900 Legehennen | 18.07.2013

Der Igel frisst die Eier direkt ab Hof

In ihrer Sommerserie verfolgen die FN den Weg verschiedener Lebensmittel vom Hof auf den Teller. Auf dem Betrieb von Bruno und Elisabeth Spring in Jeuss leben rund 900 Legehennen. Diese liefern tagtäglich Freilandeier, die die Familie direkt auf dem Hof an Private verkauft oder an Marktfahrer und die Landi liefert.

 Bei der Familie Spring in Jeuss sind viele verschiedene Tiere zu Hause. So auch rund 900 Legehennen, die sich ihren Auslauf mit drei Lamas teilen. «Die Lamas fressen das hohe Gras, das kommt den Hühnern zugute», erklärt Bruno Spring. Ist das Gras zu hoch und die Hühner fressen die langen Grashalme, könne dies zu Magenproblemen führen. Auch acht Hähne sind in dem Freilaufstall unterwegs. «Die Hennen sind weniger nervös und gackern nicht dauernd herum, wenn es auch Gockel hat», sagt Spring lachend. Scheint die Sonne, versammeln sich Lamas, Hühner und Hähne unter dem Schatten spendenden Baum im Auslauf. Das Federvieh nimmt ein Sandbad gegen Ungeziefer und die Lamas dösen zufrieden vor sich hin. Auch wenn es sich eine Henne auf ihrem Rücken gemütlich macht. «Im Winter sind noch Mutterschafe dabei, das ist kein Problem», so der Bauer.

Braune Eier sind beliebter

Seit 22 Jahren sind Legehennen Teil des Betriebskonzepts von Springs. «Früher hatten wir rund 2500 Hühner.» Dassei jedoch eine schwierigeGrösse gewesen. «Zu klein, um im grossen Stil Eier zu verkaufen und aufgrund der Infrastruktur doch wieder gross. Und einen riesigen Stall, in dem die Hennen nur auf dem Boden sein können, wollten wir nicht.» Bei Springs können die Tiere via Leiterchen rein und raus, drinnen sitzen sie auf Stangen, zum Legen verziehen sie sich in kartonschachtelgrosse dunkle Abteile, wo sie–plopp–ein Ei legen, das nach aussen rollt. «Hennen legen ihre Eier dort, wo es dunkel ist. Und meistens am Morgen.» Weisse und braune Eier, wobei es bei Springs weniger weisse hat. «Die Leute wollen braune Eier, ich weiss auch nicht, wieso», sagt der Bauer. Nur an Ostern seien weisse gefragt, da sich diese besser färben lassen.

Schildkröte vor der Türe

Ist die Eierschale beschädigt, landet das Ei in einer Schale, die für den Igel bereitsteht. «Der putzt das Gefäss jede Nacht, das macht er gut», so der Bauer, dem der Bezug zu Tieren auf die Stirn geschrieben steht. Vor kurzem hätten sie plötzlich eine Schildkröte vor der Haustüre gehabt. «Diehaben wohl gedacht, wir seien ein Tierheim.» Tatsächlich blickt aus jeder Ecke der Kopf eines Tierchens: Von Freiberger-Pferden über Katzen, Hunde, Kaninchen bis zu Kühen. «Die Milchviehhaltung ist für uns das wichtigste Standbein», sagt Spring. Die Hühner seien jedoch auch ein wichtiger Bestandteil des Bauernbetriebs.

Verkauft Hühner weiter

Eineinhalb Jahre verbringen die Hennen auf dem Hof der Familie Spring. Danach mache er jeweils ein Inserat und verkaufe die Hühner, grösstenteils an Private. «Manche wollen zehn, andere nur drei Hennen, es sind auch schon Kunden aus dem Wallis zu uns gekommen.» Der Bauer verkauft die Tiere für drei bis vier Franken. «Mit dem Alter der Hühner nimmt die Schalenqualität der Eier ab.» Diese würden grösser, hätten teils zwei Dotter und seien brüchiger. «Für Private, die die Eier sogleich weiterverarbeiten, ist das kein Problem. Mit dem Transport solcher Eier in Kartons wird es jedoch schwieriger.»

 Der Ankauf laufe jeweils über einen Händler. «Die Hennen stammen aus der Schweiz und sind idealerweise 18 Wochen alt, wenn sie zu uns kommen.» Der Preis liege ungefähr bei 18 bis 20 Franken. Sie hätten auch schon Hühner aus dem Appenzell gehabt, jedoch immer ausschliesslich aus dem Inland.

