Eishockey 18.12.2017

Die höchste Niederlage der Saison

Mit einer Abwehrquote von nur gerade 73 Prozent zog auch Gottéron-Torhüter Ludovic Waeber einen ganz schwachen Abend ein.
Die Abwärtsspirale bei Gottéron dreht sich weiter; am Samstag kamen die Freiburger in Lugano mit 2:8 unter die Räder. Nach der vierten Niederlage in Serie droht bereits morgen in Lausanne der Fall unter den Strich.

Sieben Schweizer Meistertitel hat Lugano in seiner Clubgeschichte bereits geholt, den letzten 2006. Nach der Finalteilnahme vor zwei Jahren und dem Halbfinal-Out der letzten Saison sind die Tessiner gegenwärtig drauf und dran, den Branchenleader aus Bern auch in dieser Saison wieder anzugreifen. Das Team von Trainer Greg Ireland hat ein unglaubliches Offensivpotenzial – das bekam am Samstag Gottéron schmerzhaft zu spüren. Vorab seine besten Schweizer Skorer zeigten sich in Spiellaune und erzielten sieben der acht Tore.

Allein das 6:2 in der 37. Minute gehörte mit zu den schönsten Toren der Saison, wie am Faden gezogen zischte der Puck durch die Sturmreihe um Center Luca Cunti, ehe am zweiten Pfosten Dario Bürgler den Puck versenkte. Gegen dieses Tempo mit vielen präzisen Zuspielen in die Tiefe, auch oft im Powerplay angewendet, hatten die Gäste aus Freiburg an diesem Abend kein Gegenmittel. So kassierten sie nach 60 Minuten verdientermassen die höchste Saisonniederlage.

Nur eine kurze Reaktion

Viele der gut gezählten 5636 Fans hatten ihren Platz in der Resega noch nicht bezogen, da führte Lugano dank zwei schnellen Toren von Julian Walker und Maxim Lapierre schon mit zwei Längen. Es war ein kompletter Kaltstart der Freiburger, die mit ihren Gedanken nach der langen Busfahrt wohl noch nicht richtig auf dem Eis waren. Gleich nach dem 2:0 nach nicht einmal dreieinhalb Minuten nahm Coach Mark French sein frühes Time­out, ohne gross auf seine Spieler einzureden: «Ich habe ihnen nur gesagt, der Match habe begonnen und versucht sie ein wenig zu beruhigen», sagte er nach dem Spiel. Mit Erfolg, danach fingen die Gäste ebenfalls an Eishockey zu spielen und konnten so das Geschehen auf dem Eis ausgleichen. In der achten Minute schoss Captain Jim Slater, der besonders aggressiv auftrat und sich bis Spielende mit Lapierre und Alessandro Chiesa dauernd zum Teil unnötige Hahnenkämpfe lieferte, den Anschlusstreffer. Und als kurz danach Andrei Bykow, Gottérons erneut bester Spieler, den Ausgleich schoss, war plötzlich wieder alles möglich. Umso mehr, als die Freiburger auch zu Beginn des zweiten Drittels den Match im Griff hatten und der Heimklub es dem 23-jährigen Goalie Elvis Merzlikins zu verdanken hatte, dass er nicht erstmals in Rückstand geriet. Der junge Lette mit Schweizer Lizenz gewann jedenfalls das Goalieduell gegen seinen zwei Jahre jüngeren Konkurrenten Ludovic Waeber klar, der zumindest bei drei Gegentoren nicht gut aussah, bloss 73 Prozent aller Schüsse abwehrte und im Moment sicher noch keine Option für die Nummer eins in Freiburg sein kann. Aushilfs-Ausländer Philip-Michaël Devos nahm nach dem Match Waeber jedoch in Schutz und sagte, man habe ihn gegen die offensiv starken Luganesi viel zu wenig abgedeckt und die Rebounds nicht genügend weggewischt.

Lugano beeindruckend wirblig

Das Unheil für die Gäste leitete dann kurz vor Spielmitte Luganos Shootingstar Gregory Hofmann (4 Skorerpunkte) ein. Seinem 3:2 war ein Fehler von Benjamin Chavaillaz vorausgegangen. Bis zur Drittelspause erhöhte der Favorit dann in regelmässigen Abständen auf 6:2; schnell einmal war dabei der Widerstand der einmal mehr dezimiert angetretenen Freiburger gebrochen. Es zeigte sich, dass Gottéron ohne Roman Cervenka und Julien Sprunger eine der schwächsten Sturmreihen der Liga hat.

