Dokumentarfilm 17.11.2012

Mit den Bienen um die Welt fliegen

Eine fleissige Wildbiene: die Schwarzbürstige Blattschneiderbiene auf einer Rose. Bild zvg
Seit Donnerstag läuft der Dokumentarfilm «More Than Honey» im Kino Murten. Zahlreiche Imker und andere Insektenfreunde haben die erste Vorführung besucht. Die Bilder aus verschiedenen Teilen der Welt beeindruckten und regten zu Diskussionen an.

Wenn sich der Präsident des Imkervereins Deutschfreiburger Seebezirk, ein halbes Dutzend weitere Imker und eine Wildbienenexpertin vor dem Kino versammeln, ist unschwer zu erraten, welchen Streifen sie sehen wollen: Der Dokumentarfilm «More Than Honey» des Regisseurs Markus Imhoof ist am Donnerstag in Murten angelaufen und hat zahlreiche Bienenfreunde angezogen.

Die Diskussion dreht sich bereits vor dem Filmstart rund um die fleissigen Tiere, und der Präsident des Imkervereins Deutschfreiburger Seebezirk, Roland Guinard, stellt an einem Infostand im Eingangsbereich des Kinos Informationsblätter bereit. Mit dabei ist auch die Anmeldung für den Imker-Grundkurs.

Insektenfreundin

Auch Deborah Millett ist fasziniert von den Insekten; sie setzt sich für Wildbienen ein. Für das Filmprojekt «More Than Honey» hat sie einen Beitrag geleistet: «Ich habe das Filmdossier für Schulklassen studiert, das eine Anleitung für Wildbienen-Nistplätze enthält, und Änderungen vorgeschlagen.» Diese seien sehr gut aufgenommen und in die Unterlagen integriert worden, welche für Lehrpersonen und deren Schülerinnen und Schüler bestimmt sind.

«Markus Imhoof hat sogar noch persönlich angerufen», freut sich Millett, die sich insbesondere über die Sozialen Medien für Wildbienen einsetzt. Auf ihrer Website wildbee.ch wird betont, dass diese unseren Schutz benötigen. «80 Prozent aller Tiere sind Insekten, und wir könnten nicht leben ohne sie. Ich wünsche mir, dass die Menschen mehr Respekt haben vor Insekten und sich bewusst werden, was sie uns alles Gutes tun.»

Teil eines Ganzen

Beeindruckt vom Film diskutieren die Bienenfreude nach der Vorstellung weiter. Imkervereinspräsident Guinard zeigt sich fasziniert von den Bildern. «Der Film zeigt schön auf, dass wir Teil sind von einem Ganzen. Das gibt einem auch einen Boden. Und je besser es dem Ganzen läuft, desto besser geht es auch dem Individuum.» Das sei ja auch bei den Menschen so. Guinard lacht und sagt: «Der Film regt zu philosophischen Gedanken an und dazu, den Geist offen zu halten über die Grenzen hinaus.»

Seine Frau Therese Guinard ist schockiert von einigen Szenen im Film, die das grosse Geschäft mit Völkern, die Plantagen in den USA bestäuben, aufzeigen. «So respektlos mit einem Tier umzugehen, das geht nicht. Man merkt, dass diese Menschen keinen Bezug zum Tier haben.»

Imker Carlos Schwab sieht sich bestärkt in seiner Philosophie, den Bienen den Honig zu lassen, damit sie sich ganz darauf konzentrieren können, gesund zu bleiben und sich zu vermehren. Millett freut sich über diesen Ansatz: «Der Zucker, den die Bienen anstelle des Honigs erhalten, kann ja nicht die gleiche Wirkung haben.»

Der Imker Hugo Kilchör ist ein wenig enttäuscht, dass auf die Problematik mit den Bienen in der Schweiz nicht vertieft eingegangen wird: «Unsere echten Probleme zeigt der Film nicht auf. So hätte ich zum Beispiel gerne etwas gesehen über Mittel gegen die Varroa-Milbe.»

Es gebe einen Wirkstoff, der einfach einzusetzen, in der Schweiz aber nicht erlaubt sei. «Amitraz wird in den umliegenden Ländern erfolgreich angewandt, bei uns jedoch nicht.»

Hätte es für Kilchör tiefer ins Detail gehen sollen, in einem sind sich alle einig: Der Film bringt einem die Bienen näher und schafft einen Bezug zu dem Insekt, das meist unbemerkt an uns vorbeifliegt. So sagt ein Ehepaar kurz nach der Vorführung denn auch: «Wir werden künftig bewusster Honig essen, nachdem wir gesehen haben, wie viel Arbeit dahinter steckt.» Für einen Teelöffel Honig besucht eine Arbeiterin rund 5000 Blüten.

More Than Honey: Industrialisierung der Bienenzucht

Der Film «More Than Honey» des Schweizer Regisseurs Markus Imhoof spielt an ganz verschiedenen Schauplätzen. So zeigen Bilder, wie Hunderte Bienenvölker in den USA auf riesigen Mandelplantagen losgelassen werden, damit sie die Blüten bestäuben. Sequenzen aus China befassen sich mit Menschen, die diese Arbeit übernommen haben, weil die Bienen ausgestorben sind. Von Hand betupfen die Arbeiter Blüte um Blüte mit gesammeltem Blütenstaub. In Australien betreiben Bienenfreunde Forschungsarbeit auf der Suche nach einer krankheitsresistenten Honigbiene. Und im Süden der USA trifft der Zuschauer auf einen leidenschaftlichen Imker, der sich mit den sogenannten Killerbienen angefreundet hat.

Gierige Kapitalisten

Unterlegt mit den Worten des Regisseurs Markus Imhoof wirft der Film Fragen auf und regt zum Nachdenken an über das teils respektlose Handeln der Menschen. Ein amerikanischer Honigproduzent rechtfertigt die industrielle Nutzung von Bienen: «Es gibt nur zwei Motivationen im Leben: Gier und Angst. (...) Wir sind Kapitalisten, wir wollen Wachstum.» Markus Imhoof sagt: «Der Honig meines Grossvaters ist gar kein Geschenk der Bienen an uns. Mein Grossvater stiehlt den Bienen den Honig und setzt ihnen als Wintervorrat billiges Zuckerwasser vor – wie Glasperlen, mit denen man den Indianern das Gold abkaufte.» Der Regisseur hat rund fünf Jahre lang an diesem Film gearbeitet. emu