Freiburg 07.12.2017

«Bevölkerungsschichten vermischen»

Die Notschlafstelle La Tuile mit Direktor Eric Mullener organisiert das traditionelle Suppenfestival auf dem Georges-Python-Platz.
Von heute bis zum 25. Dezember herrscht auf dem Georges-Python-Platz in der Stadt Freiburg wieder Feststimmung – dank dem Suppenfestival, das die Notschlafstelle La Tuile organisiert. Direktor Eric Mullener spricht über die Ziele des Festes.

Eric Mullener, der Direktor der Freiburger Notschlafstelle La Tuile, freut sich auf die kommenden Wochen.

Eric Mullener, das Suppenfestival wird heute eröffnet. Wie oft werden Sie in den drei Wochen eine Suppe schlürfen?

Jeden Tag. Das ganze Team von La Tuile isst so viel Suppe, dass wir Ende Jahr gar keine Lust mehr darauf haben (lacht).

Das Suppenfestival findet bereits zum 13. Mal statt. Wie entstand die Idee?

Meine Idee war es, dass an Weihnachten etwas gratis ist. Ziel ist es, Menschen aus verschiedenen Bevölkerungsschichten zu vermischen. Im Idealfall kommt zum Beispiel ein Banker mit einem Obdachlosen in Kontakt. Das macht das Suppenfestival aus.

Insgesamt 450 Helferinnen und Helfer in Küche und beim Auf- und Abbau benötigt das Suppenfestival. Gestaltet sich die Suche nach Helfern schwierig?

Im Gegenteil. Wir haben sogar zu viele Anmeldungen erhalten. Noch jetzt rufen Leute an, die in irgendeiner Form helfen wollen.

Drei Wochen dauert dieses Fest. Wieso so lange?

Vor allem an Heiligabend und Weihnachten denken die Leute an die Armen, Einsamen. Drei Tage wären aber zu wenig, und deshalb sind es je nach Kalender zwei oder wie dieses Jahr drei Wochen. Wichtig für uns ist, dass es bewusst ein fröhliches Fest ist und nicht ein Trauerereignis.

Das Suppenfestival hat das Konzept: Man zahlt so viel, wie man will. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Ausgezeichnete Erfahrungen. Da die Mehrheit sehr grosszügig spendet, gleicht es sich aus, wenn es Menschen gibt, die weniger geben oder weniger geben können.

Schätzen Sie die Gesellschaft allgemein als sozial ein?

Solidarisch, ja. Natürlich gibt es je länger, je mehr Individualismus. Dennoch ist das Bedürfnis vorhanden, solidarisch zu sein, und zwar nicht mittels Einzahlungsschein, sondern indem man aktiv etwas tut. Deshalb haben wir auch so viele Anmeldungen von Helfern.

Was bieten Sie sonst noch an, ausser einer warmen Suppe?

Neben täglicher Musik bringen die umliegenden Bäcke­reien ihre Ware, die sie tagsüber nicht verkaufen konnten, zu uns. Deshalb haben wir auch Brot und verschiedene Desserts im Angebot. Dazu bringen viele Familien noch Biscuits mit.

Letztes Jahr kamen total 5000 Besucherinnen und Besucher. Was erhoffen Sie sich heuer?

Das Limit haben wir letztes Jahr eigentlich erreicht. Wir wollen aber auch keinen grös­seren Pavillon. Wir rechnen etwa mit 300 Personen und 200 Suppen pro Tag.

Leben in Freiburg Obdachlose auf der Strasse?

In der Freiburger Notschlafstelle La Tuile haben Personen aus dem Kanton Vorrang. Heute muss in Freiburg kein Obdachloser auf der Strasse übernachten, ausser wenn er oder sie das wirklich will. Die Notschlafstelle ist für den Notfall gedacht und bietet 30 Plätze an. Aber wir sind keinesfalls eine langfristige Lösung, sondern nur für den Übergang da. Wir entwickeln mit den Hilfsbedürftigen ein Konzept, wie es für sie weitergehen kann.

Klappt das in allen Kantonen so wie in Freiburg?

Nein, zum Beispiel in Genf oder Lausanne gibt es dieses Vorrang-Prinzip nicht, und deswegen haben sie auch grös­sere Probleme.

Programm

Drei Wochen lang Suppe und Musik

Heute um 17.15 Uhr wird das Suppenfestival auf dem Python-Platz offiziell eröffnet. Bis zum 25. Dezember können täglich bis zu 300 Personen im weihnachtlich geschmückten Pavillon eine warme Suppe und musikalische Unterhaltung geniessen.

afb