern des steuerlichen Bankgeheimnisses: Statt zu antizipieren, hat sich die Schweiz – eingelullt in die vergangene Unversehrtheit – auf eine gefährliche Fährte des Selbstbetrugs begeben, der Dämonisierung von Offen- und Vernetztheit nämlich, die für den heutigen Erfolg unseres Landes so ursächlich wie zentral sind. Die Schweiz hat sich wie aus dem Nichts von einem Land, das seine Rolle in der Welt beneidenswert selbstbewusst zu spielen weiss, zu einem bemitleidenswerten Angsthasen entwickelt, der vor lauter Verlustängsten zu erstarren scheint.

Paradoxerweise wird diese Angsthasen-Politik in Richtung Abschottung auch noch mit Wiedererlangen von Souveränität und Selbstbestimmung begründet. Dabei war die Schweiz nie souveräner und selbstbestimmter als in Zeiten, da sie sich geschickt im Spiel der (Gross-)Mächte einbrachte. Diesen erfolgreichen Weg können wir nur weitergehen, wenn wir unsere Vernetztheit mit der Welt auch in Zukunft vorausschauend und aktiv nutzen. Unsere Erfolg bringenden Stärken können wir nur ausspielen, wenn wir ein verlässlicher und vertrauenswürdiger Mitspieler in der Weltgemeinschaft bleiben.

Die Zeiten ändern sich eben tatsächlich. Noch scheint in der Politik das Spiel auf der Angsthasen-Klaviatur den Ton anzugeben. Es ist halt einfacher, das Vergangene zu glorifizieren und die Gefahren des Neuen zu dramatisieren, statt den Wandel zu akzeptieren und antizipieren. Aber Angsthasen sind der erfolgreichen Tradition der Schweiz nicht würdig. Gerade in unsicheren Zeiten angesichts komplexer Herausforderungen lohnt sich ein Rückbesinnen auf die Umstände, die uns stark gemacht haben und es auch in Zukunft tun werden: Offenheit und Vernetztheit. Nach dieser Maxime lässt sich auch mit der EU ernsthaft, selbstbewusst und letztlich souverän über die künftigen Beziehungen verhandeln.

Silvan Jampen ist als Unternehmens­jurist tätig und wohnt mit seiner Familie in Kerzers. Im Rahmen der FN-Gastkolumne äussert er seine persönliche Meinung zu gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Themen.

 

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Gastkolumne 15.02.2018

Der Neandertaler in mir

Diese Woche unterrichte ich an einem Kurs in Weggis. Der Weg dorthin führt mich von Luzern mit dem Schiff quer über den Vierwaldstättersee, dem in dieser Jahreszeit kalten und oft stürmischen Herzen der Schweiz. Dank moderner Technik erreiche ich mein Ziel jedoch deutlich weniger abenteuerlich, als dies ein lokal verehrter Wilhelm in der Vergangenheit angeblich zu tun pflegte.

Während ich nun also an Bord der geheizten MS Waldstätter am verbauten Ufer des Vierwaldstättersees entlanggleite, erinnere ich mich spontan an eine skurrile Begegnung vom letzten November. Damals reiste ich mit meinem malaysischen Studenten im Zug von Zürich zurück nach Freiburg. Wir waren gerade in ein Gespräch über seine aktuelle Forschung vertieft, als sich im Niemandsland kurz nach Düdingen ein Mittvierziger im Vorbeigehen laut darüber beschwerte, dass wir uns in Englisch unterhielten. «Scheiss-Ausländer, könnt ihr euch nicht an lokale Gepflogenheiten anpassen und Deutsch reden?», grollte er.

Ich hätte ihn gerne in meinem breitesten Berndeutsch darauf hingewiesen, dass unser Zug eben gerade den Röschtigraben überquerte und wir vielleicht französisch sprechen sollten? Dazu war ich jedoch zu verdutzt: nicht nur war die Hautfarbe des Unruhestifters eine Spur dunkler als die meines malaysischen Begleiters, auch sein grammatikalisch perfektes Deutsch wurde von einer unverkennbaren südländischen Wärme beseelt. Das schien seiner artikuliert nationalistischen Gesinnung aber nichts anzuhaben. Jetzt, da mein Blick über das starre Heer von Fahnenstangen huscht, frage ich mich, wie er sich wohl mit den Flagge bekennenden Zentralschweizer Seesichtbesitzern verstehen würde.

Auch im Zeitalter der globaltätigen Digitalnomaden verbinden viele eine nationale Zugehörigkeit mit angestammter Herkunft. Aber Herkunft ist eine schwammige Angelegenheit. Wie die meisten Menschen habe ich zwei Eltern, vier Grosseltern, acht Urgrosseltern und bereits 16  Ur-Urgrosseltern. Bei einer durchschnittlichen Generationszeit von rund dreissig Jahren würden also fast 17 Millionen Zeitgenossen des oben erwähnten Wilhelms zu meinen direkten Vorfahren gehören. Das ist vielleicht etwas übertrieben, da ja auch etliche meiner Vorfahren untereinander verwandt waren. Hätte meine Grossmutter zum Beispiel ihren Bruder geheiratet, so hätte ich nur sechs Urgrosseltern. Dennoch war die Zahl meiner direkten Vorfahren in jeder vergangenen Zeit enorm gross. Wie viele davon lebten wohl im Territorium der heutigen Schweiz?

