Eishockey 30.01.2018

Das Schicksal in den eigenen Händen

Fünf Teams sind noch im Strichkampf um die Playoffs involviert. Mit einem Sieg heute gegen Lausanne könnte Gottéron einen Konkurrenten distanzieren. «Wir haben es in den eigenen Händen», sagt Caryl Neuenschwander.

Dank den zwei Siegen in Lausanne und gegen die ZSC Lions dürfte der fünftplatzierte HC Davos sechs Runden vor Ende der Qualifikation und bei einem Polster von elf Punkten auf den Strich durch sein. Somit kämpfen noch fünf Mannschaften um die drei verbleibenden Plätze im Playoff: die Lions, Gottéron, Servette, die SCL Tigers und Lausanne.
Der Vorsprung der über dem Strich klassierten Freiburger Equipe auf die neuntplatzierten Tigers beträgt vier Punkte. Insofern ist Gottéron in einer vorteilhaften Ausgangslage. «Wir haben es in den eigenen Händen, das stimmt. Aber mit der Drei-Punkte-Regel kann es sehr schnell gehen», warnt der routinierte Stürmer Caryl Neuenschwander. «Wir müssen deshalb aufpassen und dürfen ja nicht nachlassen.» In der jetzigen Situation sei es zudem besser, nach vorne statt nach hinten zu schauen. «Zürich liegt nur einen Zähler vor uns. Sie zu überholen muss unser Ziel sein.»

Wichtige Reaktion gezeigt

Während die erwähnten Tigers und Lions heute Abend im Direktduell aufeinandertreffen, bietet sich Gottéron zeitgleich zu Hause die Chance, Lausanne entscheidend zurückzubinden. Gleich dreimal spielen die zwei Teams in den verbleibenden sechs Runden noch gegeneinander. Sollte die Mannschaft von Mark French sich heute durchsetzen können, würde Gottéron den Waadtländern auf vorentscheidende zehn Punkte Vorsprung enteilen. «Wenn Lausanne in die Playoffs will, müssen sie dieses Spiel gewinnen. Die Waadtländer werden alles geben, daran gibt es keine Zweifel.» Für sein Team bedeute das, von Anfang an bereit zu sein, hält Neuenschwander, dessen Vertrag im Frühling ausläuft und der demnächst über seine Zukunft informieren will, fest. «Und wie bereits in den letzten Spielen gilt es für uns, sich auf das eigene Spiel zu konzentrieren. So wie es uns am Samstag beim Heimsieg gegen Lugano gelungen ist.»
Der Erfolg gegen die Tessiner sei primär ein Erfolg der Moral gewesen, sagt Neuenschwander. «Es war wichtig, dass wir die grosse Enttäuschung aus dem Spiel in Langnau (Red.: 1:2-Niederlage) innert 24 Stunden vergessen machen konnten und mit einer solch guten Leistung reagiert haben.» Dass die Freiburger in einer Doppelrunde zwei so unterschiedliche Gesichter zeigen können, hängt nach Neuenschwander mit dem Gegner zusammen. «Gegen besser klassierte Mannschaften spielen wir viel strukturierter und aggressiver, während wir gegen etwas schlechtere Teams viel mehr Müll produzieren.»

Motivation ist grösser als Müdigkeit

Nicht die Ursache dieser Fehler sei die Müdigkeit. Zuletzt hatte sich Spiel an Spiel gereiht, und auch diese Woche stehen innerhalb von vier Tagen gleich drei Partien auf dem Programm – das mit einem knappen Kader, vor allem was die Stürmer betrifft. «Körperlich ist es nicht immer einfach. Aber wir haben gelernt mit dieser Situation umzugehen», sagt Neuenschwander. «In Phasen mit vielen Matches musst du noch intelligenter spielen, nicht überall hinrennen und keine dummen Strafen nehmen.» Ganz grundsätzlich sei man auf dem Eis derart auf das Geschehen fokussiert und der Wille zum Siegen so gross, dass die Motivation vor der Müdigkeit stehe.
Mit seinen 34 Jahren gehört Neuenschwander, der mit dem SC Bern drei Meistertitel feiern konnte, zu den ältesten Spielern bei Gottéron. «Ich persönlich merke die Belastung in diesen Phasen. Während den Spielen leide ich zwar nicht mehr als früher, aber ich messe der Erholung inzwischen eine noch grössere Bedeutung zu.» Erfolge wie der gegen Lugano würden zudem so manches leichter machen, «auch wenn wir nicht zu euphorisch sein dürfen. Ich hoffe, dass uns die Fans heute gegen Lausanne wie am Samstag pushen werden. Das hat uns viel Kraft gegeben.»

Vorschau
Mit dem gleichen Team wie beim Heimsieg gegen Lugano
Freiburg-Gottéron wird heute Abend im Heimspiel gegen den Lausanne HC mit dem gleichen Kader wie beim 3:2-Heimsieg vom Samstag gegen den HC Lugano auflaufen. Überzähliger Ausländer ist damit erneut der norwegische Verteidiger Jonas Holos.  Energiespieler John Fritsche hat zwar gestern aufgrund einer Erkältung nicht trainiert, wird heute seinen Platz aber einnehmen können, versicherte Trainer Mark French.
Nachdem Andrea Glauser in der letzten Woche sein Comeback geben konnte, ist für die letzten drei Spiele vor der Olympia-Pause mit keiner weiteren Rückkehr zu rechnen. Lorenz Kienzle fällt aufgrund seiner Oberschenkelverletzung noch wochenlang aus. Unterschiedlich weit vorangeschritten ist der Genesungsprozess bei den vier Spielern, die an einer Gehirnerschütterung laborieren. Während Julien Sprunger und Sebastian Schilt das Mannschaftstraining – wenn auch noch ohne Körperkontakt – grösstenteils mitmachen, tastet sich Tristan Vauclair langsam wieder auf die Belastung auf dem Eis heran. Davon noch ein Stück entfernt ist derweil Chris Rivera.
So wird French weiter seine besten Spieler forcieren müssen. «Umso wichtiger ist in den nächsten Tagen die Erholung. Wir geben den Spielern die nötige Zeit, um sich zu regenerieren.» Der Trainingsumfang ist momentan auf ein Minimum reduziert, und die Einheiten sind eher kurz gehalten, um die Kraftreserven für die Spiele zu schonen. fs

 

Der heutige Gegner
Die Fakten zum HC Lausanne
• Lausanne hat von den letzten sieben Spielen fünf verloren.

• Gegen Gottéron gewannen die Waadtländer in dieser Saison bisher zwei von drei Spielen, das letzte Gastspiel in Freiburg mit 4:0.

• Nach Biel hat der LHC das zweitschlechteste Boxplay der Liga (Erfolgsquote von 76 Prozent).

• Das Team von Trainer Yves Sarault gewann drei von vier Penaltyschiessen und verzeichnete dabei die beste Trefferquote aller Teams (gut ein Drittel der Versuche verwertet).

• Verletzt bei Lausanne sind Vermin, Walsky, Trutmann und Ryser.