Fri-Son 26.10.2015

Ein gemütlicher Tag im Musikclub

Auch viele Kinder kamen zur Unterstützung des Fri-Son.Bild Aldo Ellena
Mehrere Hundert Besucher demonstrierten am Samstag ihre Unterstützung für das Fri-Son. Kämpferische Töne waren kaum zu hören. Gemeinsam war den Zuschauern, dass sie nicht an eine Zukunft mit den neuen Nachbarn glauben.

Konzertgänger sind keine Frühaufsteher. Um acht Uhr morgens sind die Sicherheitsangestellten die Einzigen, die vor dem Fri-Son herumwuseln. Es ist ja auch erst wenige Stunden her seit dem Ende der letzten Veranstaltung. An der Bar gibts erst mal Kaffee statt Bier. Die ersten Gäste trudeln gegen neun Uhr ein – mit den Kindern im Schlepptau. Die liegen gemütlich auf dem harten Boden, der schon Hektoliter Bier aufgenommen hat, als Monoski die Bühne betreten. Wer noch nicht wach ist, wird jetzt weggeblasen. Ein kleiner Junge will besser hören und reisst sich die riesigen Kopfhörer zum Entsetzen seiner Eltern von den Ohren. Eilends wird er aus dem Saal gebracht. Den Hörschaden sollte er sich besser in ein paar Jahren als Dauergast holen. Wenn es denn so weit kommt.

«Das ist sehr nahe»

Vor dem Eingang ist das beherrschende Thema die Siedlung, die vis-à-vis entstehen soll. Kopfschüttelnd analysieren zwei Hipster auf Französisch die Situation. «Das ist schon ziemlich nahe.» – «Aber kommen die Häuser auf den Hügel, oder was?» – «Nein, die gehen bis zur Strasse runter.» – «Das ist echt nahe.»–«Sag ich ja.» Die Besucher des Aktionstages sind sich einig, dass der Bau der Häuser keine gute Idee ist. Im Lauf des Morgens zeigt sich das Problem, welches die Fri-Son-Verantwortlichen befürchten. Während sich ein Teil der Besucher im Konzertsaal vergnügt, füllt sich der Bereich vor dem Eingang zusehends. Es ist warm, die Sonne scheint. Hier kann geraucht werden, die Gespräche werden nicht durch laute Musik gestört. Sehen und gesehen werden, das gilt auch, wenn man ins Fri-Son geht. Am Tag ist das egal, aber abends kann das Stimmengewirr störend wirken. Beispiele gibt es genug, dafür muss man nicht mal weit gehen, die Verantwortlichen des Studierendenzentrums Centre Fries können ein Lied davon singen.

Mittlerweile hat sich der Saal gut gefüllt. Draussen können sich die Hungrigen verpflegen, drinnen steht Gustav alleine mit einer Gitarre auf der Bühne. Er hat wie die anderen Anwesenden viele Erinnerungen an Abende im Fri-Son. Erinnerungen aus der Zeit, als die Bühne noch auf der anderen Seite des Saals stand. Geändert wurde das übrigens wegen einem anderen Immobilienprojekt. Wo einst der Landi-Turm stand, entstanden Wohnungen. Um diese vor zu viel Lärm zu schützen, stellten die Verantwortlichen den Saal um. Das wird nicht mehr gehen.

Abwesende Politiker

Die Stimmung ist gelassen, einige Gäste hinterlassen Solidaritätsbotschaften an einer Wand oder über die Facebook-Seite des Fri-Son. Auch Gustavs kurzer Auftritt ist etwas für die ganze Familie. «Häpörischnittä» singen die Kleinen begeistert mit. Erwähnenswert ist der Auftritt von Laure Betris alias Kassette, die, nur von einem Schlagzeuger begleitet, ein energisches Set spielt. Kämpferisch wirkt vor allem Vorstandsmitglied Florian Eitel, der auf der Bühne wiederholt, dass ein Betrieb nicht mehr möglich sein wird, wenn die neuen Häuser stehen–eine Aufforderung an die Politik. Am grossen Fest zum 30-Jahr-Jubiläum vor zwei Jahren kam gar SP-Bundesrat Alain Berset. «Wenn es zu laut ist, bist du zu alt», zitierte er damals einen bekannten Rock’n’Roller-Spruch.

Unterstützung: 2500 Besucher – aber keine Politiker

S ehr zufrieden sind die Organisatoren mit dem Aktionstag. Die Leute wollten gar nicht mehr aufhören, erzählt Vorstandsmitglied Florian Eitel am Tag danach. «Als wir um 17 Uhr das Licht anstellten und die Bühne betraten, gab es Bierbecherwürfe und Buhrufe», sagt er. Allerdings nur aus Spass, denn die Besucher wussten ja, dass pünktlich Schluss sein würde. Der Vorstand sei überwältigt vom Aufmarsch, über 2500 Leute seien vorbeigekommen. «Wir haben jetzt alles gesagt, was gesagt werden muss», sagt er.

Nun hoffen die Verantwortlichen auf Gespräche mit der Politik. Diese hielt sich im Gegensatz zum 30-Jahr-Jubiläum vornehm zurück. Zwar waren mehrere Hundertschaften anwesend, Politiker waren aber keine auszumachen. Ein schlechtes Omen für die Zukunft des Fri-Son?

Bald Gespräche

Zu Gesprächen mit der Politik soll es aber schon bald kommen, weiss Florian Eitel. Das Fri-Son erwartet bald Post. Die Abwesenheit der Politiker ist auch ihm aufgefallen. Lapidar meint er zum Unterschied zum 30-Jahr-Fest: «Wenn Alain Berset kommt, kommen eben auch alle anderen.» pj