Eishockey 13.10.2017

Für einmal im Scheinwerferlicht

Will sich heute in der zweiten Sturmlinie von Gottéron von seiner besten Seite präsentieren: Nathan Marchon.
Nathan Marchon spielt in dieser Saison um seine Zukunft in der National League. Heute erhält der 20-jährige Stürmer die Chance, sich zu präsentieren. Er darf an der Seite von Andrei Bykow und Matthias Rossi spielen.

Als Nathan Marchon am Donnerstagmorgen das Training beendet, steht bereits die Eismaschine neben ihm, der zweitletzte Spieler ist zehn Minuten zuvor vom Eis gegangen, die ersten Teamkollegen haben das Stadion bereits verlassen – geduscht und angezogen wohlgemerkt. «Ich will mich langfristig als Stammspieler bei Gottéron etablieren. Um das zu schaffen, muss ich mehr machen als die anderen, so einfach ist das», sagt Marchon.

Der 20-Jährige steht an einem wichtigen Punkt seiner Karriere. Will sich der Stürmer, dessen Vertrag Ende Saison ausläuft, in der National League etablieren, muss er sich aufdrängen, wenn er die Chance dazu erhält. Allzu viele Möglichkeiten, sich im Scheinwerferlicht zu präsentierten, hatte Marchon in dieser Saison noch nicht. Oft war er bloss 13. Stürmer, nur gerade fünf Minuten stand er pro Spiel im Schnitt auf dem Eis. Meist in der dritten oder vierten Linie, betraut insbesondere mit Defensivaufgaben. Nach acht Einsätzen wartet er weiter auf seinen ersten Skorerpunkt.

Wirbeln mit Andrei Bykow

Im heutigen Heimspiel gegen Lugano erhält Marchon erstmals richtig die Chance, sein Offensivpotenzial auszuschöpfen. Er stürmt an der Seite von Andrei Bykow und Matthias Rossi, zwei offensiv starken Spielern. Kein Wunder also, schiesst Marchon noch Puck um Puck aufs Tor, als sämtliche Mitspieler längst in der Garderobe verschwunden sind. «Natürlich ist es motivierend, mit solchen Spielern eine Linie zu bilden.» Er versuche, sich in erster Linie auf die Defensivarbeit zu konzentrieren. Trainer Mark French habe ihm mit auf den Weg gegeben, junge Spieler müssten zuerst darauf achten, defensiv solid zu sein, keine blöden Fehler zu begehen und ein paar Schüsse zu blocken. «Gleichzeitig werden Andrei und ich versuchen, mit unserer Schnelligkeit für Gefahr zu sorgen. Wir müssen viel laufen, ständig in Bewegung sein und so die Lugano-Verteidiger dazu zwingen, sich ebenfalls zu bewegen. Denn die sind zwar gross, aber dadurch vielleicht nicht gerade die mobilsten.»

Schnelligkeit als Hauptstärke

Nathan Marchon habe seine Chance verdient, sagt Trainer French. «Er hat mit wenig Eiszeit gute Dinge gemacht, nun werden wir sehen, wozu er fähig ist, wenn er mehr Eiszeit erhält. Nathan ist ein guter Schlittschuhläufer, der definitiv über Potenzial in der Offensive verfügt.»

Der 20-Jährige selbst bezeichnet die Schnelligkeit als seine Hauptstärke. «Ich bin sicher eher ein Offensivspieler, aber die Schnelligkeit kann auch in der Defensive helfen. Zum Beispiel, wenn es darum geht, den Puck aus der eigenen Zone zu bringen oder bei einem Abpraller als Erster am Puck zu sein.»

Bei der Frage, was er in seinem Spiel verbessern will, muss Marchon nicht lange überlegen. «Ich muss einige Kilogramm zulegen, um an den Banden solider zu werden. Mein Körper gehört definitiv nicht zu meinen Trümpfen.» Mit 176 Zentimetern und 75 Kilogramm ist Marchon tatsächlich ein Leichtgewicht. Die Aussage, der Körper gehöre nicht zu seinen Trümpfen, hat aber auch noch in einem anderen Bereich seine Gültigkeit. Der ehemalige Junioren-Internationale ist in den letzten Jahren immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen worden. Auch diesen Sommer blieb er von Blessuren nicht verschont. Mit einer Bänderverletzung verpasste er grosse Teile der Vorbereitung sowie die ersten Meisterschaftsspiele. «Es waren mit die härtesten Momente meiner Karriere. Da willst du voll angreifen und bist dann zum Zuschauen verdammt. Zum Glück konnte ich mit Konditionstrainer Bruno Knutti dennoch gut arbeiten.»

Damit, wie sich die Saison seit der Ve rletzung im August für ihn entwickelt hat, ist der Stürmer aus Granges-Paccot zufrieden. «Der Trainer hat mich langsam herangeführt, mich Schritt für Schritt wieder an den Rhythmus gewöhnen lassen und mir immer ein bisschen mehr Vertrauen entgegengebracht.»

Heute soll der nächste Schritt erfolgen. «Lugano hat in der Offensive sehr schnelle Spieler. Wenn man die machen lässt, wird es sehr schwierig. Wir müssen dem Gegner von Anfang an unser Spiel aufzwingen, die Bemühungen im Keim ersticken und sofort zeigen, dass wir hier zu Hause sind.» Nathan Marchon wird alles daran setzen, seinen Teil dazu beizutragen. Er weiss selbst nur zu gut, dass er womöglich nicht Dutzende Möglichkeiten erhalten wird, sich im Scheinwerferlicht der zweiten Sturmlinie präsentieren zu können.

Aufstellung

Slater heute überzählig

Trainer Mark French hält in Sachen überzählige Ausländer weiter an seinem Turnus fest. Im Heimspiel heute (19.45 Uhr) gegen Lugano muss erstmals Topskorer Jim Slater auf der Tribüne Platz nehmen. Diese Massnahme zieht einige Veränderungen in den Sturmlinien nach sich. Die Toplinie bildet erneut das Trio Sprunger/Cervenka/Birner. Auch die Checkerlinie mit Fritsche, Vauclair und Rivera bleibt unverändert. Neu sind indes die Sturmlinien Marchon/Rossi/Bykow sowie Neuenschwander/Meunier/Mottet. Überzählig ist nebst Slater auch Chiquet. Schmutz dürfte 13. Stürmer sein.

Verletzt ist bei Gottéron derzeit niemand. Marc Abplanalp ist von seiner Gehirnerschütterung genesen und trainierte gestern normal mit. «Ein Einsatz im Match vom Freitag käme in Sachen Rhythmus aber noch zu früh, vielleicht aber am Sonntag», so der Verteidiger.

fm

 

Der heutige Gegner

Fakten zu Lugano

• Die Tessiner haben zuletzt viermal in Folge gewonnen und dabei bloss vier Gegentreffer kassiert.

• Zwei Schweizer sind die besten Skorer: Dario Bürgler erzielte in 11 Spielen 8 Tore und 5 Assists, Gregory Hofmann in 7 Spielen bemerkenswerte 9 Tore und 3 Assists.

• Lugano hat 5 der letzten 6 Duelle gegen Gottéron gewonnen und dabei nicht weniger als 29 Tore erzielt.