Eishockey 29.01.2018

Die Bulls schnuppern an der Playoff-Luft

Kevin Fleuty (rechts) und die Düdingen Bulls haben vor dem letzten Qualifikationsspiel ihr Schicksal in den eigenen Händen.
Mit einem hart erkämpften 6:5-Heimerfolg gegen Mitkonkurrent Seewen kletterten die Düdingen Bulls in der Swiss Regio League vor dem letzten Spiel über den Playoff-Strich. Nun wartet am Samstag in der alles entscheidenden Partie Angstgegner Thun.

Die eminent wichtige Partie gegen Seewen hätte am Samstag für die Sensler kaum besser beginnen können: Bereits nach 22 Sekunden lag der Puck hinter Gästehüter Schweiger im Tor: Sandro Abplanalp hatte einen Querpass glücklich abgelenkt. Von diesem Treffer beflügelt, gingen die Düdinger ab wie die Feuerwehr. Seewen wusste kaum mehr, wo hinten und vorne war – die Düdinger sausten den Zentralschweizern nur so um die Ohren. Allerdings übertrieben es die Sensler zuweilen mit dem Schönspiel. In die Sparte Pleiten, Pech und Pannen war schliesslich die Aktion von Topskorer Joël Sassi in der 9. Minute einzureihen, als er das völlig offene Tor nicht traf. Und plötzlich war der ganze Schwung der Düdinger wie weggeblasen. Zudem kassierte man immer wieder absolut unnötige Strafen.

Und Seewen erwies sich als äusserst powerplaystark. Gleich den ersten Ausschluss der Sensler nutzten sie – wenn auch mit einem kuriosen Tor aus dem Gewühl heraus – zum Ausgleich. Nun waren es die Düdinger, die grösste Mühe hatten, ihr Spiel zu ordnen. Auch im Powerplay wollte ihnen rein gar nichts mehr gelingen. Da fehlte immer wieder der direkte Zug auf das Tor, wurde an den Rändern die Scheibe wie eine heisse Kartoffel herumgereicht. Anders Seewen: Als Sandro Nussbaumers Strafe soeben abgelaufen war, gingen die Gäste erstmals in Führung. Bezeichnend, dass einmal mehr, trotz mehreren Möglichkeiten, bei Düdingen niemand den Puck aus dem eigenen Drittel zu befördern vermochte.

Achterbahn der Gefühle

Zum Mitteldrittel erschienen die Gastgeber wieder etwas gefestigter. Schliesslich war es erneut Sandro Abplanalp – von Captain Michel Zwahlen mustergültig an der blauen Linie lanciert –, der dem gegnerischen Hüter keine Abwehrchance liess. Und nur gut eine Minute später zogen die Düdinger ihrerseits dank einem Stochertor von Simon Perdrizat wieder eine Länge in Front. Doch wegen zwei Undiszipliniertheiten wurden kurz danach gleich zwei Düdinger in die Kühlbox geschickt. Als die zweite Strafe noch lief, bejubelten die Schwyzer den Ausgleich – und profitierten nur eine Minute später von einer weiteren Unsportlichkeit durch Kilian Roggo zur abermaligen Führung. Doch in diesem Spiel, in dem bei beiden Teams helle wie dunkle Phasen sich in munterer Folge abwechselten, war es nur logisch, dass wieder der Ausgleich fallen würde. Allerdings war das Zustandekommen für die Sensler äusserst glücklich. Sie konnten nämlich während fast zwei Minuten mit zwei Spielern mehr agieren. Doch erneut fehlte die zündende Idee im Abschluss. Der Ausgleichstreffer fiel schliesslich durch ein Eigentor eines Gästeverteidigers, dessen Schlittschuh einen Querpass ins Tor abgelenkte. Aber einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul.

