Münchenwiler 22.12.2016

Ein Bahnhof für den ganzen Kanton

Etwas oberhalb des heutigen Bahnhofs Münchenwiler/Courgevaux der TPF-Linie Freiburg-Murten entstehen zwei neue Perrons.
Der Halbstundentakt auf der Eisenbahnlinie Freiburg-Murten kommt definitiv im Dezember 2017. Die Erneuerungsarbeiten am zukünftigen Kreuzungsbahnhof Münchenwiler/Courgevaux kommen zügig voran.

Mit ein wenig Fantasie kann man erahnen, wie der Bahnhof Münchenwiler/Courgevaux dereinst einmal aussehen wird. Deutlich erkennt der Beobachter auf der Baustelle neben dem alten Bahnhof das zukünftige Perron 2, dessen Aufbauten schon im Frühling fertig sein sollen und das im Sommer in Betrieb genommen werden soll. Die Ingenieure Stéphane Chassot und Julien Horner arbeiten seit 2012 für die Umbauten der anderen Bahnhöfe entlang der Linie Freiburg-Murten. Sie sind verantwortlich für die Modernisierung der Bahnhöfe Belfaux-Village und Pensier sowie in Zukunft Courtepin. Mal hat der eine die Leitung, mal der andere. Sie seien zufrieden mit der bisherigen Entwicklung des Projekts, sagt Chassot.

Am 9. Mai begannen die ersten Arbeiten. «Wir hatten wetterbedingt einen schlechten Start», erinnert sich Chassot, danach habe das Team intensiv gearbeitet – selbst an Maria Himmelfahrt, der im bernischen Münchenwiler natürlich nicht gefeiert wird – und den Rückstand aufgeholt. In diesen Tagen beginnen die Weihnachtsferien auf der Baustelle, und die Arbeiten stehen bis am 23. Januar still. Nun sei man im Plan und werde – so sicher wie halt sicher sein kann – bereit sein für den grossen Augenblick: die Einführung des Halbstundentakts zwischen Murten und Freiburg anlässlich des Fahrplanwechsels im Dezember 2017.

Kreuzen ist Bedingung

Die Bedingung für diesen Schritt, der im Seebezirk sehnlichst erwartet wird, ist die Einrichtung einer zweiten Spur auf den Bahnhöfen Münchenwiler und Pensier, die es den Freiburgischen Verkehrsbetrieben (TPF) erlauben, zwei Züge an diesen Haltestellen kreuzen zu lassen (die FN berichteten). Nur so sei ein integraler Halbstundentakt möglich, so Horner. «Das ist unumgänglich.» Gegenüber dem heutigen Streckenverlauf gibt es keine grossen Veränderungen, lediglich auf der Höhe des heutigen Bahnhofes wird die Kurve etwas abgeflacht.

Möglich sei das zügige Vorankommen deshalb, weil die Arbeiten weitgehend neben der heutigen Strecke ausgeführt werden und so den Bahnbetrieb nicht beeinträchtigen. Dass aktuell das Gleis 2 mit dem neuen Perron vorangetrieben wird, habe einen einfachen Grund, so Chassot weiter: Ende August werde der Bahnverkehr – erst eingleisig – bereits über die neuen Schienen geführt. Dann wird das Gleis 1 in Fahrtrichtung Freiburg fertiggestellt.

Streckensperrung im Sommer

Die entscheidende Phase der Bauarbeiten sind die Sommerferien der Freiburger Schulen. «Dann geben wir Vollgas», sagt Horner. Denn während den sechs Sommerferienwochen vom 8. Juli bis zum 20. August steht der Betrieb auf der Eisenbahnlinie still. Es wird ein Ersatzbusbetrieb eingerichtet. Er wird weitgehend den Bahnhöfen folgen. «Wenn wir alles unter Verkehr machen müssten, würden wir das nie schaffen», sagt Chassot. Umgekehrt sei es auch nicht möglich, die Sperrung wegen des Schüler- und Pendlerverkehrs länger aufrechtzuerhalten. «Wir arbeiten mit einem engen Zeitplan», fasst Horner zusammen. Sie versuchten, die Einschränkungen klein zu halten, so Horner. «Wenn der neue Bahnhof aber fertig ist, haben wir nicht nur eine neue Infrastruktur für Münchenwiler und Courgevaux, sondern für den ganzen Kanton», ist er überzeugt.

Während dieser Zeit wird an mehreren Stellen des Abschnitts gearbeitet, so Horner. Er schätzt, dass dann insgesamt rund 100 Personen auf der Baustelle tätig sein werden. In dieser Zeit müssen sich auch die Automobilisten anpassen: Für die Arbeiten werden die beiden Bahnübergänge beim Bahnhof Münchenwiler und Gurwolfstrasse während total rund eines Monats gesperrt. «Aber nicht beide gleichzeitig», stellt Chassot klar. «Damit der Verkehr dann über den jeweils anderen Übergang geleitet werden kann.»

Schienen werden ersetzt

Parallel zu den Arbeiten am Bahnhof Münchenwiler werden die TPF auch gleich alle Schienen und Leitungen zwischen Münchenwiler bis kurz vor Murten austauschen und auf den neuesten Stand bringen. Das ist eine Reaktion auf Lärmklagen wegen des Geräusches, den die Züge in der Kurve bei der Landi machen, sagt Chassot. Die TPF hatten nach entsprechenden Untersuchungen vor zwei Jahren Massnahmen versprochen. Die Planung hätte gemäss der damaligen Überlegungen erst 2017 in Angriff genommen sollen, das Projekt war auf fünf Millionen Franken budgetiert worden. Nun wurde es vorgezogen – weil die Gelegenheit grad günstig war, sagt Chassot.