Jede Stelle in meinem Genom (Erbgut) hat seine eigene Geschichte. Die Hälfte des Genoms habe ich von meiner Mutter geerbt, davon wieder rund die Hälfte von ihrem Vater. Die Abstammungslinie von rund einem Achtel verläuft über meinen Urgrossvater aus Deutschland und ein Siebzehnmillionstel durch jeden meiner Vorfahren um 1291. Eine Herkunftsangabe ergibt also nur einen Sinn, wenn wir uns auf eine bestimmte Zeit beziehen. Beide meiner Eltern wuchsen im Kanton Bern auf, und ich kann daher mit Stolz auf mein 100  Prozent bernisches Genom verweisen.

Um mich meinen guten Freund aus Berlin anzubiedern, beziehe ich mich dann einfach auf die Zeit meiner Urgrosseltern, denn damit bin ich zu 12,5 Prozent deutsch (oder wohl korrekterweise preussisch).

Richtig spannend wird es, wenn wir deutlich weiter in die Vergangenheit zurückblicken. Mit Hilfe aus Fossilien gewonnener DNA lässt sich berechnen, welcher Anteil unseres Genoms auf verschiedene ehemalige Gruppen zurückgeht. So wissen wir heute zum Beispiel, dass rund 1 Prozent des Genoms der Europäer von grimmigen Neandertalern abstammt. Damit lassen sich alle meine negativen Charakterzüge aufs Vornehmlichste erklären.

Meine Forschungsgruppe arbeitet aktuell an Fossilen aus der Zeit der wohl grössten kulturellen Revolution Europas, der Ausbreitung der Landwirtschaft, die vor rund 8000 Jahren das Gebiet der heutigen Schweiz erreichte. Diese neue, sesshafte Lebensweise wurde von Menschen aus dem Nahen Osten nach Europa gebracht und verbreitet. Eine zweite Masseneinwanderung aus der östlichen Steppe vor rund 4500 Jahren brachte wahrscheinlich den Vorläufer der germanischen Sprachen nach Europa. Nur noch rund 20 Prozent des Genoms heutiger Europäer gehen auf die ursprünglichen Jäger und Sammler zurück. Oder anders gesagt: 80 Prozent meiner direkten Vorfahren aus dieser Zeit waren Einwanderer aus dem Nahen Osten oder der Steppe.

Interessant dabei ist auch, dass die helle Hautfarbe erst von eben diesen Einwanderern nach Europa gebracht wurde. Die Hautfarbe meiner ureuropäischen, Mammute erlegenden Vorfahren war derjenigen des zugfahrenden Patrioten erstaunlich ähnlich. Wer weiss, wie viel Ureuropäer in ihm steckt?

Daniel Wegmann ist Professor für Bioinformatik an der Universität Freiburg und entwickelt statistische Verfahren, um evolutive und ökologische Prozesse aufgrund grosser Datensätze zu beschreiben. Er hat in Bern und in den USA studiert und ist Mitglied einer FN-Autoren-Gruppe, die regelmässig naturwissenschaftliche Themen bearbeitet.

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Sus Heiniger 08.02.2018

Wiheissischdu

Die Zeit blieb stehen, der Schulhausplatz war totenstill, in einer Ecke des Turnplatzes stand unbeweglich eine Reihe grüngewandeter Soldaten. Stramm. Alle Gesichter ausgerichtet auf den Kommandanten, der vor ihnen stand.

Und wenn es losging, klatschten Namen an die Schulhausmauer und kamen in kleinen Echos zurück. Ein Name nach dem andern in die Gesichter der Soldaten. Das Kommandantenbrüllen der Soldatennamen. «Hier!», brüllte es dann zurück, aus der jeweiligen Richtung des Namenträgers. «Hier!» und «Hier!», in Abwechslung mit dem Namenbrüllen ein «Hier!» Jeder Soldat erwartete unbeweglich seinen Namensaufruf. Unmöglich, diese Namen in die Gesichter zu denken, alles ging rasend schnell. «Appell» nannte man das, und ich schaute zu, Kind, aus dem Estrichfenster meines Elternhauses, schaute auf diese starre Männermauer, die aus vielen Einzelnamen bestand, aber eine homogene Gruppe bildete. Das Brüllen der Namen war Frage und Befehl zugleich. «Anwesend?» – «Anwesend!»

Und keiner stürzte, keiner flog, keiner lief weg, ein jeder schrie zurück, ein jeder war gemeint, keiner entkam. Ein Nicht-Anwesend-Sein, als Zeichen eine Lücke in der Menschenmauer, dürfte um einiges mehr Bedeutung haben als ein Anwesend-Sein, dachte ich mir dann jeweils, und wäre gerne mal dabei gewesen, wenn einer weggerannt und, meiner Meinung nach, entkommen wäre. Doch keiner stürzte, keiner flog, und keiner rannte weg, keiner entkam dem Ruf seines Namens. Keiner wollte darauf sein «Hier!» nicht brüllen.

