Verband Freiburgischer Bienenzüchter 26.06.2015

Freiburger Imker feiern Jubiläum

Das Leben der Bienen ist faszinierend – nicht nur für die Imker.Bild Aldo Ellena
Seit 100 Jahren gibt es den Verband Freiburgischer Bienenzüchter. Mit einer Ausstellung und einem kantonalen Fest begehen die Imker den runden Geburtstag. Obwohl ihre Arbeit aufwendiger wurde, schauen die Imker positiv in die Zukunft.

Wie geht es auf einem Bienenstock zu und her? Wie werde ich Imker? Wie gefährlich ist die Varroa-Milbe? Eine aktuelle Ausstellung im landwirtschaftlichen Institut Grangeneuve in Posieux beantwortet diese Fragen. Sie zeigt einen Teil eines Bienenvolkes – sicher hinter Glas–und informiert an Plakatwänden über die Welt der Bienen. Die dreitägige Ausstellung, die heute zu Ende geht, war tagsüber für Schulklassen geöffnet und hatte einen speziellen Anlass: Der Verband Freiburgischer Bienenzüchter feiert sein hundertjähriges Bestehen. Morgen veranstalten die Imkerinnen und Imker des Kantons deshalb ein grosses Fest in Grangeneuve.

 Doch haben Bienenzüchter überhaupt Grund zu feiern? Bienensterben, Varroa, Monokulturen – diese Schlagworte hat man in den letzten Jahren vor allem mit Bienen und der Imkerei in Verbindung gebracht. «Natürlich haben wir Grund zu feiern», sagen Roland Guignard und Adelheid Mauvilly. Sie vertreten im Vorstand des Verbandes den See- respektive den Sensebezirk. «Wir haben heute viele Neuimker. Die Leute fühlen sich von der Imkerei angesprochen. Sie sehen, dass Biodiversität und der Umweltschutz etwas Wichtiges sind», sagt Guignard und Mauvilly fügt an: «Dass es die Bienen noch gibt, ist das Verdienst der Imker, denn Schwärme überleben alleine nicht mehr.»

Grund dafür ist die Varroa-Milbe. In der historischen Übersicht des Bienenzüchterverbandes steht, dass die Imkerei seit 1986 nicht mehr dieselbe ist wie zuvor. Es ist das Jahr, in dem die Milbe in die Schweiz kam. «Das stimmt schon», sagt Mauvilly. «So wie unsere Grossväter geimkert haben, mit einem kleinen Bienenhaus vor dem Hof, in das sie einmal pro Woche hineingeschaut haben, das geht heute nicht mehr.» Die Imkerei sei nun aufwendiger. «Aber wir haben zumindest Möglichkeiten, die Varroa-Milbe im Griff zu haben, das ist ein grosser Erfolg», so Guignard.

Nicht bloss ein Hobby

Wer Imker werden will, muss viel lernen. Die Vereine bieten einen Grundkurs, der in knapp 20 Tagen auf zwei Jahre verteilt, das praktische und theoretische Grundwissen vermittelt. «Dabei müssen wir den Neuimkern sagen, dass es nicht einfach ein Hobby, sondern viel Arbeit ist», sagt Adelheid Mauvilly. Auch die Gesetze seien in den vergangenen Jahren strenger geworden. «Gleichzeitig lernt man sehr viel über die Natur. Wer einmal vom Imker-Virus erfasst wurde, den lässt es nicht mehr los», sagt Roland Guignard, der selbst seit zehn Jahren Bienen züchtet und dafür auch gerne auf Ferien im Sommer verzichtet.

Gute Unterstützung

Die 800 Imker des Kantons sind in Bezirksvereinen organisiert (siehe Kasten), die Mitglied beim Verband sind. Dieser vertritt die Interessen aller Vereine. «So haben wir Gewicht in der Politik und bei den Behörden», sagt Roland Guignard. Der Verband habe erreicht, dass der Kanton finanzielle Unterstützung für die Behandlung der Bienenvölker biete und auch Neuimker unterstütze. In einem neuen Programm leistet der Kanton zudem einen Beitrag zur Zucht der Bienenköniginnen. «Das ist wichtig, denn wir brauchen eigene, gesunde Königinnen», erklärt Guignard. Müsse man Königinnen aus dem Ausland importieren, brächten diese möglicherweise Krankheiten mit.

Die Imker sind sich einig: «Wir fühlen uns unterstützt, von den Behörden und der Gesellschaft.» Und obwohl bei den Leuten, das Bewusstsein wachse, dass es beim Imkern und den Bienen um mehr geht, als nur Honig, interessiere doch häufig eine Frage: Ist heuer ein gutes Bienenjahr? «Oh ja», sagen die beiden für diese Saison. Gewisse Imker hätten schon zweimal Honig schleudern können. Wer das süsse, goldene Naturprodukt liebt, kann sich freuen.

Zahlen und Fakten

800 Imker und 600 Millionen Bienen

Im Kanton Freiburg gibt es rund800 Imker. Ein Beitritt zu einem Verein ist zwar nicht Pflicht, da jedoch die Vereine Weiterbildungen anbieten, treten die meisten Imker dem Bezirksverein bei. Wie viele Bienenvölker ein Imker hat, ist gemäss Roland Guignard, Präsident des Vereins im Seebezirk, unterschiedlich. Im Schnitt seien es gegen zehn Völker, was8000 Völkerim Kanton ergibt. Dies entspricht circa600 Millionen Bienen–im Sommer. Im Winter reduziert sich der Bestand nämlich. Damit ein Volk im Winter überleben kann, muss es aus mindestens 5000 Bienen bestehen.mir