01.02.2018

Regelungen für pflegende Angehörige wichtig

«Vier Wochen Urlaub für die Pflege von Angehörigen» – FN vom 20. Januar 2018

Die Initiativen von Microsoft, Google, Swisscom und anderen Unternehmen sind zu begrüssen, denn sie helfen pflegenden Angehörigen für eine beschränkte Zeit und geben ihnen die Möglichkeit, sich ihren Liebsten zu widmen. Leider hinkt unser Land aber bei einer konkreten Regelung weit hinter dem Ausland hinterher. In Deutschland setzt man seit vielen Jahren auf die Familie, um Pflegebedürftige zu Hause zu betreuen. Seit dem 1. Januar 2017 sind diese Angehörigen sozial abgesichert, indem mehrere Modelle eingeführt wurden, die es ihnen ermöglichen, für einen kürzeren oder längeren Zeitraum in Teilzeit oder gar nicht zu arbeiten, sondern sich zu Hause um ihre Pflegebedürftigen – mit und ohne Unterstützung einer Spitex – zu kümmern. Sie erhalten vom Staat Ausgleichszahlungen in die Rentenkasse und/oder über die Betroffenen ein Pflegegeld als Entschädigung für ihre Leistungen. Damit gehen keine Rentenansprüche verloren und zusätzlich sind die pflegenden Angehörigen unfallversichert, und bei denjenigen, die für die Pflege ihre Arbeitsstelle aufgeben mussten, zahlt die Pflegeversicherung in die Arbeitslosenversicherung ein.

Gerade im Hinblick auf den in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren zu erwartenden Pflegenotstand – es wird nicht mehr genügend Pflegepersonal in den professionellen Organisationen geben – erscheinen zukunftsweisende Regelungen für die Pflege durch Angehörige mehr als wichtig. Für einmal könnte man sich die gesetzliche Lösung zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf unseres nördlichen Nachbarn durchaus anschauen. Es zeigt zumindest, wohin der Weg führen könnte, damit Pflegebedürftige mithilfe ihrer Familie und der Spitex länger zu Hause bleiben könnten, die Arbeit der Angehörigen respektiert und deren Einsatz sozial abgefedert ist. Wir müssen dringend neue Wege beschreiten. Die Politik und konkret Bundesrat Alain Berset und sein Departement müssten jetzt aktiv werden, denn in zehn oder zwanzig Jahren dürfte es zu spät sein!