Wer Namen hat, ist gemeint. Wir Namenträger sind gemeint, wenn unser Wort gerufen wird. Die Vorstellung, dass Leute, die keinen Namen hätten, gar nicht richtig ernst genommen würden. Es könnte sein. Unsere Pässe bescheinigen unsere privilegierte Anwesenheit. Jene, die uns erlaubt, uns jederzeit dorthin zu bewegen, wo wir hin möchten. Unvorstellbar, dass es nicht so wäre.

Wer schreit, wer ruft, wer flüstert, wer schimpft unseren Namen? Wir fühlen uns gemeint, haben die Möglichkeit zu antworten, wenn unser Name ertönt. Wenn wir dies wollen. Wenn wir gehört werden.

Die Lust zukünftiger Eltern, ihren Nachkommen klingende, bedeutende Namen zu geben, lässt viele lange danach suchen, es müsste ein Name sein, der sobald als möglich erlaubt, auf Siegesspur zu gehen. Familiengesichert, klassisch-zeitlos, starerprobt, heiligenverehrend, historisch-erfolgreich … und was alles noch zur Verfügung stünde. Wenige Namen sind heute bei uns auf der Unerlaubtenliste.

Kind, mit T-Shirt, auf dessen Rücken Ronaldo steht, oder Messi oder andere, welche Kraft es ausstrahlt, wenn es mir seine Rückseite zeigt, wo grosslettrig der bekannte Name steht! Identifikation ist das halbe Leben, darum, liebes Kind, such dir deine Umgebung!

Die spanische Lehrerin im Sprachkurs, den ich vor Jahren belegt hatte, trug den Namen Incognito. «Unbekannt»? (Doch anwesend!) «Kein-Name»? Das Wort änderte sich auch in einer Übersetzung nicht. Wenn ich «Kein-Name» heisse, wie fühlt sich das an? Warum hiess die Frau so? Sie gab unbeschwert Antwort auf meine Frage: Es war ihre Urgrossmutter, die als Baby gefunden worden war, ein Findelkind, das keinen Namen hatte. Niemand wusste woher, von welchen Eltern es stammte, und niemand konnte es jemals herausfinden. Incognito war die Antwort auf die Frage: «Wer ist das?». Der Name wurde damals einem Findelkind gegeben, in solch unlösbarer Situation, die Nachkommen trugen ihn weiter.

Es kommt vor, dass ich jemand gerne fragen würde: «Wiheissischdu?» Einfach aus Interesse, weil mir jemand gefällt, mir jemand immer wieder begegnet, weil jemand eine lustige, komische, schlechte Idee hat, oder sonstiges. Wie ein Kind das kann, sich vor einen hinstellen und fragen: «Wiheissischdu?» Eine Anonymität durchbrechen, einen Menschen begrüssen, eine Möglichkeit des Austauschens schaffen damit. Es interessiert mich als erstes meist der Vorname, weil das etwas vom persönlichsten Öffentlichen ist, womit man lebt. Es gelingt mir aber auch, nicht zu fragen, weil die Namenlosen das Recht haben, inkognito zu gehen, und ich selber manchmal auch in einer gewissen Namenlosigkeit bloss existieren will.

Der andere Appell: mit meiner inneren Bevölkerung. Jener, der bekannte, geliebte, verehrte Namen abrufen kann, der es schafft, zum entsprechenden Namen das Gesicht und das Wesen aufscheinen zu lassen. Bloss ein Wort … Namen tragen Fracht mit der Zeit, angenehme, unangenehme. Schwer zu vermeiden, gewisse Namen lieber vergessen zu wollen und sie nicht abzurufen ob der Hässlichkeit der Bilder, die sie von der Welt hervorbringen.

Ich bleibe ich. Mit meinem Namen. Ich stelle mich am liebsten gut mit ihm. Manchmal fällts mir ja auch nicht leicht.

Und: Wiheissischdu?

 

Sus Heiniger ist Kunstmalerin und lebt in Murten. Als Kulturschaffende ist sie in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

 

«Ein Nicht- Anwesend-Sein, als Zeichen eine Lücke in der Menschenmauer, dürfte um einiges mehr Bedeutung haben als ein Anwesend-Sein.»

 

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Patrick Buchs 01.02.2018

Wann findet der Sport den Weg in den Staatsrat?

Am 4. März dürfen alle Wahlberechtigte des Kantons Freiburg an einem postolympischen Wettkampf teilnehmen – nämlich an den Ersatzwahlen in den Staatsrat. Ich freue mich auf diese Wahl und habe mir überlegt, die sieben Kandidaten bezüglich ihrer Affinität zum Sport zu durchleuchten. Also eigentlich habe ich nur die vier aussichtsreichsten Kandidaten analysiert, weil die lokalen Medien die Möglichkeit einer Wahl der Kandidaten der BDP, der Bürgerenergie und der KP ausschliessen.

