Leichtathletik 19.10.2017

Hussein setzt auf Meuwlys Input

Im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio hat Hürdenläufer Kariem Hussein mit Laurent Meuwly einen neuen Trainer engagiert. Der Europameister von 2014 erhofft sich vom Freiburger neue Anreize.

Während fünf Jahren war Flavio Zberg Trainer von Kariem Hussein und hat den Athleten des LC Zürich in dieser Zeit an die Weltspitze geführt. 2014 holte Hussein an der Heim-EM im Stadion Letzigrund Gold, 2016 EM-Bronze in Amsterdam. Bei Weltklasse Zürich von Ende August bestätigte der Hürdenläufer mit der Egalisierung der persönlichen Bestleistung von 48,45 Sekunden sein Weltklasse-Niveau erneut, dennoch scheint er in seiner Entwicklung zu stagnieren. Nun hat der 28-jährige Ostschweizer die Zwischensaison genützt, um sein Umfeld für die nächsten Herausforderungen neu zu gestalten.

Husseins Initiative

So wurde am Montag bekannt, dass Hussein ab sofort mit Laurent Meuwly zusammenarbeitet. Der Freiburger ist Cheftrainer Sprint/Hürden bei Swiss Athletics und unter anderem verantwortlich für die beiden Schweizer Topathletinnen Lea Sprunger – die wie Hussein eine Spezialistin über die 400 m Hürden ist – und Sarah Atcho.

«Kariem hat mich in den Ferien kontaktiert und gefragt, ob wir ein Gespräch führen können. Er hat mir dann mitgeteilt, wie er seine Zukunft sieht und dass er neue Inputs für seine Weiterentwicklung haben möchte», sagt Meuwly. Sie hätten sich in der Folge intensiv ausgetauscht. «Dabei stand die Frage im Vordergrund, wie die Zusammenarbeit denn überhaupt aussehen soll. Kariem muss nächstes Jahr noch sein Medizinstudium beenden und ist deshalb an Zürich gebunden. Ende November in Südafrika und im Frühling in der Türkei stehen zudem Trainingslager von mir an, und es musste geklärt werden, ob er dabei sein kann. Als wir einen Weg gefunden haben, um alles zu vereinbaren, haben wir entschieden zusammenzuarbeiten.»

Potenzial für WM-Medaille

Meuwly, der neben seiner Tätigkeit als Leichtathletiktrainer auch Direktor des Murtenlaufs ist und eine Agentur für Sportevents betreibt, fragte sich auch, wie die Aussichten für ihn überhaupt stehen, den Top-Athleten Hussein womöglich sogar noch zu bedeutenderen Erfolgen zu führen. Der 42-jährige Freiburger kam zum Schluss, dass es möglich ist. «Kariem spielte zunächst Fussball und stiess erst relativ spät zur Leichtathletik. Die 400 m Hürden bestreitet er erst seit sechs, sieben Jahren. Technisch läuft er gut, aber bei der Physis sehe ich noch Potenzial.» Ein wichtiger Punkt sei ausserdem die mentale Komponente. «Nach seinem Sieg bei der EM in Zürich fehlte es ihm zuweilen an der Konstanz, besonders wenn es draufankam.» Und natürlich könne ein neuer Trainer immer frische Ideen mitbringen, indem er kleine Korrekturen vornimmt. «Einen Schub erhoffe ich mir zudem, weil er bei mir in einer Trainingsgruppe mit anderen Spitzenathleten wie Lea Sprunger von der positiven Dynamik profitieren kann. Bis anhin war er in seiner Trainingsgruppe der einzige Athlet seiner Klasse.»

Europameister ist Hussein bereits. Doch was ist für den Schweizer bei interkontinentalen Meisterschaften noch möglich? Zuletzt klassierte sich der Hürdenläufer im Sommer bei der WM in London im achten Rang. «Dort standen am Ende zwei Europäer auf dem Podest. Das Ziel an der WM bleibt ganz klar der Finallauf. Und Kariem bringt die Qualitäten und die Erfahrung mit, künftig Medaillen anzupeilen», ist Meuwly der festen Überzeugung. Nach der EM 2018 in Berlin sind die Weltmeisterschaften 2019 in Doha sowie langfristig die Olympischen Spiele 2020 in Tokio die nächsten ganz grossen Ziele Husseins.

Meuwlys Reputation

Um an diesen Grossanlässen gut abzuschneiden, ist sich das nebst Sprinterin Mujinga Kambundji grösste Aushängeschild der Schweizer Leichtathletik sicher, dass die Aussichten mit Meuwly als Coach die besten sind. Die Querelen des Freiburgers in den letzten Jahren rund um die Schweizer Sprint-Staffeln der Frauen und Männer – nach Unstimmigkeiten mit diversen Athletinnen und Athleten wurde Meuwly zunächst bei den Männern, dann auch bei den Frauen als Trainer abgesetzt – kratzten ganz offensichtlich nicht an seiner Reputation. «Bei diesen Meinungsverschiedenheiten ging es immer um Personen und nicht um die Leistungen der Staffeln. Dass die Frauen zuletzt in London WM-Fünfte wurden, lag zu einem grossen Teil auch an der Vorarbeit, die ich geleistet hatte. Kariem weiss, dass ich einer bin, der die Spitze anstrebt und sich keine Limiten setzt, so wie andere die Tendenz haben, es zu tun. Und nur das zählt für ihn.»

«Kariem weiss, dass ich einer bin, der die Spitze anstrebt und sich keine Limiten setzt, so wie andere die Tendenz haben, es zu tun.»

Laurent Meuwly

Leichtathletiktrainer