Kritik 07.11.2017

Der Mut hat sich gelohnt

Die modernen Werke waren für die Sängerinnen und Sänger eine Herausforderung.
Der reformierte Kirchenchor Murten sang am Sonntag zusammen mit zwei weiteren Chören zwei zeitgenössische Totenmessen. Die rund 140 Musikerinnen und Musiker überzeugten mit einer beeindruckenden Leistung.

Es ist ein anspruchsvolles Programm, das sich der reformierte Kirchenchor Murten zusammen mit dem katholischen Kirchenchor aus dem solothurnischen Langendorf, einem Basler Projektchor sowie einem Ad-hoc-Orchester vorgenommen hat. Unter der Leitung von Florian Kirchhofer erarbeiteten die Chöre das Requiem von Karl Jenkins sowie das Requiem von Raphael Sommer. Das Requiem von Jenkins wurde 2005 uraufgeführt. Das zweite Requiem hat Komponist Raphael Sommer eigens für das Projekt geschrieben. «Die modernen Werke waren für die Sängerinnen und Sänger eine Herausforderung», sagte Dirigent Kirchhofer anlässlich einer Probe den FN (siehe FN vom 25. Oktober). Umso beeindruckender war, was das Publikum am Sonntag in der Deutschen Kirche in Murten anlässlich der Premiere hörte.

Schöne Balance

Karl Jenkins bewegt sich mit seinem Werk laut Kirchhofer in relativ traditionellen Klangwelten, die er mit modernen Elementen ergänze. Gerade zu Beginn erinnert die Musik an die geistlichen Werke von Felix Mendelssohn. Positiv fiel am Sonntag insbesondere die akustische Balance auf. Obwohl die Männerstimmen zahlenmässig in der Minderheit sind, war der Chorklang ausgeglichen. Mit seinem eher streicherlastigen Klang fügte sich auch das Orchester schön in den Klangkörper ein. Gerade in den ersten beiden Stücken zeigte sich, mit welcher Intensität Chor und Orchester musikalische Stimmungen aufbauen können. Über einem fast meditativen Klangteppich des Orchesters pendelte der Chor im Introit zwischen Melancholie, leichter Aufhellung und einer fast schmerzhaften Spannung. Im Kontrast dazu stand das energiegeladene Dies Irae. Während dunkle Blechklänge, tremolomässige Tonrepetitionen in den Streichern und der temporeiche Rhythmus des Schlagwerks eine dramatische Kulisse aufbauten, warfen die Sängerinnen und Sänger einzelne Wörter ein oder steigerten die Dramatik mit Textphrasen, die sie auf dem gleichen Ton deklamierten. Diesem Zusammenspiel lauschte man als Zuhörer fast atemlos.

Der Reiz der Exotik

Japanische Haikugedichte, die Jenkins für die Solistinnen vertonte, brachten eine exotische Note in das Requiem. Reizvoll waren insbesondere das Benedictus und das Agnus dei. In diesen Stücken rezitierten die Solistinnen ein Haikugedicht auf Japanisch, während die Männerstimmen des Chors den lateinischen Text sangen. Die Solistinnen Coretta Bürgi und Karin Scherrer (Sopran) sowie Susanne Grütter (Alt) blieben zwar akustisch relativ leise, ihre natürlichen Stimmen passten aber schön zu diesem Werk. Bemerkenswert war auch der Auftritt der zwölfjährigen Raissa Tropeano. Mit ihrer zarten Stimme machte sie das Pie Jesu zu einem berührenden Erlebnis.

Der Chor wird übertönt

War die Balance im Requiem von Karl Jenkins die Stärke des Ensembles, so ging diese im zweiten Requiem zeitweise verloren. Im ersten Stück «Galiläa» setzte das Schlagwerk dermassen laut ein, dass der Chor und das übrige Orchester teilweise kaum mehr zu hören waren. Erst wenn das Schlagwerk pausierte, zeigte sich eine faszinierende Klangwelt. Er wolle mit dem Requiem die Reise einer Beduinenfamilie darstellen, hatte Komponist Raphael Sommer vor der Aufführung dem Pub­likum erklärt. Seine Musik erinnerte streckenweise an Filmszenen, in denen weite Landschaften vorüberziehen.

Beeindruckender Ausflug

Das Publikum reagierte begeistert auf das Konzert. Mit ihrem beeindruckenden Konzert haben die Sängerinnen und Sänger zeitgenössische Musik wohl vielen Zuhörerinnen und Zuhörern nähergebracht. Der mutige Ausflug in die moderne Musik hat sich unbedingt gelohnt.

Weitere Konzerte folgen am Samstag in Basel und am Sonntag in Solothurn. Weitere Informationen: www.requiem2017.ch