Eishockey 03.01.2018

Gottérons Reset blieb aus

Gottérons Torhüter Barry Brust sieht, wie der Puck ein erstes Mal in seinem Tor landet.
Hinten teilweise konfus, vorne ohne Durchschlagskraft: Gottéron blieb gestern Abend beim formstarken EHC Biel im Fahrwasser des Dezembers 2017 und kassierte die siebte Niederlage in den letzten acht Spielen.

Die gute Nachricht vorneweg: Weil Lausanne und die Tigers gestern ebenfalls verloren, bleibt Gottérons Vorsprung auf den Strich bei drei Zählern stehen. Einmal abgesehen davon und dass Roman Cervenka gegen Biel sein Comeback geben konnte, war es das denn aber auch schon mit den positiven Punkten aus Freiburger Sicht zum Jahresbeginn.

Defensiv orientierungslos

Denn wer auf ein im Vergleich zum miserablen Dezember verbessertes Gottéron gehofft hatte, wurde gestern jäh enttäuscht. Die Freiburger sahen im Startabschnitt von Beginn an keinen Puck. Und das lag nicht daran, dass Matthias Rossi nach nur gerade 17 Sekunden und einem vermeintlichen Check gegen den Kopf des Seeländer Hüters Jonas Hiller in die Kühlbox musste. Die Gäste überstanden diese erste Unterzahlsituation zwar noch, der erste Gegentreffer war jedoch nur eine Frage der Zeit. Zu sehr waren die Freiburger Spieler eher Zuschauer in vorderster Reihe denn Hauptakteure in dieser Meisterschaftsreprise, als dass sie hätten erwarten können, für ihre erstaunliche Passivität unbestraft zu bleiben. Als Jason Fuchs unbehelligt durch die Freiburger Defensive kurven und seelenruhig auf Beat Forster zurücklegen konnte, war es dann so weit mit dem Bieler Führungstreffer (8.). Die Reaktion der Freiburger? Fiel aus. Im Gegenteil, Robbie Earl erhöhte wenig später auf 2:0.

Das Schussverhältnis nach den ersten 20 Minuten sprach klar zugunsten der Gastgeber (16:6), die noch deutlicher hätten führen können, ja müssen. So setzte Julian Schmutz bei einer der weiteren hochkarätigen Möglichkeiten die Scheibe nur an den Pfosten. Gottéron machte es Biel aber auch gar leicht und war defensiv schlicht inexistent. «Wenn wir in die Playoffs wollen, müssen wir die Schraube hinten definitiv wieder anziehen», hatte Andrei Bykow gesagt (siehe FN vom 30. Dezember 2017). Zu Saisonbeginn noch sei jeder stolz gewesen, gut zu verteidigen. Die paar freien Tage und das Köpfelüften über die Festtage haben sichtlich nicht ausgereicht, diesen defensiven Stolz wiederzufinden.

Nichts verloren von ihrem Elan haben trotz dem Unterbruch im Championat derweil die Seeländer. Das Straucheln unter dem Ende November entlassenen Trainer Mike McNamara ist nicht mehr als eine schlechte Erinnerung. Seither geht es mit Biel steil bergauf. Zunächst unter der Leitung des ad interim eingesprungenen Sportchefs Martin Steinegger und inzwischen mit Antti Törmänen an der Bande – der Finne hatte 2013 mit dem SCB den Playoff-Final gegen Gottéron gewonnen – reihen die Bieler Sieg an Sieg. Zehn aus den letzten zwölf Partien sind es nunmehr. Hinten ist Hiller wieder eine Mauer, die Verteidigung spielt schnörkellos, und im Angriff stimmt der Mix zwischen Kreativspielern und Arbeitern, um die nötigen Tore zu erzielen.

Offensiv harmlos

Gleiches wünschte man sich auch von Gottéron, bis auf eine leichte Steigerung im Laufe des Spiels war aber nichts zu sehen. Die grösste Gefahr strahlte noch die Linie mit den Technikern Cervenka – er traf im Powerplay nur den Pfosten (28.) – und Bykow aus, wobei mit Flavio Schmutz als Ergänzung die physische Komponente fehlte. Trainer Mark French sah das anders und verzichtete darauf, dem Duo den körperlich robusten Rossi an die Seite zu stellen, so wie er es vor Wochen erfolgreich getan hatte.

Hier geht's zum Silvester-Interview mit Andrei Bykow.

Die siebte Niederlage in den letzten acht Spielen war indes nicht nur das Resultat der unzulänglichen Defensive, ganz offensichtlich hapert es auch bei der Torproduktion. Nur mit der Absenz Julien Sprungers ist die Flaute seit 141 Minuten (!) nicht zu erklären. Die Durchschlagskraft fehlt im Freiburger Ensemble gänzlich. So war ein Aufholen des 0:2-Rückstandes nie möglich. Stattdessen vergaben Biels Julian Schmutz und Mathieu Tschantré mit weiteren Stangenschüssen die vorzeitige Siegsicherung.