Weil auch die mit nur sechs Verteidigern spielende Abwehr dem Druck eines starken Gegners nicht standhalten konnte, lief es am Schluss für die Saanestädter auf diese blamable 2:8-Niederlage hinaus. Und nicht zum ersten Mal musste man sich aus Freiburger Sicht fragen, ob es ein kluger Schachzug von Sportchef Christian Dubé gewesen war, Verteidiger Larri Leeger Anfang November zum EV Zug zu transferieren.

Für Lugano-Stürmer Hofmann waren die drei schnellen Tore im Mitteldrittel entscheidend für den Erfolg: «Zuvor hat uns ein gutes Freiburg richtig gefordert, aber danach hatten wir viel Platz, um unsere schnellen Angriffe zu starten und erfolgreich abzuschliessen.»

Trübe Aussichten für Gottéron

Nach den schwachen Resultaten der letzten Wochen wird Gottéron immer mehr nach hinten durchgereicht. Bereits morgen in Lausanne droht dem Team der Fall unter den Strich. Was den Verantwortlichen noch mehr Sorgen bereiten müsste, ist die personelle Situation im einmal mehr arg knappen Kader. Die Torgaranten Cervenka (Muskelzerrung im Oberkörper) und Sprunger (Nachwehen der Hirnerschütterung) fehlen an allen Ecken und Enden, und Aushilfsstürmer Devos aus Ajoie konnte bei seinen zwei Einsätzen in der viel schnelleren NLA auch nicht überzeugen: «Ich wollte Freiburg zu Punkten verhelfen, leider ist mir das nicht gelungen. Eine gute Erfahrung war es für mich trotz den zwei Niederlagen allemal.»

Zu den bereits vorhandenen Verletzungssorgen droht nun auch noch die Absenz von Stürmer John Fritsche hinzuzukommen, der im letzten Drittel wegen einer Knieverletzung nicht mehr auf das Eis zurückkehrte und durch den nominell 13. Angreifer Caryl Neuenschwander ersetzt wurde. So gesehen sind die Aussichten vor dem Sechspunktespiel in Lausanne morgen Abend nicht gerade rosig, auch wenn immerhin Jonas Holos und Barry Brust nach ihren Einsätzen mit der Nationalmannschaft ins Team zurückkehren. Coach Mark Fench bleibt in der schwierigen Phase trotz allem ruhig: «Wir wussten schon im Sommer, dass es für uns eine schwierige Saison wird, der gute Start hat vielen Sand in die Augen gestreut. Jetzt sind wir in der Tabelle etwa dort, wo wir hingehören, aber wir haben noch alles in unseren Händen.»

Telegramm

Lugano - Freiburg-Gottéron 8:2 (2:2, 4:0, 2:0)

5636 Zuschauer. – SR Urban/Wiegand, Bürgi/Stuber. Tore: 3. (2:57) Walker (Reuille) 1:0. 4. (3:28) Lapierre (Julien Vauclair, Bertaggia) 2:0. 8. Slater (Rathgeb, Stalder) 2:1. 13. Bykow (Rossi/Ausschluss Fazzini) 2:2. 25. (24:20) Hofmann (Bürgler, Ronchetti) 3:2. 25. (24:41) Bertaggia (Lapierre, Chiesa) 4:2. 27. Brunner (Fazzini, Hofmann/Ausschluss Kühni) 5:2. 37. Bürgler (Hofmann, Cunti) 6:2. 51. Hofmann (Sartori) 7:2. 57. Julien Vauclair (Bertaggia, Romanenghi/Ausschluss Slater) 8:2. Strafen: 5-mal 2 Minuten gegen Lugano, 8-mal 2 Minuten gegen Freiburg-Gottéron. – Postfinance-Topskorer: Fazzini; Birner.

Lugano: Merzlikins; Sanguinetti, Ronchetti; Chiesa, Sartori; Wellinger, Julien Vauclair; Kparghai; Brunner, Cunti, Hofmann; Bertaggia, Lapierre, Fazzini; Bürgler, Sannitz, Klasen; Walker, Romanenghi, Reuille.

Freiburg-Gottéron: Waeber; Kienzle, Stalder; Abplanalp, Chavaillaz; Rathgeb, Kühni; Rossi, Bykow, Devos; Birner, Slater, Mottet; Fritsche, Rivera, Tristan Vauclair; Marchon, Schmutz, Meunier; Neuenschwander

Bemerkungen: Lugano ohne Furrer, Ulmer (beide verletzt), Lajunen (Nationalteam Finnland) und Riva (U20), Freiburg ohne Cervenka, Glauser, Schilt, Sprunger (alle verletzt), Brust (Nationalteam Kanada), Holos (Nationalteam Norwegen) und Chiquet (überzählig). Brunner verletzt ausgeschieden (56). Pfostenschüsse Sannitz (23.), Sanguinetti (41.) und Bykow (55.).

Schussstatistik: 30:39

Die FN-Besten: Hofmann, Bykow.