FREIBURG 08.02.2018

«Schritt in die richtige Richtung»

Einstimmig sprach sich der Grosse Rat für die Förderung regionaler Produkte in der öffentlichen Gemeinschaftsgastronomie aus. Das Landwirtschaftsgesetz wird entsprechend geändert.

Es war eine klare Sache: Mit 98 zu 0 Stimmen sagte das Kantonsparlament gestern Ja zu einer Änderung des Landwirtschaftsgesetzes, bei der es um die öffentliche Gemeinschaftsgastronomie geht. Die von Fritz Glauser (FDP, Châtonnaye), dem Präsidenten des Freiburgischen Bauernverbands, als Berichterstatter präsentierte Gesetzesänderung verlangt eine Stärkung regionaler Produkte in Restaurants und Mensen von Staatsbetrieben. Erreicht werden soll dies unter anderem mit einer Anreizstrategie sowie mit entsprechenden Schulungen.

«Das Fuder nicht überladen»

Die Fraktionen hatten sich einstimmig für ein Eintreten auf die Vorlage ausgesprochen, die schliesslich in einer von der vorberatenden Kommission leicht angepassten Version vom Ratsplenum angenommen wurde. Die Änderungen betrafen vor allem eine klarere Unterscheidung zwischen «hochwertiger, abwechslungsreicher und ausgewogener Ernährung» und «nachhaltigen Produkten» – zumal etwa Alkoholika in die zweite, aber nicht in die erste Kategorie fallen.

René Kolly (FDP, Le Mouret-Ferpicloz) bezeichnete es als «Notwendigkeit, im Hinblick auf eine vielgestaltige Ernährung eine entsprechende Anreizstrategie zu schaffen», wie dies auch schon von anderen Kantonen erfolgreich umgesetzt wurde. Es sei allerdings unumgänglich, das Pflichtenheft für Ausschreibungen in der Gemeinschaftsgastronomie von Staatsbetrieben neu zu formulieren.

Auch Nicolas Repond (SP, Bulle) bezeichnete die vorliegende Gesetzesänderung als «wichtig für das ganze Freiburger Volk» sowie als einen «gros­sen Schritt in Richtung einer qualitätsorientierten Ernährung». Letztlich bedeute eine solche in der Folge auch tiefere Gesundheitskosten, so Repond. Es sei aber wichtig, dass «das Fuder nicht überladen werde und kleinere Firmen nicht abgestraft würden».

Schliesslich wünsche er sich auch, dass diese Gesetzesänderung «nicht toter Buchstabe bleibe, sondern zum Leben erweckt werde». Wenn der Staatsrat aber die hier formulierten Versprechungen einhalte, werde Freiburg sicher zum Pionierkanton hinsichtlich der Ernährung.

«Oberflächenkosmetik»?

«Eine Anreizstrategie ist sicher besser als Flickschusterei», sagte Pierre-André Grandgirard (CVP, Cugy). Seine Fraktion begrüsse die Einführung der Grundprinzipien einer gesunden Ernährung in das Landwirtschaftsgesetz sehr. Die in der vorliegenden Ge­setzesänderung formulierten Schritte seien allesamt «wichtig und richtig für die Förderung lokaler Produkte», so Grandgirard.

Ähnlich äusserte sich Sylvie Bonvin-Sansonnens (Grüne, Rueyres-les-Prés). «Dies ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt in die richtige Richtung», bemerkte sie. Den einen gehe er zu weit, den anderen zu wenig weit. Letztlich handle es sich allerdings um «Oberflächenkosmetik» beim Landwirtschaftsgesetz, die berechtigt sei, aber zu wenig tief gehe. Der Kanton erhalte durch diese Gesetzesänderung zu wenig Mittel, um ehrgeizigere Ziele zu erreichen.

Rudolf Herren-Rutschi (SVP, Lurtigen) lobte ebenfalls die «Förderung der Nachhaltigkeit» im vorliegenden Entwurf. Vor allem aber sei «das Vertrauen in die einheimischen Produzenten die wichtigste Grundlage für das Fortbestehen der einheimischen Landwirtschaft».