Um mir also ein Bild von den vier Kandidaten zu machen, habe ich mir einerseits ihre Wahlprogramme angeschaut und andererseits über ihre politischen Interventionen zum Thema Sport recherchiert. Meine Analyse war ernüchternd. Als (Trotz-)Reaktion auf diese sportpolitische Blutleere habe ich mich für ein metaphorisches Kurzfazit entschieden:

Die Kandidatin der Grünen hat nicht nur das kleinste (Wähler-)Potenzial, sondern sie hat zu allem Unglück auch noch vergessen, sich für den Wettkampf fit zu machen (sie hat als einzige Kandidatin keine offizielle Homepage). Die Kandidatin der SP darf schon regelmässig im Leistungszentrum in Bern trainieren und hat von allen Kandidaten die wohl besten Trainer, aber machen sie ihre gesundheitspolitischen Spielzüge zu einer kompletten Sportlerin? Der Kandidat der FDP hat sich äusserst seriös auf den Wettkampf vorbereitet und scheint fit zu sein, aber warum findet man in seinem Trainingsplan keine sportlichen Ziele? Der Kandidat der SVP müsste wegen seiner vielen Kränze eigentlich der Publikumsliebling sein, aber worauf wartet er noch, um sein Publikum abzuholen?

Ich finde es schade, dass keiner der vier Kandidaten dem Sport in seinem Wahlprogramm eine klare Rolle zuordnet. Wann ändert das? Wäre ich Politiker, würden mich die fast 70 000 (!) aktiven Mitglieder von Sportvereinen im Kanton Freiburg hochgradig interessieren! Um für Politiker interessant zu werden, müsste sich der organisierte Sport im Kanton allerdings zuerst zusammenraufen, sich über eine langfristige politische Agenda einigen und diese ähnlich wie andere Lobbyistengruppen kompromisslos vorantreiben. Wenn dem eines Tages mal so ist, dann könnte der Sport zu einer einflussreichen (politischen) Masse werden.

Aber nichtsdestotrotz, sollten wir uns bei aller Liebe zum Sport und allen Diskussionen über die Frauenquote oder das politische Gleichgewicht nicht fragen, wer eigentlich der fähigste Kandidat ist und wer unseren Kanton mit seinen Kompetenzen und Erfahrungen am ehesten weiterbringt?

Patrick Buchs kennt die Schweizer Sportszene bestens. Der diplomierte Sportmanager und Diplom-Trainer war von 2003 bis 2013 in verschiedenen Funktionen bei Swiss Olympic tätig, ehe der Düdinger zwei Jahre Geschäftsführer beim Nord-Ostschweizer Basketballverband ProBasket war. Danach war der ehemalige Diskuswerfer kurz Direktor des Schweizerischen Basketballverbandes. Heute ist er als selbstständiger Berater in Sportfragen tätig.

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Katharina M. Fromm 25.01.2018

Der beste Freund des Hundes ist der Mensch!

 

Z

ugegeben – ich habe eine Schwäche für fellige Vierbeiner. Ist Ihnen aufgefallen, dass viele Haus- und Hoftiere ganz weiche, puschelige Ohren haben? Und dass das Streicheln dieser plüschigen Ohren irgendwie entspannend wirkt? Sehr zu empfehlen für gestresste Menschen und zum Beispiel als Therapie für Alzheimerpatienten im Einsatz.

 

Neulich durfte ich bei einer Freundin die Bekanntschaft zweier Hunde machen. Nach anfänglichem Argwohn der beiden mir gegenüber wurde ich bald durch Schweifwedeln begrüsst. Einer der beiden Hunde, mit Namen Pünktchen, hat mich sehr schnell zu einem Lieblingsmenschen erkoren und kommt nun, sobald ich irgendwo kaum sitze, im Hundegalopp auf mich zu, um mit Schwung und etwa zwölf Kilogramm Lebendgewicht auf meinem Schoss zu landen. Dort thront und wacht die Hundedame über alles, insbesondere über den Tisch – es könnte ja etwas Fressbares geben. Nachdem ihre Neugier in dieser Hinsicht gestillt ist, dreht sie sich zu mir um und schaut mir tief in die Augen. Sie glauben ja nicht, wie schmachtend ein Hund gucken kann. Ehrlich! Man kann nicht anders, als den Hund zu streicheln. Nach einer ausgiebigen Krauleinheit wird noch einmal rundum geschnuppert, bevor sich die Hundedame etwas umständlich auf meinen Knien einrollt, den Kopf unter meinen Unterarm steckt und mit einem tiefen Seufzer in Schlafposition geht. Am Zucken der Muskeln merkt man schnell, wie tiefenentspannt der Hund ist, dessen Atmen bald in zartes Schnarchen übergeht. Tja, und da sitzt man nun und wagt sich kaum zu rühren, man möchte ja nicht die süssen Träume stören, die gerade vor den Augen des Hundes ablaufen. Das einzige, was den Hund nun wecken kann, sind die Zaubersprüche «Fressen» und «Leckerchen». Beim Fressen ist es jedoch so, dass Pünktchen Manieren hat und ihr Futter langsam kaut, was ihrem Bruder Anton in die Karten spielt. Der vertilgt seine Portion doppelt so schnell wie seine Schwester, und damit der Platz auf meinem Schoss nicht kalt wird, was es unbedingt zu vermeiden gilt, kommt alsbald schon Hund Nummer zwei mit fliegenden Ohren auf mich zu.

