FREIBURG 23.12.2017

Erinnerung an einen grossen Heiligen

Markus Schmid und Jean Winiger (von links) entführten die Festgemeinde schauspielerisch in das Jahr 1481.
Die Regierungen der Kantone Freiburg und Solothurn feierten gestern den 600. Geburtstag des heiligen Nikolaus von der Flüe und den 536. Jahrestag des Beitritts beider Kantone in die Eidgenossenschaft.

Mit einem grossen Festakt im Freiburger Rathaus ging gestern das Jubiläums­jahr zum 600. Geburtstag des heiligen Nikolaus von der Flüe – Bruder Klaus – zu Ende. Es war ein gesellschaftlicher Top-Anlass. Die Freiburger Staatsräte Maurice Ropraz (FDP), Georges Godel (CVP) und Jean-Pierre Siggen (CVP) gaben sich ebenso die Ehre wie der alte und der neue Grossratspräsident, Bruno Boschung (CVP, Wünnewil-Flamatt) und Markus Ith (FDP, Murten), Nationalratspräsident Dominique de Buman (CVP) sowie eine Solothurner Delegation um Regierungspräsident Remo Ankli und zahlreiche weitere Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kirche. Musikalisch umrahmt wurde die Feier, zu der die Vereinigung Freunde «Bruder Klaus» eingeladen hatte, von der Akkordeon-Virtuosin Christel Sautaux.

Zwei Schaupieler, Jean Winiger und Markus Schmid, nahmen in einer zweisprachigen Darbietung Bezug auf den Anlass dieses Tages: den 22. Dezember 1481, der Tag, an dem das sogenannte Stanser Verkommnis unterzeichnet wurde. Sie stellten in zeitgenössischen Kostümen des 15. Jahrhunderts einen Freiburger und einen Solothurner dar, die von der Tagsatzung zu Stans heimkehren und sich über das Erlebte und über Bruder Klaus unterhalten.

Nach dem Sieg über Karl den Kühnen in den Burgunderkriege kam es damals nämlich unter den Alten Eidgenossen zum Streit über die Kriegsbeute. Verbunden mit der Frage, ob Freiburg und Solothurn der Eidgenossenschaft als selbstständige Stände beitreten dürfen – was das Stadt-Land-Gleichgewicht arg verändert hätte –, führte dieser Zwist um ein Haar zum eidgenössischen Bruderzwist und Bürgerkrieg. Buchstäblich in letzter Minute aber intervenierte Bruder Klaus, mit Voten, deren Wortlaut uns heute nicht mehr bekannt sind, die aber allem Anschein nach so versöhnend wirkten, dass der Konflikt beigelegt wurde und Freiburg nebst Solothurn in die Eidgenossenschaft aufgenommen wurden.

«Eine ganz schlichte Botschaft»

«Solothurn ist in gewissem Sinne unser ältester eidgenössischer Weggefährte», sagte Maurice Ropraz in seiner Ansprache. Daher feiere man diesen denkwürdigen Tag gemeinsam. Der Einfluss von Bruder Klaus als Schlichter und Mediator für unser Land sei bis heute enorm gross, so Ropraz weiter. Indem er mit seinem berühmten Rat «Machet den Zaun nicht zu weit» als Begründer der Schweizerischen Neutralität gelte, habe er auch den Grundstein für die «Einzigartigkeit der Schweiz» gelegt und damit massgeblich zu Wohlstand und Sicherheit in der Schweiz beigetragen. Heutzutage würden Individualismus und Nationalismus eine grosse Gefahr für die Stabilität unserer Demokratie darstellen. Da gelte es umso mehr, sich an den Geist der Eintracht und Harmonie des Bruder Klaus zu erinnern.

«Die Beziehung zwischen unseren zwei Kantonen ist etwas ganz Besonderes», hielt Remo Ankli fest. Im Weiteren zitierte er aus einem Brief von Bruder Klaus an den damaligen Berner Rat mit den Worten: «Gehorsam ist die grösste Form der Liebe.» Hinter dem Begriff des Gehorsams stehe gemäss dem Germanisten Peter von Matt das Horchen und Hören. Und tatsächlich lasse sich Streit und Bruderzwist vermeiden, wenn man aufeinander höre. «Ohne grundlegenden Respekt voreinander zerstört man die gemeinsamen Grundlagen», so Ankli.

Nationalratspräsident Dominique de Buman ging seinerseits darauf ein, was die Botschaft von Bruder Klaus für Politiker von heute bedeuten kann. «Es ist eine ganz schlichte Botschaft», so de Buman, «Das Mysterium unseres Landes basiert auf Friede und einem Gleichgewicht in unserer Gesellschaft.» In allen Kantonen der Schweiz gebe es ausschliesslich Regierungen, die vom Geist der Konkordanz geprägt seien. Und auch Präsi­dialämter – wie das seine – seien stets zeitlich limitiert.

Eine historische Person

Bruder Klaus sei im eigentlichen Sinne ein Schweizer Nationalheld, so de Buman. Ihm gebühre eine ähnliche Stellung wie Jeanne d'Arc in Frankreich oder Tadeusz Kościuszko in Polen. «Nikolaus von der Flüe ist aber keine legendäre Figur, sondern eine historische.» Absolut prioritär bei ihm sei der Friede, der allerdings keine Pax Romana sei, sondern ein christlicher Friede, der auf gegenseitigem Respekt beruhe.

Zur Person

Der Schutzpatron der Schweiz

Der Obwaldner Niklaus von der Flüe oder Bruder Klaus (1417-1487) gilt als Schutzpatron der Schweiz. Nach einem Leben als Bauer, Ratsherr und Richter zog er sich 1467 als Einsiedler in die Ranftschlucht zurück. Angeblich nahm er in den letzten 19 Jahren seines Lebens ausser der Kommunion nichts zu sich und trank lediglich Wasser. Dies bestätigte der zuständige Bischof nach einer Unter­suchung. 1481 verhinderte Bruder Klaus durch seine Vermittlung an der Tagsatzung zu Stans einen eidgenössischen Bürgerkrieg. Am 15. Mai 1947 wurde Bruder Klaus von Papst Pius XII. heiliggesprochen.

jcg