Das Projekt des Um- und Ausbaus des Bahnhofs Münchenwiler/Courgevaux kostet rund 15 Millionen Franken. Die TPF wollen langfristig alle ihre eigenen Bahnhöfe entlang der Hauptachse erneuern, aber nacheinander und nicht alle gleichzeitig, stellt Julien Horner klar: «Wir müssen die Planung natürlich den Möglichkeiten anpassen.»

Bauprojekt

Eine der wichtigsten Linien im Netz der S-Bahn Freiburg

Auf Dezember 2017 ist einer der zentralen Ausbauschritte der Freiburger S-Bahn geplant: Die Bahnlinie Freiburg–Murten–Ins stellt auf den Halbstundentakt um. Laut den TPF ist sie eine der wichtigsten Bahnlinien im Kanton. Zwei Millionen Fahrgäste verkehren auf dieser Strecke pro Jahr, rund 4000 Personen täglich. Mit den bevorstehenden Sanierungsarbeiten am Bahnhof Courtepin rechnen die TPF mit Gesamtkosten von über 50 Millionen Franken. Die Erneuerung begann im Jahr 2012 am Bahnhof Belfaux-Village. Kostenpunkt: 14 Millionen Franken. Für den neuen Bahnhof Pensier sind 12 Millionen Franken reserviert. Für den Bahnhof Münchenwiler-Courgevaux werden 15 Millionen Franken veranschlagt. Die Mittel für das Erneuerungsprojekt stammen aus dem Finanzierungsfonds des Bundes für Bahnanlagen.

3000 Meter Geleise

Ein Kernstück der Arbeiten in Münchenwiler/Courgevaux ist der Unterstand für die wartenden Passagiere, dieselbe Metallkonstruktion, wie sie als Prototyp in Belfaux-Village und dann in Pensier installiert wurde. Die Länge der neuen Perrons erlaubt die Einfahrt der TPF-Doppelkompositionen mit einer Länge von 150 Metern. Zwischen zwei Weichen – etwas unterhalb des heutigen Bahnhofs und Richtung Freiburg kurz vor der Kurve – wird die Strecke dann auf rund 500 Metern zweigleisig verlaufen. Auf weiteren 500 Metern Richtung Freiburg und den 1,1 Kilometern Richtung Murten wird die ganze Bahninfrastruktur erneuert. Insgesamt werden 3000 Meter neue Schienen und 5000 Schwellen verlegt.

Der Bahnverkehr wird mit der Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs von der Betriebszentrale der TPF in Bulle aus ferngesteuert. Weitere technische Installationen sind in einem Raum unter den Schienen untergebracht. Eine bereits fertiggestellte Unterführung verbindet die beiden Gleise. Die Perrons sind gemäss den Vorschriften auf die Höhe der Zugseinstiege angepasst und erlauben Behinderten den hindernisfreien Einstieg. Das alte, geschützte Bahnhofsgebäude wird renoviert.

fca

Bauprojekt

Eine der wichtigsten Linien im Netz der S-Bahn Freiburg

Auf Dezember 2017 ist einer der zentralen Ausbauschritte der Freiburger S-Bahn geplant: Die Bahnlinie Freiburg–Murten–Ins stellt auf den Halbstundentakt um. Laut den TPF ist sie eine der wichtigsten Bahnlinien im Kanton. Zwei Millionen Fahrgäste verkehren auf dieser Strecke pro Jahr, rund 4000 Personen täglich. Mit den bevorstehenden Sanierungsarbeiten am Bahnhof Courtepin rechnen die TPF mit Gesamtkosten von über 50 Millionen Franken. Die Erneuerung begann im Jahr 2012 am Bahnhof Belfaux-Village. Kostenpunkt: 14 Millionen Franken. Für den neuen Bahnhof Pensier sind 12 Millionen Franken vorgesehen. Für den Bahnhof Münchenwiler-Courgevaux werden 15 Millionen Franken veranschlagt. Die Mittel für das Erneuerungsprojekt stammen aus dem Finanzierungsfonds des Bundes für Bahnanlagen.

3000 Meter Geleise

Ein Kernstück der Arbeiten in Münchenwiler/Courgevaux ist der Unterstand für die wartenden Passagiere, dieselbe Metallkonstruktion, wie sie als Prototyp in Belfaux-Village und dann in Pensier installiert wurde. Die Länge der neuen Perrons erlaubt die Einfahrt der TPF-Doppelkompositionen mit einer Länge von 150 Metern. Zwischen zwei Weichen – etwas unterhalb des heutigen Bahnhofs und Richtung Freiburg kurz vor der Kurve – wird die Strecke dann auf rund 500 Metern zweigleisig verlaufen. Auf weiteren 500 Metern Richtung Freiburg und den 1,1 Kilometern Richtung Murten wird die ganze Bahninfrastruktur erneuert. Insgesamt werden 3000 Meter neue Schienen und 5000 Schwellen verlegt.

Der Bahnverkehr wird mit der Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs von der Betriebszentrale der TPF in Bulle aus ferngesteuert. Weitere technische Installationen sind in einem Raum unter den Schienen untergebracht. Eine bereits fertiggestellte Unterführung verbindet die beiden Gleise. Die Perrons sind gemäss den Vorschriften auf die Höhe der Zugseinstiege angepasst und erlauben Behinderten den hindernisfreien Einstieg. Das alte, geschützte Bahnhofsgebäude wird renoviert.

fca
«Wenn wir alles unter Verkehr machen müssten, würden wir das nie schaffen.»

Stéphane Chassot

Ingenieur TPF