Alain Poussot 23.10.2012

Werke aus Greng an der Jungkunst

Der Künstler Alain Poussot vor seiner Inspirationsquelle, dem Murtensee.Bild Mélanie Rouiller
Der Künstler Alain Poussot lebt und arbeitet in Greng. Seine Werke zeugen von Zynismus, Humor und dem Hang zur Perfektion. Sein Arbeitsplatz in der Wohnung ist nicht etwa chaotisch schöpferisch, sondern aufgeräumt kreativ.

Alain Poussot ist so verspielt wie seine Kunst: Seine Arbeiten sind teils durchgeknallt, witzig und nehmen kein Blatt vor den Mund. Er selber besticht durch Authentizität und Lebensfreude. Der Künstler schätzt sein Zuhause in Greng, das gleichzeitig Arbeitsplatz ist: «Es ist sehr idyllisch hier und bietet mir den nötigen Raum für Inspiration.»

Poussot hat zuerst in Zürich an der Hochschule der Künste studiert. Durch den neuen Arbeitsplatz seines Lebenspartners hat es ihn dann aber nach Lausanne an die Kunstschmiede Ecal (Ecole cantonale d’art Lausanne) verschlagen.

«Das war aber keine Notlösung», betont Poussot. Die Zeit an der Schule in Lausanne habe ihn in seinem Schaffen bereichert: «Es ist ein anderes System als in Zürich. In Lausanne hat man Mentoren–also Künstler, die einem Rückmeldungen auf die Arbeiten geben und mit praktischen Tipps weiterhelfen. Auch wie man sich zurechtfindet in der Kunstwelt.» Er sei von den renommierten Künstlern Gloria Friedmann und John M. Armleder betreut worden.

Mit seinem Lebenspartner Steffen Stolz und zwei Bengalkatzen in einer grosszügigen Wohnung lebend, braucht Poussot weder viel Platz noch viel Material für sein Wirken: Tisch, Stuhl, Papier und ein paar Stifte genügen meist.

Sehen seine Bilder auf den ersten Blick wie Pop Art oder Comic aus, merkt man auf den zweiten, dass sie sich durch die Technik und die Liebe zum Detail grundsätzlich von diesen Kunstformen unterscheiden. «Ich arbeite sehr genau und setze dabei Bild und Text in einen Kontrast», sagt Poussot. Auf seinen gezeichneten Bildern lassen sich meist auch kurze prägnante Sätze entdecken. Er beschäftige sich mit scheinbar belanglosen Situationen des Lebens und versuche, diese mit subtilem oder schreiendem Humor zu bestücken. Und auch vor politischen Aussagen schrecke er nicht zurück, sagt Poussot.

Schreiender Kuss

Poussot hatte auch eine Schaffensphase, in der er Bilder ohne Texte kreierte, und wagt sich nun in neue Gefilde: Seine interaktive Installation «The Kiss» für die Jungkunst 2012 in Winterthur spiegelt die Szenerie der Menschenmenge vor den Toren des Buckingham-Palastes wieder, die durch ihr Rufen das frisch vermählte Brautpaar auf dem Balkon des Palastes zum wiederholten Küssen bewegt. Umso lauter und drängender die Betrachter «Kiss» rufen, umso näher ist man dem Ziel der Kussszene. «Ich habe die Installation bereits in den Niederlanden, Frankreich und Dänemark gezeigt», erzählt Poussot. Die Niederländer hätten gerne geschrien, während sich die Franzosen eher reserviert verhalten hätten. In Kopenhagen wiederum seien die Ausstellungsbesucher nur anfänglich etwas zögerlich gewesen. Von kommendem Donnerstag an steht die Installation des Grengers neben anderen Werken in Winterthur an der Jungkunst (siehe Kasten).

Ohne die Unterstützung seines Lebenspartners hätte er seinen Traum nicht verwirklichen können, ist Poussot überzeugt. Und je mehr technisches Wissen neue multimediale Kunstwerke Poussots erfordern, desto mehr ist die Zusammenarbeit der beiden wichtig. «Wir wollen vielleicht auch mal als Team arbeiten», sagt Stolz.

Ein eigenes Atelier kann sich Poussot zumindest jetzt noch nicht leisten. Ausweichen kann er jedoch im Winter auf das Badehäuschen von Greng, das direkt am Murtensee liegt. «Das Wasser ist toll», sagt der Künstler, der sowohl die englische als auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt. Nach Greng verschlagen hat es Poussot und Stolz, weil es ihnen hier so gut gefällt. «Wir waren als Touristen unterwegs, und das Dorf hat uns beeindruckt. Durch Glück kamen wir hier zu einer Wohnung.»

Ausstellung: Sprungbrett für junge Künstler

B ereits zum siebten Mal lädt die Jungkunst ein zur Ausstellung der vielversprechendsten Künstlerinnen und Künstler des zeitgenössischen Schweizer Kunstszene. Vom 25. bis am 28. Oktober 2012 zeigen 26 Talente in der Halle 52 in Winterthur, was die junge Schweizer Kunst im Bereich Bilder, Fotos und Installationen zu bieten hat. Auch der Grenger Alain Poussot ist einer der Künstler, die in Winterthur ausstellen. (siehe Haupttext). emu

Halle 52, Katharina-Sulzer-Platz, 8400 Winterthur. Infos: www.jungkunst.ch