Zweisprachige Kinderoper 26.05.2015

Kinderchöre verjagen den Brundibar

Zwei Kinderchöre und ein Orchester: Die letzte grosse Probe von «Brundibar» vor der Premiere am Freitag.Bild Alain Wicht
Die beiden Kinderchöre Chrüsimüsi aus Giffers und Les Smartiz aus Le Mouret vereinen für ein Projekt ihre Kräfte: Zum fünfjährigen Jubiläum der Chöre führen die 80 Kinder in Tafers die zweisprachige Kinderoper «Brundibar» auf.

Eine Gruppe von Kindern steht auf der Bühne der Aula in Tafers und wartet auf ihren Einsatz. Im Hintergrund stimmen die Musiker ihre Instrumente. Es ist Pfingstmontag und die Proben für die Kinderoper «Brundibar» sind voll im Gange. Die Premiere findet am kommenden Freitag statt.

Zwei Chöre, ein Projekt

Es ist nicht das erste Mal, dass der Kinderchor Chrüsimüsi aus Giffers und der Kinderchor Les Smartiz aus Le Mouret zusammenarbeiten; bereits 2013 fand ein gemeinsames Konzert statt. Die beiden Dirigentinnen Nicole Schafer und Delphine Richard kennen sich gut, spielen sie doch beide im Freiburger Kammerorchester. Auf der Fahrt zu einem Auftritt hätten sie festgestellt, dass beide Chöre heuer das fünfjährige Bestehen feiern und sie aus diesem Anlass gerne etwas Besonderes auf die Beine stellen möchten, wie Nicole Schafer erzählt. Ihre Wahl fiel auf das Werk «Brundibar», eine Kinderoper des tschechischen Komponisten Hans Krása.

Seit Anfang Jahr proben die beiden Chöre einzeln oder gemeinsam die Lieder aus der Oper. Denn die Aufführung soll zweisprachig sein. So singt der Sensler Chor auch Stücke in französischer Sprache, und das Ensemble aus Le Mouret lernt Passagen auf Deutsch. Ein Grossteil der Handlung wird über Musik und Gesang transportiert, es gibt ein paar wenige Dialoge.

Das Singen in der Partnersprache sei für die Kinder zwar anspruchsvoll gewesen, sie hätten es aber durch die regelmässigen Proben gut bewältigen können, sagt Nicole Schafer. «Sie lernen sehr schnell.» Das Werk, das 1938 komponiert wurde, sei anders als die poppigen Lieder, welche die Chormitglieder sonst lernen. «Anfangs waren sie ein wenig skeptisch gegenüber der klassischen Musik, mit der Zeit sind sie aber gut reingekommen.» Die meisten Melodien seien zwar recht eingängig, aber komplizierter als ein Kinderlied. «Wir haben von den Kindern in den letzten Wochen einiges abverlangt», sagt Nicole Schafer. Weil es aber eine einmalige Veranstaltung zu einem speziellen Anlass sei, konnte sie Kinder und Eltern beruhigen, dass wieder gemächlichere Probezeiten kommen.

Finanziell aufwendig

Das Stück handelt von den Geschwistern, die ihrer kranken Mutter helfen wollen. Begleitet werden die rund 80 teilnehmenden Kinder im Primarschulalter von einem Berufsorchester mit 13 Musikerinnen und Musikern. Auch hier haben Nicole Schafer und Delphine Richard ihre Beziehungen spielen lassen und befreundete Kollegen angefragt. «Sie kommen zum Glück zu einem Freundschaftspreis, sonst wäre so ein Orchester für uns kaum bezahlbar», sagt die Musikerin aus Giffers.

Auch wenn man sich, zum Beispiel bei der Ausstattung, auf das Minimum beschränkt habe, sei so ein Projekt kostenaufwendig. Das Budget beträgt 20 000 bis 25 000 Franken und wird durch Sponsoren und durch Beiträge von Chorvereinigungen und anderen Institutionen gedeckt. «In der heutigen Zeit, in der immer weniger Geld für Kultur zur Verfügung steht, ist es nicht leicht, so ein Projekt auf die Beine zu stellen.»

Nicoles Bruder Pascal wird das Orchester dirigieren. Für die Regie zeichnet Benjamin Knobil verantwortlich. Er siedelt das Stück in der heutigen Zeit an, so dass sich die Kinder kostümtechnisch nicht verkleiden müssen. Es sei nicht immer einfach gewesen, Chöre, Orchester und die Inszenierungsideen des Regisseurs unter einen Hut zu bringen. «Ich würde sagen, es ist ein Meisterwerk der Zusammenarbeit», fasst Nicole Schafer mit einem Lachen zusammen.

Aula in der OS Tafers, Fr., 29. Mai, 19 Uhr, Sa., 30. Mai, 19 Uhr, So., 31. Mai, 17 Uhr.

Geschichte

Komponist starb im Konzentrationslager

Brundibar ist eine Kinderoper des tschechischen Komponisten Hans Krása. Der Text stammt von Adolf Hoffmeister. Das Werk wurde 1941 in einem Kinderheim in Prag erstmals aufgeführt. Nachdem Krása 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert worden war, schrieb er die Partitur neu. Das Stück wurde im Lager 55-mal aufgeführt, um den gefangenen Kindern ein Stück Freude zu geben. Die Nationalsozialisten haben Ausschnitte davon für einen Propagandafilm verwendet, um der Welt ausserhalb des Lagers ein normales Leben vorzugaukeln. Hans Krása und fast alle Ausführenden wurden kurz darauf in Auschwitz ermordet.

Das Stück erzählt die Geschichte von Pepicek und Aninka, zwei armen Geschwistern, die für ihre kranke Mutter Milch besorgen wollen, aber kein Geld haben. Sie wollen es deshalb dem Leierkastenmann Brundibar nachmachen, der für seine Musik Münzen erhält. Doch niemand hört ihnen zu, und Brundibar vertreibt sie sogar vom Marktplatz. Hilfe erhalten die Kinder schliesslich von einem Spatz, einer Katze und einem Hund und einer ganzen Schar von Kindern aus der Nachbarschaft. Mit vereinten Kräften schaffen sie es, Brundibar zu vertreiben und genügend Geld für die Milch zu sammeln. Es geht in der Oper um Freundschaft und um das Zusammenhalten in schwierigen Situationen. Einige Deutungen des Werkes sehen im vertriebenen Brundibar die Herrschaft von Hitler, der vertrieben werden muss.im