Eishockey 29.12.2017

Von Top bis Flop ist alles dabei

Marc-Antoine Pouliot (rechts) spielt in Biel eine sehr starke Saison, Greg Mauldin läuft es in Deutschland nicht ganz so gut.
Der eine ist Topskorer, der andere bangt um die Fortsetzung seiner Karriere, einige spielen nur noch zweitklassig. Der Werdegang der Spieler, die Gottéron diese oder letzte Saison verlassen haben, ist unterschiedlich.

Spieler kommen und gehen – doch Gottéron kennt am Ende des Kalenderjahres auch mit zahlreichen neuen Gesichtern dieselben Probleme und Playout-Sorgen wie vor Jahresfrist. Da stellt sich die Frage: Wie geht es umgekehrt den Spielern, die Gottéron zuletzt verlassen haben?

Bei der Konkurrenz erstarkt

Denjenigen, die innerhalb der National League den Club gewechselt haben, geht es ziemlich gut. Mal abgesehen vielleicht von Benjamin Conz, der auch im Tor von Ambri mit 89,9  Prozent keine gute Abwehrquote aufweist. Marc-Antoine Pouliot hingegen, der letzte Saison nach der unvergessenen Schlittschuh-Affäre Gottéron während der Saison verlassen musste, ist der Topskorer des EHC Biel, mit seinen 28  Punkten wäre er übrigens auch bei Gottéron klar der beste Skorer. Mit einer Plus-13-Bilanz gehört er zudem in dieser aussagekräftigen Kategorie zu den Top 15 der Liga. Gute Werte weisen auch Anton Gustafsson (17  Punkte) und Benjamin Neukom (12) auf. Die beiden Langnau-Stürmer haben damit deutlich mehr Skorerpunkte auf ihrem Konto als letzte Saison bei Gottéron. Schliesslich hat auch Larri Leeger, der in Freiburg zu Beginn der aktuellen Saison kaum zum Einsatz gelangte und deshalb Anfang November zum EV Zug wechselte, der Abgang gutgetan. Er gehört bei den Zentralschweizern zu den Top-6-Verteidigern und weist mit fünf Skorerpunkten und einer Plus-6-Bilanz sehr gute Statistiken auf.

Unglücksrabe Vesce

Deutlich weniger gut ist es den Spielern ergangen, die nur noch eine Liga tiefer, in der Swiss League, untergekommen sind. US-Stürmer Ryan Vesce, der auf diese Saison hin zum EHC Olten gewechselt hat, wurde Anfang Oktober im Spiel gegen die EVZ Academy von Cyril Oehen brutal gegen den Kopf gecheckt und erlitt eine Gehirnerschütterung. Seither leidet er an Kopfweh, Schwindel, Übelkeit und unangenehmem Ohrendruck. «Das Schlimmste ist, dass ich keine Fortschritte spüre. Die Symptome sind auch jetzt immer noch genau gleich schlimm wie am ersten Tag», sagte der 35-Jährige kurz vor Weihnachten gegenüber dem Internetportal «Watson». Für Vesce steht deshalb gar die Fortsetzung seiner Karriere auf dem Spiel.

Aus freien Stücken beendete letzte Woche Daniel Steiner seine Karriere. Der 37-jährige Stürmer lief in dieser Saison noch für den HC Thurgau auf, kam aber mit bloss einem Tor in 28 Spielen nicht auf Touren. Weil er nicht mehr mit der üblichen Leidenschaft am Werk sei, sei er zum Schluss gekommen, mitten in der Saison aufzuhören. Er arbeitet bereits als Gesundheits- und Ernährungsberater und will sich nun noch zum Athletikcoach und zu einem späteren Zeitpunkt als Eishockey-Trainer ausbilden lassen.

In der Swiss League ist von den letztjährigen Freiburgern damit Mathieu Maret noch der erfolgreichste. Der Verteidiger spielt bei Ajoie meist im dritten Verteidigerblock, nimmt aber auch in der zweithöchsten Spielklasse keine dominante Rolle ein.

Durchzogene Saison für Mauldin

Keine dominante Rolle nehmen in ihren Teams auch die letztjährigen Gottéron-Spieler ein, die auf diese Saison hin in die höchste deutsche Liga gewechselt sind. 7 Tore und 10 Assists hat der ehemalige Freiburger Fan-Liebling Greg Mauldin diese Saison in 35 Spielen mit dem ERC Ingolstadt geholt. Da die DEL als einen Tick langsamer und schwächer gilt als die höchste Schweizer Liga, sind das sicher keine überragenden Werte. Der US-Stürmer ist der sechstbeste Skorer des Tabellenneunten der DEL, hat aber immerhin eine positive Plus-Minus-Bilanz, was bei einem Team, das klar mehr Niederlagen als Siege auf dem Konto hat, keine Selbstverständlichkeit ist. Nicht besser steht Alexandre Picard mit der Düsseldorfer EG da. Die DEG belegt Rang 10, Verteidiger Picard nimmt auch in seinem neuen Team eine strikt defensive Rolle ein (3  Punkte).

Nur noch zweitklassig spielt Mattias Ritola. Nach seinem enttäuschenden kurzen Gastspiel bei Gottéron stieg der Stürmer letzte Saison mit seinem Heimatclub Leksands IF in die zweite schwedische Liga ab. Immerhin belegt Leksand dort Rang  2, und der 30-jährige Ritola ist mit 15  Punkten der drittbeste Skorer im Team. Auf klar höherem Niveau spielt Vorzeige-Kämpfer Antti Pihlström. Sein Arbeitgeber Jokerit Helsinki ist die drittbeste Mannschaft in der KHL, der besten Liga nach der nordamerikanischen NHL. Mit 12  Punkten und einer Plus-10-Bilanz hat auch der finnische Nationalstürmer seinen Teil dazu beigetragen.

Schwieriges Jahr für Repik

Bleiben noch zwei Namen, die man nicht wirklich als ehemalige Spieler bezeichnen kann: Reto Berra und Michal Repik. Beide hatten für diese Saison bei Gottéron unterschrieben, allerdings nie ein Spiel bestritten. Reto Berra machte von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch und wechselte nach Nordamerika. Dort absolvierte der Torhüter, der nächste Saison doch noch nach Freiburg wechseln könnte, vier Spiele in der NHL mit den Anaheim Ducks und überzeugte mit einer Abwehrquote von 93,2  Prozent. Mehrheitlich kam er aber erwartungsgemäss eine Klasse tiefer beim AHL-Team San Diego Gulls zum Einsatz, wo seine Abwehrquote 90  Prozent beträgt.

Weil Gottéron nach Berras Abgang einen ausländischen Torhüter verpflichten musste, kam auch Stürmer Michal Repik letztlich nie in Freiburg an. Stattdessen spielt der tschechische Nationalstürmer mit Slovan Bratislava in der KHL – mit mässigem Erfolg. Bratislava ist das viertschlechteste der 26 Teams, mit 18  Punkten aus 41 Spielen und einer Minus-15-Bilanz sind auch Repiks persönlichen Statistiken nicht gerade überragend.