Doppelschlag brachte Vorentscheidung

Die rund 350 Zuschauer – darunter lautstarke und trommelnde Fans aus der Zentralschweiz – konnten somit auf ein spannendes Schlussdrittel hoffen. Allerdings begann das für die Sensler mit einem äusserst unerfreulichen Ausfall: Wohl mit einer Muskelzerrung im Bein humpelte Routinier Ludovic Hayoz vom Eis. Die ohnehin dünn besetzte Verteidigerbank wurde damit weiter geschmälert. Die verbleibenden Spieler machten jedoch das Beste aus der Situation und hatten sich punkto Einsatz absolut nichts vorzuwerfen. Schön, wie der nach seiner RS immer besser in Fahrt kommende Benjamin Bussard in der 48. Minute zweimal nachsetzte und schliesslich dem Seewener Verteidiger den Puck abluchste und aus spitzestem Winkel auch noch Hüter Schweiger bezwang. Und wenig später zeigten die Düdinger endlich einen ihrer gefürchteten Konter: Joël Sassi verwertete schliesslich den ideal getimten Querpass von Kevin Fleuty (52.). Damit war so etwas wie eine Vorentscheidung gefallen. Insbesondere auch, weil sich die Düdinger nun disziplinierter verhielten und sich keine Strafen mehr einhandelten. Allerdings wurde die Schlussminute doch noch zur Zitterpartie, weil Seewens Topskorer Zurkirchen in der zweitletzten Spielminute mit einem satten Schuss von der blauen Linie der Anschlusstreffer gelang. Mehr liessen die Düdinger jedoch nicht mehr zu.

Wer hätte das im November gedacht?

Auch für das Trainer-Duo Thomas Zwahlen/Max Dreier war dieses kapitale Spiel an die Substanz gegangen: «Ja, es war auch für uns extrem intensiv», sagte Thomas Zwahlen nach dem Spiel, «zum Schluss hätte die Partie auf die eine oder andere Seite kippen können. Erfreulicherweise hatten wir das Glück auf unserer Seite. Aber dass wir nach dem guten Beginn plötzlich derart den Faden verloren, verstehe ich nicht. Es ist aber ein Spiegelbild der gesamten Saison.» Zwahlen ärgerte sich zwar über gewisse Undiszipliniertheiten in seinem Team, und der Ausfall Hayoz’ war für den Teamverantwortlichen der Wermutstropfen im Ganzen. «Aber wenn wir denken, wo wir im November standen und dass wir jetzt sogar über den Playoffstrich klassiert sind, wer hätte das geglaubt?» Nun wird sich alles im letzten Meisterschaftsspiel am Samstag in Thun entschieden. Zwahlen gibt sich kämpferisch: «Thun lag uns bisher nicht. Dieses physische, zuweilen auch schmutzige Spiel mögen wir gar nicht. Aber wir haben inzwischen auch viel gelernt und unser Spiel leicht verändert. So hoffe ich doch, dass wir die Thuner erstmals in dieser Saison bezwingen können.»

Telegramm

Düdingen - Seewen 6:5 (1:2; 3:2; 2:1)

Eisbahn Sense-See. 341 Zuschauer. SR: Boujon Humair, Jean-Mairet. Tore: 1. (0:22) Abplanalp (Sassi, Fleuty) 1:0 11. Schöni (Scheiber, Bettinaglio ; Ausschluss Krebs) 1:1; 18. Scheiber (Bettinaglio, Portmann) 1:2; 27. Abplanalp (Zwahlen) 2:2; 28. Perdrizat (Dousse) 3:2; 31. Schön (Scheiber, Dünner; Ausschluss Nussbaumer) 3:3; 32. Zurkirchen (Schnüriger; Ausschluss Roggo) 3:4; 39. Sassi (Ausschlüsse End, Schmidig) 4:4; 48. Bussard 5:4; 52. Sassi (Fleuty, Zwahlen) 6:4; 59. Zurkirchen (Schnüriger, Schmidig; ohne Torhüter) 6:5.

Strafen: 9-mal 2 Minuten gegen die Bulls, 9-mal 2 Minuten gegen Seewen.

HC Düdingen Bulls: Zaugg; Bertschy, Zwahlen; Hayoz, D. Roggo; Nussbaumer; Thom; Abplanalp, Sassi, Fleuty; Langel, Krebs, Bussard; Dousse, Perdrizat, Knutti; K. Roggo.

EHC Seewen: Schweiger; Schnüriger, Büeler; Lanz, Holdener; Dünner, Suter; End; Schmidig, Christen, Zurkirchen; Marzan, Bettinaglio, Schön; Wellinger, Riatsch, Fries.

Bemerkungen: Düdingen ohne Fontana, Braichet, Spicher, Blanchard sowie ab 43. Minute ohne Hayoz (alle verletzt). 59. Timeout Seewen. Seewen von 58:05 bis 58:59 und ab 59:20 ohne Hüter.

Die weiteren Spiele: Brandis - Sion-Nendaz 5:4 n.V. Dübendorf - Basel-Kleinhüningen 3:2. Thun - Star Forward Lausanne-Morges 6:3. Chur - Bülach 5:2. Wiki-Münsingen - Uni Neuenburg 6:1.