Fussball 07.02.2018

Der FC Freiburg kommt nicht zur Ruhe

Um beim FCF klar Schiff zu machen, fehlt Daniel Neuhaus neben dem Beruf die Zeit.
Erst seit fünf Monaten im Amt, hat der Sensler Daniel Neuhaus bereits wieder als Präsident des FC Freiburg demissioniert. Die neu aufgetauchten finanziellen Engpässe zu lösen würde sich zeitlich nicht mit seinem beruflichen Engagement vereinbaren lassen.

Am 30. August 2017 wurde Daniel Neuhaus an der Generalversammlung des FC Freiburg zum neuen Präsidenten gewählt. Der 49-jährige Sensler trat die Nachfolge von Jean-Pierre Gauch an, der den Club vom St. Leonhard während dreieinhalb Jahren durch sportlich und finanziell turbulente Zeiten geführt hatte. Nachdem in der Saison 2016/17 der Abstieg in die 2. Liga interregional in extremis verhindert werden konnte und Finanzchefin Jocelyne Moret an der GV vermelden konnte, dass die Schulden des Vereins, die 2014 noch 100 000 Franken betragen hatten, getilgt seien, schien der Weg für den FCF in eine erfreulichere Zukunft geebnet.

Finanzielle Leichen im Keller

Sportlich lief es den Freiburgern in der Hinrunde der Meisterschaft 2017/18 mit Rang vier bisher tatsächlich besser. Doch neben dem Terrain kehrt beim Club keine Ruhe ein. Am Dienstagmorgen meldete Radio Freiburg/Fribourg, dass Neuhaus seine Demission bekannt gegeben habe. Gründe für den Rückzug gebe es verschiedene. So habe der selbständige Unternehmer unlängst in Polen eine zweite Firma gegründet, weshalb er beruflich sehr engagiert sei; eine entscheidende Rolle habe aber des Weiteren die Tatsache gespielt, dass der Schuldenberg des FC Freiburg offensichtlich doch noch nicht abgetragen worden sei.

Neuhaus bestätigte am frühen Abend gegenüber den FN, dass die Finanzen der Grund gewesen sind, von seinem Amt zurückzutreten. «Nach der GV habe ich mir eine Übersicht über die Finanzen und die Verträge verschafft. Dabei kamen einige Leichen im Keller zum Vorschein.» Der Fehlbetrag belaufe sich auf rund 30 000 Franken. Um aufzuräumen, würde er viel Zeit und Energie benötigen, was er mit seinem Berufsleben aber nicht vereinbaren könne. «Für die Umsetzung meiner Pläne würde ich während einem Jahr 50 Prozent meiner Zeit benötigen. Das ist für ein Ehrenamt nicht möglich.»

Vorgänger mit reinem Gewissen

Sein Vorgänger Gauch erklärt die inzwischen neu aufgetauchten Schulden durch den Umstand, dass er ursprünglich gar nicht vorgehabt habe, seinen Posten als Präsident zu räumen. «Noch bis zwei Wochen vor der GV ging ich davon aus, dass ich Präsident bleiben werde. Dann aber hat mir Héribert Brülhart (Red.: zugleich Ehrenpräsident und graue Eminenz des FCF) mitgeteilt, dass er für das Amt Herrn Neuhaus vorgesehen habe. Zu jenem Zeitpunkt waren aber noch nicht alle ausstehenden Forderungen in die Jahresrechnung eingeflossen.» Er persönlich habe während seiner Amtsperiode gut 60 000 Franken in den Verein eingeschossen und und habe trotz den neuesten Entwicklungen ein reines Gewissen. Neuhaus stützt seinen Vorgänger. «Tatsächlich waren einige Rechnungen seit längerer Zeit offen. Deshalb wurde ein provisorischer Abschluss präsentiert.» Er bemängelt einzig, dass es vonseiten der alten Führung verpasst wurde, eine passive Rechnungsabgrenzung vorzunehmen.

Neuhaus selbstkritisch

Als Präsident eines Clubs stehe man auf dünnem Eis, hält Neuhaus in der Nachbetrachtung fest. Besonders dann, wenn Partikularinteressen eine Rolle spielen würden. Gleichzeitig habe es ihm grosse Freude bereitet, zu sehen, wie viele Leute sich für den FC Freiburg mobilisieren lassen. «Unter anderem habe ich mit Gérald Rossier (Red.: ehemaliger Ausbildungschef im Freiburger Fussball-Verband) interessante Gespräche geführt, wie der Nachwuchsbereich verbessert werden kann. Wir hatten einige gute Ansätze.» Er sei in der Regel jemand, der zu Ende bringe, was er anpacke. Im Fall des FC Freiburg sei das wegen den eingangs erwähnten Gründen indes nicht machbar gewesen. Womöglich sei er eine Spur zu naiv an die ganze Sache herangegangen, übt Neuhaus auch Selbstkritik. «Würde ich nochmals ein solches Amt übernehmen, dann nur mit dem eigenen Staff und einem kleinen Budget als Startkapital.»

Neuhaus erklärt, dass er in den letzten Wochen die Übergabe der Geschäfte an Ehrenpräsident Brühart und den Technischen Direktor des FC Freiburg, Bernard Joye, vollzogen habe. Bis ein neuer Präsident gefunden ist, liegen die Geschicke des Clubs in den Händen der beiden altbekannten Exponenten des FCF. Brülhart treibt zurzeit vorab die finanzielle Schieflage um. «Plötzlich kommen wieder Schulden zum Vorschein. Es ist zwar kein grosser Betrag; dem Verein fehlt es aber an der Liquidität.» Deshalb müsse permanent nach flüssigen Mitteln gesucht werden. Für Ex-Präsident Gauch ist das keine Überraschung. «Ich hatte vor meinem Abgang bereits ein Budget für die Saison 2017/18 aufgestellt, das aber überzogen wurde.» In der Tat hatte Joye noch an der GV angekündigt, dass er das Budget für das Fanionteam um 80 000 Franken erhöhe.

Aderlass im Kader

Die Konsequenz davon sind nun Sparmassnahmen. Laut Radio Fribourg/Freiburg hätten nicht weniger als zehn Spieler den Verein in der Winterpause verlassen. Bestätigt ist, dass mit Robyn Chirita, Yannick Moussa sowie Adan Rebronja gleich drei FCF-Spieler zum vom Abstieg bedrohten Kantonsrivalen und Liga-Konkurrenten SC Düdingen gewechselt haben. Geht es nach Brülhart, soll aber auch im Nachwuchsbereich der Rotstift angesetzt werden. Er habe Gérald Rossier mit der Aufgabe betraut, herauszufinden, wo bei den Junioren ein Sparpotenzial vorhanden ist.

Einen Monat vor dem Rückrundenstart der 1. Liga ist es beim FC Freiburg damit bereits wieder vorbei mit der Ruhe. «Es war Brülhart, der Neuhaus geholt hat, jetzt muss er für seine Wahl die Verantwortung übernehmen», schliesst Gauch.