Brandstiftung 10.01.2013

Prächtige Brücke wird Raub der Flammen

Die Höllbachbrücke vor und nach dem Brand. Sie bildete gleich drei Grenzen: die Gemeindegrenze Plasselb–Cerniat, die Bezirksgrenze Sense–Greyerz und die Sprachgrenze Deutsch–Welsch. Bilder Charles Ellena
Sie war Zeuge einer Epoche, einzigartig in der Region und hatte für die Pflege der Schutzwälder eine wichtige Funktion: Jetzt ist die Höllbachbrücke im Plasselbschlund abgebrannt. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Der Staat als Besitzer will die Brücke wieder aufbauen.

Als Kreisforstingenieur Anton Thalmann am Dienstagmorgen erfahren hatte, dass die Höllbachbrücke niedergebrannt ist, begab er sich vor Ort und musste dort «eine Träne verdrücken», wie er gestern anlässlich der Medienorientierung im Plasselbschlund erzählte. Unter seiner Leitung ist das Bauwerk (siehe Kasten) im Jahre 1989 erneuert und verstärkt worden. «Sie war eine alte Brücke, zu der wir immer gut geschaut haben», sagte er.

Spätestens am Sonntag oder in der Nacht auf Montag ist das Bauwerk mit dem Schindeldach einem Brand zum Opfer gefallen. Denn am Donnerstag stand die Brücke gemäss Angaben der Polizei noch in ihrer ganzen Pracht im Plasselbschlund. Als die Kantonspolizei Freiburg am Dienstag vom Forstdienst über die Zerstörung informiert wurde und sich auf Platz begab, waren die Brandreste bereits kalt.

Weder Strom noch Gewitter

Weil die Brücke keinen elektrischen Zugang hat und auch ein Blitzeinschlag ausgeschlossen werden kann, geht die Polizei nach ersten Ermittlungen von Brandstiftung aus, wie Oberamtmann Nicolas Bürgisser am Mittwochmorgen vor Ort erklärte. «Die Spurensicherung ist abgeschlossen. Die Untersuchung aber läuft noch», so Bürgisser. Nicht nur bei Anton Thalmann, auch bei ihm ist das Unverständnis gegenüber dem mutmasslichen Täter gross. «Es gibt keinen Grund, eine solche Brücke anzuzünden.» Der historische Schaden sei riesig, betont auch der Plasselber Ammann Hervé Brügger.

Wieder eine Holzbrücke

Gleich geht es auch Walter Schwab, Vorsteher des kantonalen Amtes für Wald, Wild und Fischerei. Er betont, dass die Höllbachbrücke, die in Besitz des Staates ist, sehr wichtig sei für die Pflege und die Bewirtschaftung der Schutzwälder. «Wir brauchen wieder eine Brücke, diese Verbindung ist unabdingbar», so Schwab. Es seien zwar auch ohne Brücke alle Gebiete zugänglich, die Arbeit werde aber erschwert. Auch die nächste Brücke werde aus Holz sein, versicherte er. Wie sie genau aussehen werde und ob bis zu ihrer Fertigstellung eine sogenannte Notbrücke erstellt werde, sei aber noch unklar. Gemäss Walter Schwab dauert es ein bis zwei Jahre, bis eine neue Brücke steht.

Nach dem Motiv der noch zu bestätigenden Brandstiftung gefragt, sind die Behörden ratlos oder können nur mutmassen. «Ich sehe kein Motiv», sagt der Amtsvorsteher Walter Schwab. Er habe auch keine Drohungen oder andere Hinweise erhalten.

Tatsache ist, dass die Verbindung über die Höllbachbrücke seit des Inkrafttretens der neuen Regelung auf Alp- und Forststrassen, also seit Sommer 2012, für den motorisierten Verkehr gesperrt ist. Vorher war sie für alle zugänglich. Jetzt ist die Zufahrt nur noch für die Alp- und Forstwirtschaft gestattet. Könnte der Brand einen Zusammenhang haben mit den Diskussionen der Befürworter und Gegner dieser neuen Regelung? «Das ist eine Hypothese», sagt Kreisforstingenieur Anton Thalmann. «Das ist reine Spekulation», sagt Oberamtmann Nicolas Bürgisser.

