Eishockey 08.02.2018

Dubé hat sich seine Sporen abverdient

Gottérons Sportdirektor Christian Dubé ist sich bewusst, dass sein konsequentes Handeln nicht von allen goutiert wird.
Christian Dubé verfolgt mit seinen Transfers eine weitsichtige Strategie. Dabei geht fast vergessen, dass der Vertrag von Gottérons Sportdirektor 2019 ausläuft. Eine Verlängerung dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein.

Christian Dubé war in den letzten Wochen und Monaten äusserst umtriebig. Die Kaderplanung für die nächste Saison ist weit fortgeschritten, mit den Internationalen Philippe Furrer, Noah Schneeberger und Samuel Walser konnte der Sportdirektor Gottérons einige namhafte Verpflichtungen verbuchen, andere Personalfragen wie diejenigen bei den Ausländern und auf der Torhüterposition sind hingegen noch offen.

Vertrag läuft 2019 aus

Die Aufgabe eines Sportchefs ist es aber auch, mit Blick auf die auslaufenden Verträge über das kommende Jahr hinaus zu blicken und eine langfristige Strategie zu verfolgen. Selbstredend macht das auch Dubé, obwohl noch nicht einmal die mittelfristige Zukunft des Kanadiers geklärt ist. Sein vierjähriger Vertrag mit Gottéron neigt sich im Frühling 2019 dem Ende zu. «Bisher war die Vertragsverlängerung mit Christian noch kein Thema», sagte Club-Präsident Michel Volet gestern während der Olympia-Pause im Rahmen eines informellen Treffens mit den Medien. «Aktuell beschäftigt uns nur, dass wir die Playoff-Qualifikation sicherstellen.» Volet kaschiert jedoch nicht, dass er an einer weiteren Zusammenarbeit höchst interessiert ist. «Aber zuerst warten wir das Ende der laufenden Saison ab. Auch Christian wird anhand seiner Leistung und seiner Entwicklung beurteilt.»

Nachdem Dubé 2015 trotz eines noch für ein Jahr gültigen Vertrags als Spieler den Rollenwechsel zum Sportdirektor vollzogen hatte, geschah dies nicht ohne einige Nebengeräusche. Ohne mit der Wimper zu zucken schob er unter anderen Adam Hasani oder Joel Kwiatkowski, die eben noch Teamkollegen gewesen waren, ab. Später leistete er sich einige Fehlgriffe, etwa bei den Ausländern, und auch die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Trainer Gerd Zehnhäusern war im Nachhinein ein Fehler. Dubé habe wie jeder in einer neuen Position Lehrgeld bezahlen müssen, sagt Volet, der deutlich weniger in den Medien präsent ist als noch letzte Saison, als Gottéron bis in den Playout-Final gehen musste. «Damals musste ich Christian gegenüber den Medien teilweise schützen, damit er nicht zu viel sagt.»

«Natürlich habe auch ich einige Fehler gemacht», gesteht Dubé. «Speziell in der letzten Saison war der Druck gross, zudem herrscht in Freiburg kein einfaches Umfeld.» Er sei aber der Erste, der zu seinen Verfehlungen stehe wie etwa im Fall der gescheiterten Vertragsverhandlungen mit dem damaligen Publikumsliebling Benjamin Plüss. Der 40-Jährige stellt aber klar, dass er sich in seinem Tun stets vom Vorstand gestützt gefühlt und nichts impulsiv entschieden habe. Er habe in den nunmehr fast drei Jahren als Sportdirektor der Freiburger vieles gelernt und sei ruhiger geworden. «Trotzdem verfolge ich meine Philosophie konsequent, auch wenn sie nicht allen gefällt.» Der Leistungsausweis von Dubé bezüglich der aktuellen Saison gibt indes kaum Anlass zur Kritik. Sei es Trainer Mark French, die Ausländer Jim Slater und Barry Brust oder Stürmer Matthias Rossi, praktisch alle Zuzüge haben voll eingeschlagen. «Ich wollte den Charakter im Team stärken, das ist mir, denke ich, ganz gut gelungen.»

Gespräche im Sommer

Obwohl auch Dubé festhält, dass er sich momentan auf die Playoff-Qualifikation konzentriere und bezüglich seiner persönlichen Zukunft keinen Stress verspüre, lässt er durchblicken, dass er seine Arbeit bei Gottéron sehr gerne weiterführen würde. Zu verlockend sind die Perspektiven mit dem in zwei Jahren fertig ausgebauten Stadion und den bisher getätigten Zuzügen, alle mit Mehrjahresverträgen ausgestattet.

Da beide Parteien, Club und Dubé, nichts gegen Kontinuität einzuwenden haben, ist davon auszugehen, dass das Thema Vertragsverlängerung spätestens im Sommer auf den Tisch kommen wird und ein Übereinkommen nur noch eine Frage der Zeit ist.

