Romano P. Riedo 11.02.2014

«Es gibt viel Einsamkeit auf der Alp»

Menschen sind dem Fotografen wichtig: ein Hirt im winterlichen Plasselbschlund. Bild Romano P. Riedo, zvg
1996 hat der Freiburger Fotograf Romano P. Riedo das Buch «Alpzeit» mit Schwarz-Weiss-Bildern vom Leben auf Schweizer Alpen herausgegeben. Jetzt zeigt er in einer Ausstellung und einem Buch bisher unveröffentlichte Aufnahmen aus der Reihe.

In jungen Jahren hat der Freiburger Fotograf Romano P. Riedo selbst als Rinderhirt gearbeitet. Die Liebe zur Alpwirtschaft und zur Hirtenkultur ist ihm auch in seinem späteren Berufsleben als Fotograf geblieben. In den Neunzigerjahren ist daraus das Projekt «Alpzeit» entstanden, das auch in Buchform erschienen ist: ein Foto-Essay über das Leben in den Bergen.

Jetzt hat Romano P. Riedo dem Langzeitprojekt neues Leben eingehaucht: mit einer Ausstellung im Kulturforum Le Vide-Poches im Stationären Behandlungszentrum Marsens und einem im Eigenverlag herausgegebenen Buch mit dem Titel «Hinterland». Darin zeigt er bisher unveröffentlichte Fotografien aus der «Alpzeit»-Reihe. «Zu einem grossen Teil sind es düsterere Bilder, die zu zeigen mir damals der Mut fehlte», so Riedo.

Licht und Schatten

Es handelt sich um Schwarz-Weiss-Fotografien, die Romano P. Riedo in aufwendiger Arbeit ab den Negativen gescannt, am Bildschirm retuschiert und in hochwertiger Qualität gedruckt hat. Die vielschichtigen, tiefen Weiss-, Grau- und Schwarztöne entfalten so ihre ganze Wirkung. Viele Bilder leben vom Spiel mit Licht und Schatten und widerspiegeln so die schönen und die weniger schönen Seiten des Alplebens. «Es gibt viel Einsamkeit auf der Alp», sagt Fotograf Riedo dazu.

Auf mehreren Bildern ist der inzwischen verstorbene Greyerzer Rinderhirt Albert «Mami» Castella zu sehen, der in der Region weitherum bekannt war. Riedo hat ihn mehrmals in der Alphütte «En Lys» oberhalb von Albeuve besucht, die später von einer Lawine zerstört wurde. «Mami war ein besonderer Mensch», erinnert sich der Fotograf, «ein lebendiger und interessierter Mann, auch wenn er auf den ersten Blick ruhig und zurückhaltend wirkte.»

Menschen spielen, wie oft bei Romano P. Riedo, in der Ausstellung und im Buch eine wichtige Rolle: ein bärtiger Hirt mit seinen Hunden im tiefen Schnee im Plasselbschlund; ein Melker und ein Bauer im Berner Oberland, die sich konzentriert über ein Milchbüchlein beugen; ein Lausbub mit Zahnlücke, der frech vom Heuboden herunterschaut. Andere Fotos zeigen Tiere, Gebäude oder verschiedene Detailaufnahmen. Die noch lebenden Personen möchte Riedo demnächst wieder besuchen und das Projekt so weiterführen.

Auch eine farbige Seite

In der Ausstellung in Marsens sind in sieben Räumen insgesamt 79 Bilder zu sehen. Die Schwarz-Weiss-Arbeiten stehen im Mittelpunkt, doch mit einigen verspielten Grossformaten in Farbe zeigt Riedo auch noch eine andere Seite seines Schaffens.

Praktische Infos

Eine Führung in deutscher Sprache

Die Ausstellung im Kulturforum Le Vide-Poches in Marsens dauert bis zum 2. März (Mi., Do., Sa. und So. 13 bis 17 Uhr). Am 15. und 16. Februar und am 1. und 2. März ist Romano P. Riedo persönlich anwesend; am 2. März lädt er zu einer Führung auf Deutsch (14 Uhr). Das Buch «Hinterland» gibts für 35 Franken (broschiert) oder 50 Franken (gebunden) bei: info@romanoriedo.ch.cs