Stimmung ist angespannt

Als ehemaliger Ammann von Plasselb, langjähriger Verwalter der Weggenossenschaften Plasselbschlund und Falli-Hölli und als Sekretär des neu gegründeten Vereins Forsthaus Hölli ist Felix Bürdel schwer betroffen vom Vorfall. «Das geht bei mir sehr tief», sagte er am Mittwoch auf Anfrage der FN. «Diese Brücke war Zeuge einer Epoche.» Er hoffe, betonte Bürdel, dass die Untersuchung Klarheit schaffen werde und dass der Brand nicht im Zusammenhang mit der umstrittenen Verkehrsregelung auf Alp- und Forststrassen stehe. Im Sense-Oberland und vor allem in Plasselb sei die Stimmung in Bezug auf die vom Kanton erlassenen Fahrverbote sehr angespannt, sagt er. «Ich hoffe, dass man den Dialog wieder aufnehmen kann und zu einer Lösung findet, hinter der die Bevölkerung stehen kann», sagt Felix Bürdel. Vor allem aber hoffe er, dass die Brücke tatsächlich wieder aufgebaut werde. «Dieses Gebiet darf nicht in Vergessenheit geraten.» Nicht zuletzt deshalb wurde im Dezember 2011 auf seine Initiative hin der Verein Forsthaus Hölli gegründet. Dieser hat zum Ziel, das geschichtsträchtige Gebäude im Plasselbschlund aufzufrischen und durch verschiedene Aktivitäten mit neuem Leben zu erfüllen (die FN berichteten).

Piller verurteilt Tat

Auch virulente Kritiker des Fahrverbots auf Alpstrassen reagieren mit Betroffenheit: «Das stimmt mich enorm traurig», sagte SVP-Grossrat Alfons Piller, als er über die FN von der Zerstörung der Höllbachbrücke erfuhr. Piller hatte 2010 zusammen mit dem FDP-Grossrat Ruedi Vonlanthen eine Petition lanciert gegen die Schliessung der Alpstrassen und insgesamt 11 111 Unterschriften gesammelt. Alfons Piller kann eine solche Tat nicht verstehen: «Egal, wer dahintersteckt, ich verurteile dies zutiefst.»

Die Kantonspolizei Freiburg bittet Zeugen, sich unter der Telefonnummer 026 305 17 17 zu melden.

Kommentar

Hinterhältig und feige

Christoph Nussbaumer

Die Höllbachbrücke im Plasselbschlund ist abgebrannt, weil jemand das so wollte. Das vermuten die Behörden nach den ersten Abklärungen. Doch wer hat so etwas getan? Wer kann ein Bijou, wie es in unserer Region kaum mehr eines gibt, abgefackelt haben? Wer legt einen Zeugen unserer Vergangenheit und ein Werk unserer Vorfahren in Schutt und Asche? Dies herauszufinden ist Aufgabe der Justiz. Kommt sie mit ihren Ermittlungen zum Ziel, dann klärt sich nicht nur die Frage der mutmasslichen Täterschaft, sondern auch die Frage des Motivs für diesen wahrscheinlich kriminellen Akt. So oder so muss der Staat ein Zeichen setzen und die Brücke nach alter Väter Sitte wieder aufbauen lassen. Wer auch immer am Ursprung dieses Brandes steht, muss wissen, dass hinterhältige und feige Taten in einem Rechtsstaat keinen Platz haben und in einer Demokratie sowieso nie zum Ziel führen.

Zahlen und Fakten

50 Jahre nach dem Bau verstärkt

Die Höllbachbrücke ist 1939 gebaut und 1989 verstärkt worden, so dass sie eine Tragfähigkeit von 28 Tonnen hatte. Sie war 15,3 Meter lang und war für 240000 Franken versichert. ak