Freiburg 27.12.2017

Das Rock Café schliesst nach 25 Jahren

Benu Schneider (vorne links im roten Pullover) sowie seine Weggefährten und Angestellten feiern noch einmal zusammen.
Vor einem Vierteljahrhundert wurde das Rock Café in Freiburg zum In-Lokal: Die Musik stand im Vordergrund, und zu feiern gab es in der Bar bei der Kantonalbank immer etwas. Nun geht das Lokal zu.

Vor 25 Jahren eröffnete Benu Schneider zusammen mit Freunden das Rock Café in Freiburg. Am Silvester steigt nun die letzte grosse Party am Perolles 1, bei der Freiburger Kantonalbank. Und dann ist Schluss: Nach einem Vierteljahrhundert schliesst das Rock Café seine Türen.

Traurig ist Benu Schneider nicht. Der 66-Jährige erinnert sich gerne an die Anfangsjahre. «Damals waren wir die unbestrittenen Platzhirsche.» Die Idee des Rock Cafés war an einem Stammtisch entstanden. Die fünf Quereinsteiger – «wir waren Lehrer oder kamen aus der Medienbranche» – hatten mit ihrem Konzept von Beginn weg Erfolg. «Wir kamen anders daher, schon nur der Name unseres Lokals war anders», sagt Benu Schneider. Vor allem stand die Musik im Vordergrund, auch wenn das Rock Café immer auch Speisen angeboten hat.

«Seit der Eröffnung ist das Rock Café meine Stammkneipe», sagt Jean-Marc Lehmann, besser bekannt als «Bouboul». «Mit den Kollegen mussten wir nicht abmachen, wir haben uns einfach hier getroffen, haben etwas gegessen, vielleicht noch einen Jass geklopft und sind dann später runter in die Bar.» Zu Beginn hätten sich vor allem Deutschschweizer im Rock Café getroffen. «Wir haben uns hier wohlgefühlt.» Die Bar sei immer voll gewesen. «Und es hat auch nie jemand etwas gesagt, wenn wir mal auf der Bar tanzten.»

In den 1990er-Jahren waren die Behörden flexibel: Das Rock Café erhielt immer die Erlaubnis, bis um 2 oder 3 Uhr morgens geöffnet zu haben. «Vor gut zehn Jahren wurde mir klar, dass die Öffnungszeiten immer restriktiver gehandhabt werden», sagt Benu Schneider. Darum übernahm er eines der vier Patente F, die der Kanton vergibt – und damit die Möglichkeit, bis um 6 Uhr morgens offen zu haben.

Damit seien die Leute immer später ins Rock Café gekommen. «Erst kamen sie um 21 Uhr, dann um 23 Uhr, am Schluss nun waren sie zwischen 2 und 6 Uhr da.» Das Rock Café ist zum letzten Treffpunkt in der Freiburger Nacht geworden, der Hort der Nachtvögel und der Nimmermüden.

Immer wieder musste die Polizei vor dem Rock Café eingreifen. «Die grosse Mehrzahl unserer Gäste verhält sich anständig», sagt Benu Schneider. «Es reicht ein Einziger, der sich daneben benimmt, damit die Polizei einschreiten muss.» Das Rock Café habe eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Polizei gepflegt. «Im Lokal selber hatten wir nie Probleme», sagt Schneider: Der eigene Sicherheitsdienst habe nur die Leute reingelassen, die sich anständig verhielten.

Während immer mehr Nachtvögel ins Rock Café zogen, blieben die Gäste tagsüber aus. Erst im April hat das Rock Café sein Restaurant im oberen Stockwerk neu eingerichtet und die Karte ganz auf Schweizer Menüs, hergestellt aus Schweizer Produkten, umgestellt. «1291» heisst das Lokal seither (die FN berichteten). Viele neue Kundinnen und Kunden hat das aber nicht gebracht. «Der Spagat zwischen Tages- und Nachtgeschäft ist schwierig», sagt Benu Schneider. «Es ist eine Illusion, zu glauben, dass man am Morgen ein Tea-Room sein kann, am Mittag eine Pizzeria und in der Nacht ein Nachtklub.»

Von den fünf Gründungsmitgliedern ist nebst Benu Schneider auch Reinhold von Allmen immer noch im Rock Café präsent. Der 62-Jährige schaut gerne auf das Vierteljahrhundert zurück, das er im Lokal verbracht hat. Sorgen macht ihm, dass er noch keine neue Stelle hat. «Auch andere Angestellte haben noch nichts Neues», sagt Benu Schneider. «Das ist traurig.» Für ihn selber stimmt aber der Schluss. «Ich werde nun etwas mehr Zeit haben», sagt Schneider, der zwischen der Schweiz und seiner Familie in Montenegro pendelt.

Und noch ist das Rock Café offen: Bis am 31. Dezember bleiben noch einige Nächte für die grosse Party.

«Wir mussten nicht abmachen, wir haben uns hier getroffen und sind dann runter in die Bar.»

Jean-Marc Lehmann

Stammgast

Nachfolge

Pierrot Ayer übernimmt das Lokal des Rock Café

Das Rock Café schliesst Ende Jahr seine Türen. Das Lokal am Perolles 1 in der Stadt Freiburg übernimmt neu Pierrot Ayer: Der Spitzenkoch hat im September sein Restaurant am Perolles 18 geschlossen. Der mit 18 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnete Ayer will im Rock Café zusammen mit seinem Sohn Julien und seiner Frau Françoise Ayer auch eine junge Kundschaft ansprechen und in der Küche mit jungen Talenten zusammenarbeiten (die FN berichteten).

Das Patent F des Rock Cafés und damit die Erlaubnis, bis um 6 Uhr morgens geöffnet zu haben, wird neu ausgeschrieben, ebenso das Patent F des Restaurants Escale in Givisiez. Der Kanton Freiburg vergibt vier solcher Patente; eines ist an das Casino in Granges-Paccot gebunden. Das Patent von L’Oscar in der Industrizone Planchy von Bulle läuft noch über zwei Jahre.

njb