Während Pünktchen meine Knie zum Schlafen nutzt, besetzt Anton den Platz auf meinen Knien aus Prinzip. In der Tat schaut er zunächst in Pünktchens Richtung, bis diese mit Fressen fertig ist, zurückkommt und sieht, dass ihr Platz besetzt ist. Sie schaut dann recht konsterniert – ja, auch das können Hunde – und trollt sich auf den Hundesessel. Dann erst springt Anton runter und geht in seine Lieblingsecke. Ein weiterer Trick seinerseits, wie er Pünktchen zu seinem Vorteil von mir weglocken kann: Liegt sie seiner Meinung nach schon zu lange auf meinem Schoss, rennt Anton zur Tür und bellt. Schon springt Pünktchen von meinen Knien, rennt ebenfalls zur Tür und bellt mit. Sobald sie an der Tür ankommt, hört Anton mit dem Theater auf, flitzt zu mir, und schon ist der Platz wieder besetzt. Ein Hund ist eben auch nur ein Mensch!

Und wer jetzt keinen Hund zum Kraulen hat, der möge mal wieder Erich Kästner lesen! Zum Beispiel «Ein Hund hält Reden». Und ich schliesse mit Louis Armstrong: «Mit einem kurzen Schweifwedeln kann ein Hund mehr Gefühl ausdrücken, als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.» Und Loriot: «Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.»

Katharina M. Fromm wohnt in Freiburg und ist seit 2006 Professorin für Chemie an der Universität Freiburg. Sie ist Mitglied einer FN-Autoren-Gruppe, die im Monatsrhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

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Andreas Kempf 04.01.2018

Ziele statt Vorsätze

 

D

as neue Jahr ist vier Tage alt und viele Leute haben sich bereits wieder eine Menge vorgenommen. Sei es, dem Glimmstängel abzuschwören, sich gesünder zu ernähren oder mehr Sport zu treiben; gute Vorsätze sind schnell gefasst. Bei der Umsetzung hapert es jedoch häufig nach einem kurzen ambitionierten Beginn, denn alte Gewohnheiten sind hartnäckig.

 

Auch mir persönlich fällt es nicht immer leicht, mich für das Training zu motivieren. Insbesondere in den Wintermonaten, wenn die nächste Saison noch weit weg scheint und draussen häufig kalte oder sogar eisige Bedingungen herrschen. Erschwerend kommt der tiefe Sonnenstand hinzu, welcher die Zeit für Trainings bei Tageslicht einschränkt.

Da hilft es, für jeden Tag einen Trainingsplan zu haben und sich mit anderen Läufern zu verabreden. Somit lässt sich der «innere Schweinehund» einfacher überwinden und gewisse Ausreden entfallen. Zudem benötige ich ein klares, erreichbares Ziel und entsprechende Zwischenziele, um mich zu orientieren und meine Trainingsfortschritte zu überprüfen.

Dieses Jahr steht für mich die Teilnahme an den Europameisterschaften in Berlin im Marathon über allem. Da es allerdings bis Mitte August noch eine Weile dauert, habe ich zusammen mit meinem Trainer noch einige Meilensteine, wie ein verletzungsfreies Trainingslager in Kenia, mehr Laufkilometer pro Woche und eine neue Halbmarathon-Bestzeit im Frühling auf dem Weg zum grossen Ziel formuliert.

Genau diese Punkte können auch Sie sich, liebe Leserinne und Leser, beim Umsetzen Ihrer Neujahrsvorsätze zunutze machen. Schreiben Sie einen ernsthaften und realistischen Plan, wie die Vorsätze erreicht werden sollen, und überprüfen Sie die Fortschritte. Kommunizieren Sie Ihre Vorsätze, damit Ihr Umfeld Kenntnis davon hat und Sie immer wieder einmal damit konfrontiert. Auch Verbündete oder Mitstreiter können Ihnen helfen, denn zu zweit oder zu dritt ist die Hemmschwelle zum Kneifen gleich viel höher. Und zu guter Letzt machen Sie Ihre Vorsätze zu Zielen, denn in irgendeinem halbwegs schlauen Ratgeber stand einmal: «Ein Vorsatz ist etwas, was man gerne hätte. Mit einem Ziel hingegen legen Sie fest, was genau Sie bis wann erreicht haben wollen. Und das am besten schriftlich.»

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen beste Gesundheit und dass Sie viele Ihrer Ziele im neuen Jahr erreichen.

Der Heitenrieder Läufer Andreas Kempf studiert Betriebsökonomie im Master an der Universität Bern. Der ehemalige Schweizer Meister über die 5000 m hat 2016 an der Leichtathletik-EM mit der Schweiz Team-Gold im Halbmarathon gewonnen und hält die Freiburger Rekorde über die Halbmarathon- sowie Marathondistanz. Als FN-Gastkolumnist schreibt er regelmässig über selbst gewählte Themen.