Mit rund 20 Wochen begännen die Hühner, zu legen. «Es ist gut, wenn sie sich noch zwei Wochen an die neue Umgebung gewöhnen können.» So bestehe auch nicht das Problem, dass die Tiere die Eier irgendwo legen und diese zusammengesucht werden müssen. Die 900 Hennen legen täglich rund 750 Eier.

Bisher erschienen: «Viele Körner für ein Brot» (15. Juli).

Die Hennen sind weniger nervös und gackern nicht dauernd herum, wenn es auch Gockel hat.

Bruno Spring

Landwirt

Zahlen und Fakten

Damit Schweizer Eier auf dem Teller landen

Gallo Suisse ist die Vereinigung der Schweizer Eierproduzenten und setzt sich für den Konsum von Schweizer Eiern und deren Verwertung in der Industrie ein. Laut Gallo-Suisse-Präsident Jean Ulmann haben die Schweizer Eierproduzenten 2012 rund750 MillionenEier verkauft. Die Schweizer Konsumenten kaufen zu75 Prozentinländische Eier ein. Die hier ansässige Industrie verwendet hingegen weniger als10 ProzentSchweizer Eier für die Verarbeitung. Die Chance, dass Eier-Teigwaren mit Schweizer Eiern im Kochtopf landen, ist also eher klein. Der Produzentenverband beobachtet deshalb mit Interesse die Debatte rund um dieSwissness-Vorlage. Das Parlament hat das Marken- und Wappenschutzgesetz kürzlich gutgeheissen. «Wir von Gallo Suisse sind froh, dass die Vorlage durchgekommen ist», sagt Ulmann. Weiter beobachten würde der Verband jedoch die detaillierte Ausarbeitung. Die Verhandlungen diesbezüglich seien noch am Laufen. «Wir brauchen zusätzliche Argumente für die Verwendung von Schweizer Eiern durch die Nahrungsmittelindustrie.» Für das Label «Swiss Made» müssen bei Nahrungsmitteln gemäss Vorlage80 Prozent des Gewichts aus Schweizer Produktenstammen, wobei es Ausnahmen geben soll.Milchprodukte müssen zu 100 Prozent schweizerisch sein. «Bei Omeletten beispielsweise sind die 80 Prozent kein Problem, bei Biskuits oder Teigwaren hingegen ist der Anteil an Eiern klein», erklärt Ulmann. Somit bleibt die offene Frage: Können Verpackungen von Eier-Teigwaren mit ausländischen Eiern das Schweizer Kreuz tragen? Ausländische Eier sind gegenüber den Inlandeiern rund um die Hälfte billiger. «Das Gesetz in der Schweiz ist strenger.» Ausgestaltete Käfige seien in der EU immer noch erlaubt, in der Schweiz nicht. Diese Käfige müssen den Hennen mindestens 750 Quadratzentimeter Käfigfläche bieten, wovon 600 nutzbare Fläche sein sollen. Zudem seien in der Schweiz maximal18000 Legehennenerlaubt pro Besitzer, so Ulmann, im Ausland seien es Hunderttausende von Legehennen oder sogar noch mehr. «Und bei uns sind Baukosten, Futter und Angestellte teurer als im Ausland», sagt der Präsident. Gallo Suisse fordere, auf importierte Eier aus grösstenteils industriell ausgelegten Ställen mit Belegungsdichten von Hunderttausenden von Tieren zu verzichten. «Schweizer Qualitätseier zu verwenden, heisst, Tierwohl aktiv zu fördern.»emu

Murten: Eier von Springs in der Landi

I n der Landi Murten liegen ausschliesslich Eier vom Betrieb der Familie Spring aus Jeuss in Körbchen bereit für die Kundschaft. «Nur in der Osterzeit kaufen wir noch anderweitig Eier ein», sagt Verkäuferin Karin Tschachtli, während sie die Gestelle auffüllt. «Die Leute schätzen es sehr, wenn sie wissen, woher die Eier stammen», ist sie überzeugt. Es gebe viele Kunden, die nachfragen, woher sie sind. Die Eier sind nur mit dem CH-Zeichen gestempelt, die Herkunft Jeuss sowie das Legedatum sind auf den Schachteln vermerkt. Zwei Mal pro Woche liefern Springs knapp 500 Eier. «Die Zusammenarbeit läuft tip top», sagt Tschachtli. Und wenn sie zu wenig hätten, genüge ein Telefon und Springs lieferten Nachschub, so Tschachtli. «Manchmal sind die Eier innert zwei Tagen weg.» Auch die Landi Kerzers setzt auf Spring-Eier. Dort sind es rund 640 Eier, die der Landwirt Bruno Spring jede Woche anliefern kann. emu

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