«Kinder als Naturforscher» 13.02.2014

Klebstoff aus Milch und Essig

Chemieprofessorin Katharina Fromm (links) erklärt, was es bedeutet, wenn sich der Blaukohlsaft rot verfärbt.Bild Aldo Ellena
Im Rahmen des zweijährigen Weiterbildungszyklus «Kinder als Naturforscher» haben gestern zwanzig Lehrpersonen den Kurs «Chemie mit Globi» besucht. Chemieprofessorin Katharina Fromm zeigte allerlei Experimente für Kinder.

Konzentriert beugt sich Margrit Spadin über einen Becher mit Blaukohlsaft. Sobald die Plaffeier Kindergärtnerin einige Tropfen Zitronensaft hineingibt, verfärbt sich die Flüssigkeit pink.

«Mit dem Saft von Blaukohl kann man den PH-Wert einer Lösung bestimmen. Verfärbt sich der Saft rot, ist sie sauer. Wird er grün oder gar gelb, ist die Lösung basisch», hatte Katharina Fromm, Chemieprofessorin an der Universität Freiburg, den zwanzig Lehrerinnen und Lehrern im Vorfeld erklärt. Die Lehrkräfte hatten sich im Rahmen des Weiterbildungszyklus «Kinder als Naturforscher» (siehe Kasten) für den Kurs «Chemie mit Globi» angemeldet. Nach einer Theoriestunde im Vorlesungssaal ging es weiter ins Labor, wo die Lehrpersonen die vorgestellten Experimente gleich selbst ausprobieren konnten.

Natürlicher Zugang

«Man kann gar nicht früh genug damit anfangen, Wissenschaft zu betreiben», ist Katharina Fromm überzeugt. Sie hat auch am Kinderbuch «Chemie mit Globi» mitgearbeitet, welches 2011 aus Anlass des Jahres der Chemie erschienen ist. Für viele Erwachsene sei die Chemie negativ behaftet. «Mit solchen Experimenten erhalten Kinder einen natürlichen Zugang zur Chemie, und es wird das Verständnis für einfache Grundkonzepte geweckt», so Fromm.

«Chemie war für mich immer etwas, von dem ich lieber die Hände gelassen habe», bestätigt Daria Ackermann, die in Plaffeien unterrichtet, die Einschätzung der Chemieprofessorin. «Von alleine hätte ich mich nicht an solche Experimente gewagt», sagt die Kindergärtnerin. Bei diesem Kurs erhalte sie jedoch neue Ideen, die einfach umzusetzen seien, sagt sie, bevor sie eine weisse, dickflüssige Masse in einen Trichter mit einem Tuch giesst. Die Masse ist ein Gemisch aus Milch und Essig. Sobald die Flüssigkeit abgetropft ist, gibt Ackermann eine Messerspitze Backpulver dazu: Fertig ist der selbst gemachte Leim. «Dieses Experiment finde ich besonders spannend», sagt sie. «Die Kinder können das Resultat dann gleich zum Basteln brauchen.»

Hefe entwickelt Gase

Mit einem anderen Experiment ist Barbara Schafer beschäftigt: Die Lehrerin der Primarschule Wünnewil mischt Hefe, Zucker und etwas lauwarmes Wasser in einem Becher, dann stülpt sie einen Handschuh aus Latex darüber. Während sie andere Experimente ausprobiert, füllt sich der Handschuh langsam mit Luft. «Ich habe mit den Kindern schon oft Brot gebacken und versucht, zu erklären, warum das Brot aufgeht», sagt Schafer. Mit diesem Experiment könne sie nun besser zeigen, wie die Hefe mit dem Zucker reagiert und sich dadurch Gase bilden.

Wie viele andere Lehrpersonen hat auch Barbara Schafer diesen Kurs ausgewählt, weil ihre Schüler Freude am Experimentieren haben. «Bevor man solche Versuche mit den Kindern durchführen kann, sollte man sie aber selbst verstehen», sagt sie lachend.

Weiterbildung: «Freiwillig Kurse besucht»

K inder als Naturforscher» – so lautet der Titel des zweijährigen Weiterbildungsschwerpunkts, welcher seit dem letzten Schuljahr für die Deutschfreiburger Lehrpersonen des Kindergartens und der Unterstufe gilt. «Kinder sind in diesem Alter extrem experimentierfreudig und stellen viele Fragen», sagt Renata Lichtsteiner, Schulinspektorin und Leiterin der Arbeitsgruppe Eingangsstufe. Diese hat in Zusammenarbeit mit der Weiterbildungsstelle der Pädagogischen Hochschule Freiburg verschiedene Kurse organisiert, aus welchen die Lehrpersonen ihr Weiterbildungsprogramm zusammenstellen können.

Ein solches Wahlpflichtangebot gebe es zum ersten Mal, sagt Renata Lichtsteiner. Neben einer obligatorischen Veranstaltung mussten die Lehrer pro Jahr ein weiteres Angebot auswählen, um sich weiterzubilden. «Wir hatten viele positive Rückmeldungen. Manche Lehrpersonen haben freiwillig sogar bis zu neun Kurse besucht», so Lichtsteiner. rb