 

 

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Daniel Eckmann 28.12.2017

Das Schaf, der Wolf und das neue Jahr

Kennen Sie den Trickfilm vom Wolf und vom Schaf? Nein? Kein Wunder: Es gibt ihn nicht. Aber würde es ihn geben, ginge er so: Es geht um ein Schaf, das sich täglich abmüht – und um einen Wolf, der Gleiches tut. Beide ruft die Pflicht, beide geben ihr Bestes. So ist das, mit dem Wolf und dem Schaf. Und eigentlich sieht es zum Tagesbeginn noch ganz gut aus. Denn jeden Morgen fahren sie gemeinsam zur Arbeit in die Fabrik, auf einem Zweiersitz, ganz hinten im Werkbus. Dort sitzen sie dann nebeneinander und tauschen ihre Sorgen aus. Wie das am frühen Morgen wieder eine Plage war, bis die Kinder endlich aus dem Bett waren, das Frühstück gemacht, die Wohnung aufgeräumt, die Schulsachen kontrolliert. Und dann, dann hält der Bus am Tor vor der Fabrik, die Zeiterfassungskarten werden abgestempelt, und der Arbeitskampf geht los.

Das Schaf ist jetzt Schaf, und der Wolf ist Wolf. Und jedes tut seine Pflicht und gibt, was es kann. Der Wolf jagt das Schaf, hetzt und schreckt es um Leben und Tod, will es reissen und fressen – und das Schaf, das Schaf rennt um alles oder nichts und kommt nur knapp davon. Der Wolf ist jetzt ausser sich, und das Schaf sieht die Spielregeln wanken, hat plötzlich richtig Angst, was den Wolf nur noch rasender macht.

Der Wolf, der dem Schaf an die Gurgel geht. Und das Schaf, das ihm die Beute versagt. Das wird plötzlich echt und grimmig, denn den Wölfen im ganzen Land muss gezeigt werden, wie gnadenlos ihr Wolf das Schaf jagt, und die Schafe im ganzen Land müssen sehen, wie unermüdlich ihr Schaf für sie ums Leben rennt.

Und dann, dann ist die Arbeitszeit um, und es wird ausgestempelt. Jetzt sitzen sie erschöpft wieder nebeneinander, hinten im Bus. «War das ein Tag», sagt der Wolf, «eine einzige Hetzjagd». «Sag nichts», meint das Schaf, «und ich erst!». Sie sitzen wie immer beisammen, wie wenn nichts gewesen wäre, jedes unzufrieden mit dem Tag, mit seiner Rolle und mit dem Erreichten, das eigentlich darin besteht, dass trotz wild entschlossenem Gegeneinander nichts erreicht wurde. «Ich kann mir vorstellen, wie das für dich ist», sagt der Wolf zum Schaf, «aber du kennst ja die Regeln in der Fabrik.»

«Eben», seufzt das Schaf und nickt. Es ist müde. Aber morgen, morgen geht es dann wieder von vorne los.

Gegenwärtig feiern wir Festtage. Aber schon bald sitzen wir wieder im Werkbus und fahren zur Fabrik. Einige als Schaf, andere als Wolf. Nun, der Jahreswechsel ist die Zeit der guten Vorsätze. Vielleicht hat auch unser Trickfilm das Zeug dazu. Denn wenn wir darüber nachdenken, kommen den einen oder anderen vielleicht bessere Regeln in den Sinn, als jene, die in der imaginären Fabrik im imaginären Film gelten. Regeln mit einer besseren Chancengeometrie für das neue Jahr. Zum Beispiel Regeln zu dem, was der Wolf und das Schaf miteinander erreichen könnten, statt gegeneinander.

Es ist wie immer: Wer etwas will, findet Wege. Nur wer etwas nicht will, sucht Gründe. In diesem Punkt sind sich sogar Che Guevara und der Dalai Lama einig. Der eine sagte: «Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche». Und der andere: «Es gibt nur zwei Tage, an denen Du nichts verändern kannst: Gestern und morgen».

Ich wünsche Ihnen ein gefreutes 2018!

 

Daniel Eckmann ist Jurist, Partner im Beratungsunternehmen Klaus-Metzler-Eckmann-Spillmann und Lehrbeauftragter an der Universität Bern. Zuvor war er Stellvertretender Generaldirektor der SRG SSR und zwölf Jahre Delegierter für Kommunikation von Bundesrat und Bundespräsident Kaspar Villiger. Daniel Eckmann war als Torhüter 95-facher Handball-Internationaler und ist Mitglied der Swiss Olympic Academy. Er wohnt und arbeitet in Murten.

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Beat Brülhart 21.12.2017

Homo demens?

Eines Tages stiegen sie von den Bäumen herunter, legten die Felle ab, begannen aufrecht zu gehen und nannten sich fortan Homo sapiens – der weise Mensch. Das kommt mir wie ein veganer Hund vor. Zugegebenermassen ist der Krone der Schöpfung eine gewisse Bauernschläue nicht abzusprechen. Aber Weisheit? Ein Witz, masslose Übertreibung. Und Intelligenz? Sollte sie tatsächlich vorhanden sein, wird sie jedenfalls nicht hauptsächlich zur Schaffung einer besseren, einer leidlosen Welt benutzt, sondern um andere über den Tisch zu ziehen, möglichst viel zu scheffeln, andere zu bekämpfen und sich auch gelegentlich gegenseitig umzubringen. Und wozu das alles? Um am Ende grösser und mächtiger zu scheinen und reicher zu sterben als andere. Das ist Wahnsinn und nicht Weisheit. Müsste man den Homo sapiens nicht doch eher Homo demens nennen, der Verrückte, der Wahnsinnige?