In der Doppelrunde vom Wochenende kommt es nun zum Wiedersehen mit Hans Kossmann, der bis Ende Saison den ZSC übernommen hat. Gottérons ehemaliger Coach hat den Reset-Button mit dem 6:1-Sieg gegen Lugano gedrückt. French bleiben vier Tage Zeit, um das bis zu den Spielen gegen die Lions vom Samstag (h) und Sonntag (a) doch noch zu schaffen. Ob Stürmer Tristan Vauclair dann dabei sein kann, muss sich noch zeigen. Der Jurassier musste gestern nach einem Check von Earl vorzeitig und angezählt in die Kabine.

Telegramm

Biel - Gottéron 2:0 (2:0, 0:0, 0:0)

6521 Zuschauer (ausverkauft). SR Eichmann/Urban, Gurtner/Küng. Tore: 8. Forster (Fuchs) 1:0. 13. Earl (Micflikier, Fuchs) 2:0. Strafen: 3-mal 2 Min. gegen Biel, 6-mal 2 Min. plus 1-mal 10 Min. (Rossi) gegen Gottéron.

EHC Biel: Hiller; Forster, Jecker; Fey, Kreis; Maurer, Steiner; Dufner; Rajala, Pouliot, Pedretti; Earl, Fuchs, Micflikier; Lüthi, J. Neuenschwander, J. Schmutz; Wetzel, Sutter, Tschantré.

Freiburg-Gottéron: Brust; Chavaillaz, Holos; Stalder, Kienzle; Abplanalp, Rathgeb; Kühni; Mottet, Slater, Rossi; Cervenka, Bykow, F. Schmutz; Vauclair, Rivera, Fritsche; Marchon, Meunier, C. Neuenschwander; Chiquet.

Bemerkungen: Biel ohne Lofquist, Baud (beide verletzt), Joggi (krank), Lüthi, Hächler (beide überzählig) sowie Nussbaumer (U20-WM), Gottéron ohne Glauser, Schilt, Sprunger, Waeber (alle verletzt) und Birner (überzähliger Ausländer). – Pfostenschüsse: J. Schmutz (17. und 53.), Cervenka (28.), Tschantré (53.). – Gottéron ab 58:00 ohne Torhüter. – Timeout Gottéron (59:09).

Die FN-Besten: Fuchs, Brust.

Olympia

Jim Slater mit den USA in Pyeongchang dabei

Im amerikanischen Eishockey-Aufgebot für die Olympischen Spiele 2018 in Südkorea wurden gleich fünf Spieler aus der Schweiz berücksichtigt. Verteidiger Bobby Sanguinetti (Lugano) sowie die Stürmer Jim Slater (Freiburg-Gottéron), Broc Little (Davos), Garrett Roe (Zug) und Mark Arcobello (Bern) werden die US-Farben in dem von Tony Granato gecoachten Team vom 10. bis 25. Februar in Südkorea vertreten. Mit Chris Bourque (vormals Lugano und Biel) sowie Chad Kolarik (ex-Kloten) figurieren zwei weitere Spieler mit Schweizer Vergangenheit im amerikanischen Aufgebot.

Für Gottérons Jim Slater ist es im Alter von 35 Jahren die erste Olympia-Teilnahme. Der Center mit der Erfahrung von 592 NHL-Spielen, der mit den USA zweimal an einer WM teilgenommen hat, profitiert davon, dass die Meisterschaft in Nordamerika für die Olympischen Spiele nicht unterbrochen wird und die Spieler aus der NHL und der AHL dem Team USA damit nicht zur Verfügung stehen.

Weitere Gottéron-Spieler dabei

Slater wird nicht der einzige Gottéron-Spieler in Pyeongchang sein. Der norwegische Verteidiger Jonas Holos sowie der tschechische Stürmer Roman Cervenka sind in ihren nationalen Auswahlen gesetzt. Cervenkas Landsmann Michal Birner sowie der kanadische Goalie Barry Brust haben ebenfalls Chancen auf eine Selektion.

Von den Schweizer Spielern im Team der Freiburger darf sich einzig der junge Verteidiger Yannick Rathgeb Hoffnungen auf eine Teilnahme in Südkorea machen.

sda/fm

 

Spengler Cup

2018 zum dritten Mal mit Gottéron?

Die Chancen stehen gut, dass Gottéron Ende Jahr am Spengler Cup teilnehmen wird. «Das Interesse ist gegenseitig», sagte Freiburgs Generaldirektor Raphaël Berger gestern auf FN-Anfrage. «Konkrete Verhandlungen gab es aber noch keine.» Gottéron hatte schon für die Ausgabe 2017 als zweiter Vertreter neben Gastgeber Davos in der Poleposition als zweiter Schweizer Vertreter gestanden. Letztlich kam aber die Schweizer Nationalmannschaft hinsichtlich der Olympischen Spiele vom Februar in Pyeongchang zum Zug. Für die Freiburger wäre es die dritte Teilnahme am Spengler Cup. 2012 hatte Gottéron im Rahmen seines 75-Jahre-Jubiläums in den Bündner Bergen mit seinen treuen Fans für Begeisterung gesorgt. Erstmals hatte Gottéron 1992 am Traditionsturnier teilgenommen.

fs