Wileroltigen 02.09.2017

Wileroltigen will keine Demo

Fahrende sind in Wileroltigen zurzeit nicht willkommen.
Der Gemeinderat von Wileroltigen hat entschieden, dem Kollektiv «Bleiberecht Bern» keine Bewilligung für eine Demo gegen Antiziganismus zu erteilen. Das Kollektiv erhebt nun Einsprache.

Das Thema Fahrende ist in der kleinen bernischen Gemeinde Wileroltigen seit diesem Sommer dauerpräsent, und es reisst nicht ab: Der Gemeinderat hat am Donnerstagabend beschlossen, dem Kollektiv «Bleiberecht Bern» die für den 24. September geplante Demonstration gegen Antiziganismus nicht zu bewilligen. «Wir haben Angst, dass wir die Sicherheit während einer Demonstration nicht gewährleisten können», erklärte der Vize-Gemeindepräsident Wileroltigens, Edgar Herren, gestern auf Anfrage. Der Entschluss sei einstimmig gefallen. Die Frage, ob an dem genannten Datum dennoch linke oder auch rechte Gruppierungen in der bernischen Gemeinde bei Kerzers auftauchen und ihre Stimme erheben werden, bleibt derweil offen: Das Kollektiv Bern werde gegen das Demonstrationsverbot Einsprache erheben, schreibt «Bleiberecht Bern» in einer E-Mail. Telefonisch gibt das Kollektiv nicht Auskunft und die Antworten per E-Mail sind nicht namentlich unterzeichnet. «Aus Wut und Entrüstung über die andauernde Hetze gegen Fahrende wollen wir in Wileroltigen gegen Antiziganismus protestieren», so das Kollektiv. Ohne Widerstand würden solche Hetzen Schule machen, so die Stellungnahme zu dem negativen Entscheid des Gemeinderates. Deshalb seien sie nun an das Bundesamt für Strassen (Astra) gelangt, die die Eigentümerin des Landstücks neben dem Rastplatz ist: Das Kollektiv bittet das Astra um die Erlaubnis, auf dem Feld eine Infoveranstaltung zu Antiziganismus durchzuführen. Sie akzeptierten weder Antiziganismus noch Angriffe auf die Meinungsäusserungs- und Versammlungsfreiheit von Kritikern des Antiziganismus, so das Kollektiv.

Der Streit geht auf Anfang Juni zurück: Bis zu 500 Fahrende hatten ein Feld neben dem Autobahnrastplatz in Wileroltigen besetzt. Die Dorfbewohner zeigten sich unzufrieden mit der Situation. Darauf folgte die Ankündigung des Berner Regierungsrates Christoph Neuhaus, an dem Standort einen fixen Transitplatz für Fahrende prüfen zu wollen. Diese Durchsage heizte die Stimmung deutlich auf; Dorfbewohner machten teils aggressiv gegen das Vorhaben mobil und gründeten ein Bürgerkomitee. Auch der Gemeinderat sprach sich klar gegen einen Transitplatz auf Wileroltiger Boden aus (die FN berichteten).

Gülle und Hühnermist

Anfang August waren auch die letzten Fahrenden weitergezogen. Die Matte ist jetzt zwar wieder leer, doch nun ist das Feld neben dem Rastplatz umzäunt und verbarrikadiert. Dies geschah auf Initiative des Bürgerkomitees: «Wir hörten, dass Fahrende von Estavayer nach Wileroltigen kommen wollen, und haben reagiert», erklärte der Präsident des Bürgerkomitees, Armin Mürner, das Vorgehen. Auch in den Nachbarsgemeinden Gurbrü und Ferenbalm hätten sie Landabschnitte mit Schafzäunen versehen und auf den Feldern teils Gülle oder Hühnermist verteilt, «wir wissen ja, welche Felder gefährdet sind». Die Situation mit den Fahrenden sei schlicht nicht tragbar.

«Wir hörten, dass Fahrende von Estavayer nach Wileroltigen kommen wollen, und haben reagiert.»

Armin Mürner

Präsident Bürgerkomitee