BEINWIL AM SEE 22.12.2017

Ein Leben als Künstler und Christ

Micha Aregger gestaltete für das Reformationsjubiläum das Projekt «Atemwolke».
Der 41-jährige Künstler Micha Aregger aus Beinwil am See ist bekennender Christ. Im Gespräch erklärt er, wie er den Zusammenhang zwischen Religion und bildender Kunst im Jahr des Reformationsjubiläums sieht.

Die Frage nach Bildern in den Kirchen bewegte im Reformations-Jubiläumsjahr 2017 viele Menschen weltweit (die FN berichteten). Jemand, der sich mit der Thematik bestens ausgekennt, ist der 41-jährige Micha Aregger, christlicher Künstler aus Beinwil am See. «Ich bin zwar katholisch aufgewachsen», blickt er zurück, «persönlich fand ich aber erst im Laufe meines Studiums an der Kunstgewerbeschule Luzern zum Glauben.» Heute fühle er sich eher den Freikirchen geistesverwandt.

Diesen Sommer und Herbst hat er für das Reformationsjubiläum das Projekt «Atemwolke» auf die Beine gestellt. Rund 1400 «Atembälle» sollten sinnbildlich darstellen, dass Christen die Gnade Gottes benötigen wie die Luft zum Leben. Die Konstruktion wurde an diversen Kirchen im Kanton Luzern installiert. «Die Reaktion war unterschiedlich», so Aregger. «Oft sorgte sie für Irritation und Staunen.» Am unmittelbarsten hätten vielleicht Kinder auf die Installation reagiert: Sie hätten oft schlicht mit diesen «Ballons» spielen wollen. Vom 29. Dezember bis zum 1. Januar engagiert sich Aregger ausserdem im Rahmen der christlichen Messe «Explo 17» in Luzern in der sogenannten «Kunstzone». Areggers Kunst ist nicht hagiografisch, sondern abstrakt, installativ, organisch und symbolisch. Da er ursprünglich aus einem technischen Beruf kommt – der Elektrotechnik –, spielen auch Apparaturen und Anordnungen eine wichtige Rolle in seiner Kunst. Ebenso ist die Natur für ihn zentral, die Schöpfung, hinter der er stets den Schöpfer verortet. «Dazu gehören auch mathematische Formeln, wie man sie etwa in der Physik findet», so Aregger.

«Man räumte zu sehr auf»

«In der Kunstgewerbeschule bin ich mit meinem Ansatz oft angeeckt», sagt der Künstler. «Über Gott durfte ich noch reden, aber sobald Jesus ins Spiel kam, spürte ich immer wieder Gegenwind.» Heute würde er allerdings auch weniger offensiv als in seiner Studienzeit über seinen Glauben sprechen. «Damals war eben alles frisch, neu und intensiv», bemerkt der 41-Jährige dazu. Inzwischen habe sich allerdings auch sein Umfeld verändert und er arbeitet mit einem losen Verbund von christlichen Kunstschaffenden zusammen. Eigentlich sei es paradox, dass christliche Kunst heutzutage so oft kritisiert werde. «Denn in der Kunstgeschichte war die religiöse Kunst ausserordentlich zentral», so Aregger. «Die ersten berühmten Maler waren ja allesamt Kirchenmaler.» Irgendwann sei es dann zu einem Bruch gekommen. Zu den Reformatoren und ihrem Bildersturm vor 500 Jahren sagt der Künstler: «Das war wohl eine Extremreaktion. Man räumte zu sehr auf, weil es zuvor wohl einfach zu viele Bilder in den katholischen Kirchen hatte.» Grundsätzlich habe er Verständnis für den reformierten Standpunkt. «Aber dass man alles verworfen hat, ist schon eine extreme Gegenreaktion zur katholischen Fülle», so Aregger. Die Frage sei natürlich auch, wie man mit solchen Bildern umgehen solle. «Meine christlichen Bilder und Objekte soll man nicht verehren», bemerkt er mit Nachdruck. «Ich verweise in ihnen stets auf den Schöpfer und dessen Genialität.» Er hätte allerdings aus religiösen Gründen kein Problem damit, Gott bildlich darzustellen. Die Frage stelle sich aber gar nicht, weil er vor allem abstrakt arbeite.

«Über Gott durfte ich noch reden, aber sobald Jesus ins Spiel kam, spürte ich Gegenwind.»

Micha Aregger

Christlicher Künstler