Formel 1 10.11.2017

Formel-1-Fahrer Wehrlein zwischen Hoffen und Bangen

Pascal Wehrlein bekommt in seinem Bemühen um den Verbleib in der Formel 1 die Besonderheiten der Rennserie zu spüren. Für den Fahrer des Teams Sauber stehen die Zeichen unverändert auf Abschied.

Seit Lewis Hamilton vor knapp zwei Wochen im Grand Prix der USA in Austin seinen vierten Titelgewinn perfekt gemacht hat, sind in der Formel 1 aus sportlicher Sicht die wichtigsten Entscheidungen gefallen. Offene Fragen stehen vor den letzten zwei Rennen des Jahres vorab im Personalbereich im Raum. Noch haben nicht alle Teams ihre Fahrer für die nächste Saison bestimmt. Über die Vergabe der letzten Startplätze gibt es mehr Meinungen als Tatsachen. Gerüchte und Spekulationen, medial gestreut von selbsternannten Insidern und Besserwissern, haben Hochkonjunktur.

Zwischen Hoffen und Bangen

Kein Gerücht, sondern bittere Realität ist die Lage für Pascal Wehrlein. Der Deutsche gehört zu den Fahrern, die sich wegen ungewisser Zukunft in der Formel 1 zwischen Hoffen und Bangen bewegen. Sein Abgang beim Team Sauber ist nach allgemeiner Wahrnehmung längst beschlossene Sache und sein Abschied aus der Formel 1 das naheliegendste Szenario, zumal davon ausgegangen wird, dass die Suche nach einem neuen Arbeitgeber in der Sackgasse enden wird.

Der einst hoch gehandelte Wehrlein ist das aktuelle Beispiel dafür, dass das fahrerische Niveau allein für ein Engagement in der Formel 1 nicht ausreicht. Finanzielle Mittel, das damit verbundene Mäzenatentum sowie Geschäftsbeziehungen und Verfilzungen sind ebenso wichtige Faktoren. Willkommen in der Scheinwelt Formel 1!

Für Wehrlein kommt erschwerend dazu, dass er in den zwei Jahren seit seinem Einstieg in die Formel 1 bei Manor und bei Sauber in nicht konkurrenzfähigen Autos sass und sein Können nie in gewünschtem Mass entfalten konnte. Falls die Zusammenarbeit mit Sauber wie erwartet nach nur einer Saison endet, liegt das primär an den Besitzverhältnissen des Zürcher Rennstalls respektive an den Beziehungen von Teamkollege Marcus Ericsson zu den Eigentümern.

Der Schwede profitiert seit Jahren von der Unterstützung der Familie Rausing. Er darf davon ausgehen, auch im nächsten Jahr in einem der zwei Cockpits Platz nehmen zu können - dannzumal mit grösster Wahrscheinlichkeit an der Seite des Monegassen Charles Leclerc, des neuen Formel-2-Meisters. Ohne seine finanzkräftigen Donatoren aus dem eigenen Land hätte Ericsson den Aufstieg in die First Class des Autorennsports wohl nicht geschafft. "Pay Driver" gehört in der Formel 1 längst zum Vokabular.

Nach dem vor wenigen Tagen publik gemachten Abgang von Felipe Massa war auch Wehrlein als einer der potenziellen Nachfolger des Brasilianers in der Equipe von Williams genannt worden. Ein von Mercedes geförderter Fahrer im Auto eines von Mercedes mit Motoren ausgestatteten Rennstalls - eine logische Konstellation, könnte man meinen. Dem ist aber nicht so.

Zu junger Werbepartner

Viel wahrscheinlicher ist, dass Wehrleins Rochade zum britischen Traditionsteam an einem absurden Passus in dem von Williams mit Hauptsponsor Martini abgeschlossenen Vertrag scheitern wird. Der Spirituosen-Hersteller hat sich ausbedungen, dass zumindest einer der beiden Fahrer 25 Jahre alt sein muss. Damit will das italienische Unternehmen gewährleistet haben, mit dem Fahrer für seine Produkte werben zu können. Der Kanadier Lance Stroll, dank einer jährlichen Mitgift von rund 30 Millionen Franken seines schwerreichen Vaters unbestritten, ist Ende Oktober 19-jährig geworden. Wehrlein ist 23-jährig.

Da dürfte selbst Toto Wolff, der Motorsportchef von Mercedes, als Fürsprecher Wehrleins nicht allzu viel bewirken können. Der Wiener betrachtet den Verhandlungsspielraum mittlerweile als erschöpft. Konkret mochte er sich dazu nicht äussern. Es liegt aber auf der Hand, dass Wolff bei den Gesprächen ein Entgegenkommen in Bezug auf die Leasing-Raten für die an Williams gelieferten Antriebsaggregate in Aussicht gestellt hat. Abwägen zwischen Geld und Fahrer. Typisch Formel 1. Nicht nur die "Kenner der Szene" interpretieren so.

sda Sport