Science Slam 03.11.2014

Naturwissenschaften für «Dummies»

Henry Wöhrnschimmel begeisterte sein Publikum mit einem Vortrag über die Weltreise einer giftigen Chemikalie.Bild Aldo Ellena
Komplexe wissenschaftliche Themen humorvoll rüberbringen – dies war das Ziel der fünf Referenten, die am ersten Science Slam der Universität Freiburg antraten. Heimspiel hatte Chemie-Professorin Katharina Fromm, die Ionen zu James-Bond-Schauspielern werden liess.

«Unsere Bauchnabel sind warm und feucht und die ideale Umgebung für Bakterien», sagte Katharina Fromm, Chemieprofessorin der Universität Freiburg. «Deshalb sollten Sie niemals Champagner aus dem Bauchnabel Ihres Partners trinken. Nehmen Sie lieber Schnaps», fuhr Fromm weiter, und das Publikum lachte schallend. Die Deutsche, die seit 1998 in der Schweiz lebt, eröffnete am Donnerstagabend den ersten Science Slam (siehe Kasten) der Uni Freiburg.Fünf Wissenschaftler versuchten, im Rahmen des 125-Jahr-Jubiläums ihre komplexen Themen einem breiteren Publikum näherzubringen. Ein zufällig ausgewähltes Publikum und ein Applausometer bestimmten den Sieger.

Tod durch Kokosnuss

Sandro Kuster ist Psychologiestudent an der Uni Zürich, hat sich dort aber auf Methoden und Statistiken spezialisiert: «Ich bin zu asozial für ein normales Psychologiestudium und zu dumm für Mathe», so Kuster selbstironisch. Er sprach über Terrorismusbekämpfung, nahm den US-Auslandsgeheimdienst NSA auf die Schippe: «Die haben ein 50-Millionen-Budget, aber kein Geld für einen Praktikanten, der schöne Folien macht», sagte Kuster und zeigte eine tatsächlich überraschend unprofessionell wirkende Statistik. Terrorismusbekämpfung durch Totalüberwachung – in seinem Vortrag zeigte Kuster auf, dass die Zwecke der NSA nicht wirklich die Mittel rechtfertigen. «Jährlich sterben 150 Menschen durch herabfallende Kokosnüsse, während die NSA gerade mal 108 durch Terroranschläge verursachte Todesfälle verhindern kann», zeigte Kuster die Relationen auf.

Nadja Ackeret ist Psychologiestudentin und war als Zuschauerin begeistert vom Science Slam, auch wenn einige Themen nicht einfach nachzuvollziehen waren: «Wenn es noch einen gäbe, wäre ich sofort wieder dabei.»

Fromm hat Erfahrung damit, ihren abstrakten Fachbereich durch witzige Shows populärer zu gestalten. Auch in ihren Vorlesungen versucht sie, unterhaltsame Intermezzos einzubauen. Für den Science Slam hat Fromm ihre Kationen und Anionen kurzerhand in James-Bond-Figuren verwandelt. «Silber ist unser Geheimagent, unser James Bond. Er bekämpft die bösen Mikroben», erläuterte die Professorin. Silber war auch die Medaille, die Fromm an diesem Abend mit ihrer Darbietung errang.

Giftige Blocker-Chemikalie

Während die Zuschauer gespannt auf die Rangverkündigung warteten, bildete sich in ihrer Mitte ein Kreis. Vier Breakdancer lockerten die ohnehin entspannte Veranstaltung noch weiter auf und wirbelten auf dem harten Steinboden herum. Für einen spektakulären Auftritt nahmen sie auch Beulen am Kopf in Kauf.

Dann folgte die grosse Entscheidung: «Der erste Platz geht an Henry Wöhrnschimmel», verkündete Moderator Gian-Andri Casutt. Der Chemiker Wöhrnschimmel von der ETH Zürich konnte in seinem «Reiseführer zu Chemikalien in der Umwelt» das Publikum mit seiner Geschichte über die Weltreise einer bösen, krebserregenden Chemikalie, die er Paul Christoph Blocker (PBC) getauft hat, in seinen Bann ziehen.

Zahlen und Fakten

Das Interesse an Wissenschaft wecken

Der Science Slam ist das naturwissenschaftliche Pendant zum Poetry Slam. Während bei diesem Dichter ihre literarischen Ergüsse vortragen, versuchen beim Science Slam Mathematikerinnen, Chemiker, Physikerinnen und Geologen, dem Publikum ihr Thema näherzubringen. Am Donnerstag hatten die fünf Referenten dafür zehn Minuten Zeit. Die Zuhörer kürten den Sieger. Massgebend waren Verständlichkeit und Unterhaltungswert des Vortrags. Ziel der Slams ist es, die Kommunikationsfähigkeit der Wissenschaftler zu fördern und beim Laienpublikum das Interesse an Wissenschaftsthemen zu wecken. Erfunden wurde er in Deutschland, wo sogar nationale Meisterschaften stattfinden. In der Schweiz sind Slams populär an den Universitäten Bern, Basel und Zürich. Der Science Slam am Donnerstag war der erste in Freiburg.kf