 

In unseren Breitengraden wird Intelligenz mit dem Bildungsniveau gleichgesetzt. Je länger es einer in der Bildungsmaschinerie aushält, desto intelligenter sei er, meint man. Und da Intelligenz für Fortschritt und Entwicklung steht, wird Bildung zum Allerweltsheilmittel getunt. «Mehr Bildung, weniger Menschheitsprobleme» ist die Denkfigur. Dabei werden doch die grössten Eseleien und Niederträchtigkeiten und das meiste Elend dieser Welt – Kriege, Umweltverschmutzung, Hungersnöte, Finanzkrisen und so weiter – nicht von ein paar durchgeknallten Analphabeten veranstaltet, sondern von bestens ausgebildeten Wahnsinnigen. Die meisten Terroristen der letzten dreissig Jahre waren übrigens überdurchschnittlich gebildet.

Da läuft doch etwas schief. In der Dritten Welt ist mehr Bildung unverzichtbar. Aber in unseren Breitengraden bringt uns noch mehr Bildung – so wie sie ist – keinen Schritt weiter. Weil nicht mangelndes Wissen unser Problem ist, sondern unsere schrägen Einbildungen und Überzeugungen. Sie führen zu unserem grenzdementen Verhalten und lassen uns mit Fleiss den Ast, auf dem wir alle sitzen, unbeirrt absägen. Sie machen uns zu Wahnsinnigen – zum Homo demens. Es ist die Einbildung, dass wir die Mitte des Universums sind und dass alles exklusiv für uns geschaffen wurde; der Glaube an einen vermenschlichten Gott, der uns am Ende gnadenlos richtet, der Glaube, dass dieser Glaube der einzig richtige ist; die Überzeugung, dass es nicht genug für alle hat und wir uns deshalb gnadenlos konkurrenzieren müssen; die Überzeugung, dass Sinn und Zweck der Wirtschaft maximale Rendite ist; die Einbildung, dass nur der Stärkere etwas taugt; die Einbildung «recht zu haben»; die Überzeugung, dass es keine Alternative zum Bestehenden gibt. Erst wenn wir diese Hirnwürmer losgeworden sind, werden wir in der Lage sein, unsere Intelligenz intelligent einzusetzen.

 

Beat Brülhart wohnt in Düdingen. Er ist Unternehmensberater und Trainer für Führungskräfte sowie Referent am Schweizerischen Institut für Unternehmensschulung. Als Mitglied des Gewerbeverbandes Sense ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

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Claudine Brohy 14.12.2017

Séparer et réunir

Durant l’automne 2017, la Catalogne semblait être le nombril du monde, focalisant l’attention de l’Europe entière et des nombreux Espagnols et Catalans établis autour de la planète, Suisse incluse. Les manifestations et contre-manifestations, avec leurs drapeaux respectifs telles les ondes d’un fleuve se déversant des Ramblas vers les places, sont encore dans toutes les mémoires. Le référendum accepté par 90 pour cent de «oui» à l’indépendance a cependant mobilisé moins de 50 pour cent de l’électorat, montrant ainsi la fracture à l’intérieur de la région, de groupes d’amis et même des familles. Une région autonome de presque huit millions d’habitants, qui est moins autonome qu’un canton suisse, cherche ainsi sa place sur la carte européenne, se heurtant à une constitution et à un appareil étatique qui se sont formés après la période franquiste.

 

En même temps, le Royaume-Uni avance dans son processus de divorce se demandant quels seront finalement les aliments à payer à l’Union européenne et comment façonner sa seule frontière terrestre, celle avec la République d’Irlande, mais ne serait-ce pas l’occasion de réunir les deux parties de l’île? Et juste en face, l’Écosse aimerait revoter sur une séparation du Royaume-Uni et réintégrer l’Union européenne.

Plus au sud, les nationalistes sont récemment les grands vainqueurs des élections territoriales en Corse, qui formera dorénavant une collectivité territoriale unifiée. Les Corses aimeraient pleinement vivre leur identité, en autonomie, en tant que peuple, et pouvoir utiliser le corse comme langue co-officielle et offrir une scolarité bilingue corse-français à leurs enfants.

Comme les individus, les communautés s’unissent et se séparent, dans un éternel mouvement impliquant proximité et distance.

Liebe Leserinnen und Leser der «Freiburger Nachrichten», seit 2005 schreibe ich regelmässig Kolumnen für Ihre Zeitung. Nach 12 Jahren der relativen Nähe ist für mich nun die Zeit gekommen, etwas auf Distanz zu gehen und die Plattform, die ich in all den Jahren sehr geschätzt habe, anderen zu überlassen. Ich verabschiede mich heute von Ihnen mit einem herzlichen Dankeschön.

Claudine Brohy ist Linguistin und wohnt in Freiburg. Sie ist zweisprachig aufgewachsen, hat in Freiburg und in Kanada studiert. Als Teil eines Autorinnen- und Autorenteams bearbeitete sie in den letzten Jahren in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen. Auf Wunsch der FN-Redaktion tat Claudine Brohy dies mal auf Deutsch, mal auf Französisch.

