Wahl zum Bundespräsidenten 07.12.2017

Ein Tag mit Symbolgehalt für Berset

Alain Berset wurde von der Bundesversammlung mit einem sehr guten Resultat zum Bundespräsidenten für das Jahr 2018 gewählt. Nach seiner Wahl wurde er von einer grossen Freiburger Delegation empfangen. Er versprach, sein Amt als Teamplayer zu gestalten.

Es war das Traktandum 17.215 im Programm der diesjährigen Wintersession in der Grossen Kammer: «Wahl des Bundespräsidenten». Die Ständeräte hatten sich ebenfalls im Nationalratssaal eingefunden: Die Wahl des Staatsoberhaupts für das kommende Jahr ist Sache der Vereinigten Bundesversammlung.

228 Stimmzettel wurden ausgeteilt und wieder eingesammelt, die Stimmenzähler zogen sich zurück und liefen kurz darauf mit dem offiziellen Resultat ein. Der vor Wochenfrist zum Nationalratspräsidenten gewählte Freiburger Dominique de Buman (CVP) verkündete: «Gewählt ist mit 190 von 210 gültigen Stimmen: Alain Berset.»

Applaus brandete durch den Saal. Der Freiburger SP-Bundesrat, seit 2011 im Amt, hat mit einem sehr guten Wahlresultat die bisher höchste Stufe in seiner politischen Karriere erreicht.
Nachdem Ueli Maurer mit 178 zum Vizepräsidenten des Bundesrates gewählt worden war, trat Alain Berset in den Saal und nahm sichtlich gerührt die Ehrungen der Parlamentarier entgegen. De Buman erinnerte Berset daran, dass seine Wahl auf den Nikolaustag fiel, und überreichte ihm als Produkt aus dem Freiburgerland einen Lebkuchen mit der Aufschrift: «Alain Berset, Patron de la Confédération.»

Berset bezeichnete in seiner anschliessenden Ansprache das ihm für 2018 anvertraute Amt als grosse Ehre aber auch als eine grosse Aufgabe. Er wolle die Arbeit seiner Vorgänger im Sinne der Kontinuität fortsetzen.

Berset erinnerte daran, dass der Tag seiner Wahl gestern auf den 25. Jahrestag der Ablehnung des EWR-Beitritts fiel. Mit Pragmatismus und der Fähigkeit, Kompromisse zu schmieden, habe die Schweiz einen Weg zur Stabilität gefunden. Dieses Gleichgewicht sei in der Europapolitik auch heute noch gefragt. «Unser politisches System verlangt, dass wir alle über den eigenen Tellerrand blicken.» Ohne Kompromissfähigkeit gehe das nicht.

Im Anschluss an Bersets und Maurers Wahl wurde der Ratsbetrieb unterbrochen, und auf den neuen Bundespräsidenten aus Freiburg wartete in der Eingangshalle des Bundeshauses eine grosse Freiburger Delegation. Auf der Treppe zur Linken der drei Eidgenossen empfing ihn eine rund 50-köpfige Delegation mit Persönlichkeiten aus der kantonalen Politik, der Freiburger Bundeshausvertretung, dem Saanebezirk, der Wohngemeinde Belfaux und seiner Partei.

Berset schritt durch Fahnendelegationen der Musikgesellschaft Landwehr, des Kontingentes der Freiburger Grenadiere, des Cadre Noir et Blanc sowie Trachtenfrauen die Treppe hinunter, während vom Eingang her Alphornklänge ertönten.

Im Scheinwerfer und Blitzlicht der Medienvertreter begrüsste Berset viele Personen aus seinem engeren Umfeld und Wegbegleiter seiner rasanten politischen Karriere. Er stiess mit Weisswein auf seinen Wahlerfolg an, schüttelte Hände und kam dem Autogrammwunsch eines jugendlichen Fans nach.

Inzwischen war von Berset eine gewisse Anspannung abgefallen, die ihm im Nationalratssaal nach seiner ehrenvollen Wahl noch anzusehen gewesen war. Er hatte dort angekündigt, dass das Präsidialjahr keine One-Man-Show sein soll. «Ich werde nie etwas alleine tun», sagte er. Er setze voll auf den Teamgeist, den der Bundesrat in den letzten Jahren entwickelt habe.

 

Reaktionen
«Man wird mehr über Freiburg sprechen»

Vier breite und zufriedene Lächeln, beleuchtet von einem Kamerablitz: Der frischgebackene Bundesratspräsident Alain Berset posierte zusammen mit seiner Frau und seinen Eltern für ein Familienportrait. «Dies ist das erste Familienfoto, welches wir hier im Bundeshaus gemacht haben», sagte Bersets Mutter, die Freiburger SP-Grossrätin Solange Berset gegenüber den FN. Den Tag mitzuerleben, an dem ihr Sohn als Bundesratspräsident gewählt wurde, sei sehr emotional gewesen.

Der Freiburger Grossratspräsident Bruno Boschung (CVP) hat die Atmosphäre im Nationalratssaal als spannend miterlebt. «Mit Dominique De Buman als Nationalratspräsidenten und nun Alain Berset als Bundesratspräsidenten wird dem Kanton eine grosse Ehre zuteil», so Boschung. Bei der Wahl von Berset vor Ort dabei sein zu dürfen, empfinde sie als ein Privileg, sagte die Freiburger Staatskanzlerin Danielle Gagnaux-Morel: «Es war bewegend die Wahl von Berset zu sehen.» Der Freiburger Staatsratspräsident Maurice Ropraz (FDP) sieht in Bersets und De Bumans Wahl eine Chance für Freiburg: «Unser Kanton wird im kommenden Jahr sichtbarer und man wird vermehrt über ihn sprechen.» (jp)