Freiburg inkl. Umfrage 08.02.2018

Fertig mit Schokoriegel und Softdrink

Schokoladeriegel und Softdrinks sollen in den Orientierungsschulen des Kantons künftig nichts mehr zu suchen haben.
Der Verkauf von Schokoladeriegeln und Softdrinks in den Verkaufsautomaten und Restaurants der Sekundarstufe 1 soll verboten oder zumindest eingeschränkt werden. Dies entschied gestern der Grosse Rat.

Dass der Grosse Rat eine Motion überweist, obwohl sich sowohl der Staatsrat als auch vier von fünf Frak­tionen mehrheitlich dagegen ausgesprochen haben, ist nicht alltäglich und bemerkenswert. Doch genau das geschah gestern im Kantonsparlament mit einer Motion der beiden sozialdemokratischen Grossratsmitglieder Nicolas Repond (Bulle) und Nicole Lehner-Gigon (Massonnens).

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Die beiden hatten ein Verbot oder eine Beschränkung von Softdrinks und Schokoladeriegeln in den Verkaufsautomaten und Restaurants der Sekundarstufe 1 (Orientierungsschule) gefordert. Und obwohl sich im Laufe der Eintretensdebatte lediglich die SP-Fraktion positiv zur Vorlage äusserte, wurde sie vom Rats­plenum schliesslich mit 54 Ja- gegen 41 Nein-Stimmen bei vier Enthaltungen überwiesen. Die Ja-Stimmen fanden sich quer durch alle Fraktionen, was beweist, dass es bei dieser Frage nicht um eine Links-rechts-Diskussion ging, sondern um ein schulpolitisches und politisches Sachgeschäft, bei dem jeder Parlamentarier die Entscheidung ganz für sich persönlich traf. Anders formuliert: Wenn sich eine Fraktionsmehrheit und vier Fraktionsminderheiten zusammentun, kann sich am Schluss eben doch eine Mehrheit ergeben.

«Dass Schokoriegel zu schlechten Essgewohnheiten führen, ist unbestritten.»

Adrian Brügger

Grossrat (SVP, Düdingen)

 

«Verbote beweisen, dass es keine Lösung gibt, dass man nicht genügend Fantasie hat oder einfach faul ist», hatte Johanna Gapany (FDP, Bulle) vergebens gemahnt. «Wir lassen uns nicht durch diese paternalistische Motion verführen, die nicht erfolgreich sein kann.» Ausserhalb der Schule könnten die Kinder die fraglichen Produkte schliesslich auch überall kaufen, so Gapany. Strafen und Verbieten sei eine Methode unserer Grosseltern und eine von Diktaturen. Heute wolle die Gesellschaft eine autonome, verantwortungsbewusste Jugend. Schliesslich würde die SP wohl auch nicht Apéros verbieten wollen.

«Es gibt keine Wunderpillen»

Urs Perler (Mitte links – CSP, Schmitten) zeigte sich etwas versöhnlicher. «Die Mitte-links-Grün-Fraktion hat viel Sympathie für die Motion, lehnt sie aber doch mehrheitlich ab», sagte er. Denn ein Verbot nur innerhalb der Schulmauern wäre wohl wenig Erfolg versprechend. Klarer formulierte es Adrian Brügger (SVP, Düdingen). «Dass Schokoladeriegel und Softdrinks zu schlechten Essgewohnheiten führen, ist unbestritten», sagte er. Die Schulgebäude und ihre Einrichtungen sollten aber in der Kompetenz der Gemeinden bleiben. Mit Marc-Antoine Gamba (CVP, Freiburg) äusserte sich dann erstmals ein Arzt zur Thematik. «Die Motion betrifft das Problem der Prävention und ist Teil der grossen Debatte über die Gesundheit unserer Jugend», sagte er. Es gebe zwei Möglichkeiten, Gewicht zu verlieren: weniger und ausgewogener zu essen oder sich mehr zu bewegen. «Es gibt keine Wunder­pillen», so Gamba.

 

Ein Teil seiner Fraktion befürworte im Übrigen ausdrücklich weitere Verbote, etwa wenn es um den Gebrauch von Mobiltelefonen in Schulen gehe. Mehrheitlich lehne seine Fraktion die Motion von Repond und Lehner-Gigon aber ab. Die Ratsmehrheit teilte schliesslich dennoch die Meinung der Sozialdemokratie, die unter anderem von Rose-Marie Rodriguez (SP, Estavayer-le-Lac) zum Ausdruck gebracht wurde. «Die Orientierungsschule unserer Gemeinde umfasst über 700 Schüler, in unserer Kantine werden keine Softdrinks serviert, und in der Pause kommen die Brotschnitten vom Bäcker», sagte sie. Kennzeichnend für die Stimmung im Saal war dann die Tatsache, dass sich nicht nur Paola Ghielmini Krayen­bühl (Grüne, Corpataux), sondern auch Jean-Daniel Schumacher (FDP, Bürglen) – letzterer selbst Arzt – entgegen der Mehrheit ihrer Fraktionen für eine Überweisung der Motion starkmachten. Schumacher bezeichnete Fehlernährung und Übergewicht als «Epidemie». Ausserdem erwähnte er einen Aufenthalt seiner Tochter im republikanischen Staat Missouri in den liberalen USA. An der dortigen Schule seien zuckerhaltige Produkte völlig verboten gewesen. Dies habe ihm zu denken gegeben.