Kolumne

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Hubert Schaller 07.12.2017

Von schwierigen Erwachsenen und ausgebrannten Kindern

Ich habe gelesen, dass Burn-out bei Kindern und Jugendlichen in alarmierender Weise zunimmt. Die psychiatrischen Notfälle haben sich in den letzten Jahren vervielfacht und damit auch die Suizidgefahr. Das zwingt mir wieder einmal eine Korrektur meines Weltbildes auf. Bis jetzt habe ich Burn-out als Zivilisationskrankheit betrachtet, von der vornehmlich überarbeitete Manager, nervenflattrige Börsenmakler oder allzu idealistische Lehrpersonen betroffen waren. Dass jetzt offenbar schon Kinder ausgebrannt sein können, verstört, denn für mich gibt es keinen traurigeren Anblick als ein unglückliches Kind. Ja, hatten denn diese Kinder vor dem Ausbrennen überhaupt Zeit, für etwas ein richtiges Feuer zu entwickeln?

 

Fachleute machen unsere leistungsorientierte Gesellschaft, ehrgeizige Eltern, ein überbordendes Freizeitangebot, ständiger Vergleichsdruck, die Sozialen Medien, und was der Zeiterscheinungen mehr sind, für das Problem verantwortlich.

Da haben wir über Jahrzehnte die Schulen hochgerüstet mit Frühförderung, pädagogischem Stützunterricht, Psychologen, Logopädinnen, Sozialarbeitern, Mediatorinnen – und jetzt das! Statt dass sich die Kids optimal betreut fühlen, fragen sie sich, was denn mit ihnen nicht stimmt. Da haben wir das Sport- und Freizeitangebot unserer Teenager jedem noch so ausgefallenen Bedürfnis angepasst, und jetzt fallen die reihenweise in eine Depression! Noch nie wurde der Erziehungsmarkt mit so vielen Ratgebern, mit Erziehungsliteratur und Super Nannys überschwemmt – ja, liest und beachtet denn überhaupt jemand dieses Zeugs?

Ich finde das alles ein bisschen irre, aber es passt gut zu unserer widersprüchlichen Gesellschaft. Schliesslich feiern wir ja auch alle Weihnachten, obwohl die meisten nicht so richtig an Gott glauben, ärgern uns vom Auto aus über verstopfte Strassen oder wundern uns über die Antibiotikaresistenz, während wir gleichzeitig frischfröhlich das Fleisch von Tieren essen, denen systematisch Penizillinspritzen verabreicht wurden. Ganz ernst kann man uns also nicht nehmen.

Doch zurück zum Thema: Die Erfindung der Kindheit als eine Lebensphase, die den Wert in sich selber trägt, geht auf das 16. und 17. Jahrhundert zurück. Vorher wurden Kinder als defizitäre Erwachsene betrachtet, die so schnell wie möglich aufs Erwachsensein getrimmt werden sollten. Das geschah am besten dadurch, dass man Kinder arbeiten liess wie Erwachsene, dass man sie kleidete wie Erwachsene und ihnen das Sozialverhalten von Erwachsenen einhämmerte. Aber nicht einmal Gras wächst schneller, wenn man an ihm zieht – man reisst es höchstens aus.

Dass Kinder als Kinder und nicht bloss als zukünftige Erwachsene ein Existenzrecht besitzen, dieser Gedanke ist also erst ein paar Hundert Jahre alt. Aber es sieht ganz danach aus, als würden alle unsere Anstrengungen darauf hinauslaufen, unsere Kinder entweder erneut in die Zwangsjacke von Erwachsenen zu stecken oder aber sie systematisch am Erwachsenwerden zu hindern. Manchmal auch beides zugleich. Die minutiösen Beurteilungsbogen, mit denen die Leistung unseres Nachwuchses schon vom Kindergarten an im mathematischen Denken, in den sprachlichen Fähigkeiten, im Sozialverhalten und so weiter erfasst und codiert wird, «erinnern eher an ein Assessment für einen Managerposten als an die Wertschätzung für einen Dreikäsehoch», gibt Matthias Meili in der Zeitung «Tages-Anzeiger» zu bedenken. Und wenn Eltern der Lehrperson unverhohlen mit der Peitsche oder mit dem Anwalt drohen, weil diese den Genius ihrer Tochter oder ihres Sohnes verkennt, dann fördern sie damit nicht die natürlichen Anlagen ihrer Kinder, sondern ihren Narzissmus und ihre Versagerängste. Vielleicht möchten Kinder auch einmal bloss geliebt statt immer nur gefördert werden. Und genau so wichtig kann es für sie sein, ab und zu auf die Nase zu fallen und von selbst wieder aufzustehen, statt von einem Dutzend Händen aufgefangen und sofort wieder aufgerichtet zu werden.

Der Ruf nach Psychiatern, Antidepressiva und Ritalin ist nicht die Lösung, sondern Teil des Problems. Lasst Kinder endlich wieder Kinder sein! Was sie wirklich brauchen, hat Goethe in zwei Worten zusammengefasst: Wurzeln und Flügel.

Noch Fragen?

Hubert Schaller ist unter anderem Autor der Gedichtbände «Trommelfellschläge» (1986), «Drùm» (2005) und «Federleicht» (2016). Bis zu seiner Pensionierung in diesem Sommer unterrichtete er Deutsch und Philosophie am Kollegium St. Michael. Als FN-Gastkolumnist schreibt er regelmässig über selbst gewählte Themen.

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