Investoren

Freiburger statt Ausländer

Bis Ende April will Gottéron sein Aktienkapital um eine Million Franken auf neu 3,3 Millionen Franken erhöhen. «Trotz der nicht einfachen wirtschaftlichen Lage sind wir auf gutem Weg, dieses Ziel zu erreichen», gab sich Präsident Michel Volet gestern zuversichtlich. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass die Aktienzeichner aus der Region stammen. «Der Club soll in Freiburger Händen sein.» Es habe in den letzten Jahren immer wieder Anfragen von Investoren aus dem Ausland gegeben, erklärt Volet. Daran sei Gottéron aber nicht interessiert. Stattdessen setzen die Verantwortlichen auf das renovierte Stadion, das auf die Saison 2020/21 fertiggestellt sein soll und das zusätzliche Gelder generieren wird. Bis es so weit ist, muss Gottéron womöglich aber nochmals kleinere Brötchen backen. Während Sportdirektor Christian Dubé sagt, dass er für nächste Saison über das gleiche Budget wie die laufende verfügt, schliesst Volet aufgrund Einnahmeeinbussen während des Umbaus für 2019/20 eine kleine Reduktion nicht aus.

fs

Nachwuchs

Das lange Warten auf den nächsten Julien Sprunger

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass es um den Freiburger Nachwuchs nicht zum Besten bestellt ist, so lieferte ihn die Partie vom 26. Januar in Langnau (1:2-Niederlage). In Abwesenheit einiger verletzter Stürmer ging für Gottéron nicht etwa ein Elite-Junior, sondern der 25-jährige Kevin Kühni –schon in seiner angestammten Position als Back für die höchste Spielklasse zu limitiert – als Angreifer auf das Eis. «Der Druck für einen Junioren wäre zu gross gewesen», sagt Ausbildungschef Gerd Zenhäusern und meint damit den Kampf um einen Platz im Playoff, inmitten dem Gottéron zu jenem Zeitpunkt gestanden hatte. «Wir wollten keine Risiken eingehen», sagt auch Sportdirektor Christian Dubé. Es sei auch in der Folge nicht möglich gewesen, junge Spieler zu bringen. «Gegen Teams wie Lugano oder Davos ist das höchst problematisch.» Die Qualität der Nachwuchsspieler sei schlicht nicht gut genug. Ron Martikainen etwa, der zuweilen mit dem Fanion­team trainiert hatte, habe nicht das Niveau für die National League, erklärt Dubé.

Die Konkurrenz mit den längeren Spiessen

Die Erkenntnis ist nicht neu: Gottéron hat grösste Mühe aus dem Nachwuchs leistungsfähige Spieler für die erste Mannschaft herauszubringen. Der letzte Spieler, dem der Sprung in die Belle Etage des Schweizer Eishockeys gelungen ist, heisst Andrea Glauser und spielt ab der nächsten Saison für die SCL Tigers. «Wir haben einige gute junge Spieler, aber nicht genug», sagt Zenhäusern. Zwei Junge mit Jahrgang 2000 hätten Potenzial. Einer von ihnen ist der Junioren-Internationale David Aebischer, der nächste Saison ins Training der ersten Mannschaft integriert werden soll. Ansonsten aber fehlt es bei den Elite-A-Junioren, die die Playoffs verpassen werden, an vielversprechenden Talenten.

Die Gründe dafür sind altbekannt. In Freiburg fehlt es an adäquaten Ausbildungskonzepten für junge Sportler. Für Gottéron ist dies bei der Rekrutierung von jungen Spielern mit Perspektiven ein signifikanter Nachteil. In der Westschweiz buhlen Genf, Lausanne, Biel, die Tigers und der SCB neben den Freiburgern um die Talente. Während die anderen Clubs und Kantone Strukturen vorweisen können, damit die Spieler Ausbildung und Sport gut unter einen Hut bringen können, fehlt ein solches Angebot im Kanton Freiburg weiterhin, und das Training steht hinten an. So falle den Talenten die Wahl leicht, bedauert Zenhäusern.

Rosa steigt zum Headcoach auf

Präsident Michel Volet räumt zwar ein, dass der Nachwuchsbereich lange vernachlässigt wurde – auch weil der Verein finanzielle Sorgen hatte –, dass seit 2012, 2013 die Strukturen bei den Junioren aber verbessert wurden. «Nicht nur wir, sondern auch die Basketballer von Olympic und andere müssen der Politik klarmachen, dass es endlich ein angemessenes Konzept für Sport und Ausbildung im Kanton braucht», fordert Volet, der neidisch nach Lausanne oder Genf blickt, wo die staatlichen Subventionen für den Sport ungleich wesentlicher sind.

Kurzfristig wird sich daher in Sachen Nachwuchs bei Gottéron wenig ändern. Zenhäu­sern kündigt denn auch schon eine schwierige Saison 2018/19 für die Elite-Junioren an, weil in diesem Alterssegment grosse Lücken bestünden. Die Aufgabe, mit den vorhandenen Spielern doch etwas zu leisten, fällt dem einstigen Gottéron-Stürmer Pavel Rosa zu. Der Tscheche, bisher der Assistenz-Trainer, übernimmt nächste Saison die Funktion des Headcoachs und folgt damit auf Kari Martikainen, der in seine finnische Heimat zurückkehren wird.

Überdies stärkt Gottéron die Rahmenbedingungen für den Nachwuchs. Sandro Stoll wird auch nächste Saison das Konditionstraining leiten, zudem wurde Ilya Khanenko – ein Ausbildner im Powerskating –bis Ende der laufenden Meisterschaft engagiert. Mit dem Russen wird auch nächste Saison eine Zusammenarbeit angestrebt.fs