Bulle 22.12.2017

Impressionen aus Nova Friburgo

Statue von Wilhelm Tell: Die Schweizer Wurzeln sind in Nova Friburgo allgegenwärtig.
Die zehnte «Fotografische Ermittlung: Thema Freiburg» ist der brasilianischen Stadt Nova Friburgo gewidmet. Die Arbeit von Thomas Brasey ist jetzt im Greyerzer Museum in Bulle ausgestellt.

Im kommenden Jahr feiern die brasilianische Stadt Nova Friburgo und Stadt und Kanton Freiburg das 200-Jahr-Jubiläum der Gründung der einstigen Auswandererstadt. Der Waadtländer Fotograf Thomas Brasey hat dies zum Anlass für eine Fotoreportage in Nova Friburgo genommen, die er vor zwei Jahren ausführte und die nun pünktlich zur 200-Jahr-Feier veröffentlicht wird: mit einer Ausstellung und einem Katalog. Das Projekt «Boaventura» reiht sich ein in die Serie «Fotografische Ermittlung: Thema Freiburg», die das kantonale Amt für Kultur seit 1996 alle zwei Jahre durchführt. Dabei wird jeweils auf Wettbewerbsbasis ein Fotograf mit einer dokumentarischen Arbeit zum Thema Freiburg beauftragt. «Boaventura» ist der zehnte Teil der Reihe.

Thomas Braseys Arbeit ist bis Mitte April im Greyerzer Museum in Bulle zu entdecken. Der Fotograf vereint Impressionen aus Nova Friburgo, Porträts von Einwohnern mit Freiburger Vorfahren und schwarz-weisse Studioaufnahmen von Objekten, die von Auswanderergeschichten erzählen. «Die Fotoserie von Thomas Brasey gibt einer vielfach schriftlich fixierten, aber bilderarmen historischen Erzählung fotografische Gestalt», schreibt Christophe Mauron, Konservator am Greyerzer Museum, zum Projekt. «Es ist die Erzählung über jene Schweizer, die vor zweihundert Jahren nach Brasilien auswanderten, um die Siedlungskolonie Nova Friburgo zu gründen und dort ein besseres Leben zu führen.»

So weisen Braseys Bilder über die Geschichte der Freiburger Brasilienauswanderer des 19. Jahrhunderts hinaus und beleuchten das Thema Migration im Allgemeinen. Dazu passt der zweite Teil der Ausstellung, den das Greyerzer Museum gestaltet hat und der die Geschichte von Nova Friburgo auf didaktische Weise aufarbeitet. Hier geht es um die schwierigen Reisebedingungen, um das Leben der Auswanderer in ihrer neuen Heimat und um das kulturelle Leben von damals bis heute. Die Ausstellung endet mit einem Blick auf die Gegenwart, in der die Portugiesen die grösste ausländische Gemeinschaft im Kanton Freiburg sind. Damit schliesst sich der Kreis zu den Auswanderern, die sich einst aufmachten, um sich in einer Kolonie niederzulassen, die damals zum Königreich Portugal gehörte.

Greyerzer Museum, Rue de la Condé­mine 25, Bulle. Bis zum 15. April. Di. bis Fr. 10 bis 12 und 13.30 bis 17 Uhr, Sa. 10 bis 17 Uhr, So. 13.30 bis 17 Uhr.

«Die Fotoserie von Thomas Brasey gibt einer vielfach schriftlich fixierten, aber bilderarmen historischen Erzählung foto­grafische Gestalt.»

Christophe Mauron

Konservator Greyerzer Museum