Galmiz 03.10.2017

Freie Bahn für Wildschwein und Reh

Der beidseitige Maschendrahtzaun unter dem Viadukt in Galmiz macht den Weg für Wildtiere unpassierbar.
Das Bundesamt für Strassen entfernt den Zaun unter dem Autobahnviadukt in Galmiz. Damit wird der Weg frei für die Wildtiere. Doch die Befürchtung ist, dass Fahrende den wettergeschützten Platz nutzen werden.

Rehe und Wildschweine werden unter dem Autobahnviadukt in Galmiz künftig nicht mehr von einem Maschendrahtzaun aufgehalten: «Wir werden den Zaun entfernen», sagte Thomas Rohrbach, Sprecher des Bundesamtes für Strassen (Astra), auf Anfrage. Damit bestätigte er eine Aussage eines Galmizer Unternehmers, der nicht namentlich genannt werden will. Der Bund ist Eigentümer der Fläche unter dem Viadukt. Zurzeit dürfen ein lokaler Bauunternehmer und Modellautofans den Boden als Lager- und Trainingsplatz nutzen. Das soll laut Rohrbach bis auf weiteres so bleiben. Weitere Nutzungen durch Dritte toleriere das Astra hingegen nicht, deshalb würden grosse Steine zur Abschirmung aufgestellt.

Anders als in Kerzers

Unter dem Viadukt verläuft ein Wildtierkorridor von überregionaler Bedeutung, wie das Amt für Wald, Wild und Fischerei (Walda) bereits in seinem Bericht von 2015 festgehalten hat. Darin wird der Durchgang als beeinträchtig bezeichnet. Als davon betroffene Wildtiere gelten in erster Linie das Reh und das Wildschwein. Aber auch der Fuchs, der Dachs, der Feldhase, der Baummarder und der Iltis sind laut der Walda-Analyse in Galmiz auf ihrem Weg blockiert. «Für diese Tiere stellt der Zaun ein Hindernis dar», so Rohrbach, deshalb müsse der Zaun weg. Der Termin für die Entfernung des Zauns ist laut Astra aber noch nicht festgelegt.

Der Galmizer Gemeindepräsident Thomas Wyssa steht dem Entscheid kritisch gegenüber: «Das Problem werden die ausländischen Fahrenden sein», ist Wyssa überzeugt. Das Viadukt in Galmiz bietet vor Regen geschützten Raum von rund 27 000 Quadratmetern Fläche. «Zudem bedeutet der Astra-Entscheid Ungleichbehandlung», so Wyssa, «denn in Kerzers dürfen Unternehmer und die Gemeinde den Raum unter dem Viadukt nutzen.»

Drei Problemzonen

Für den Wildhüter des Seebezirks, Elmar Bürgy, ist es hingegen ein guter Entscheid: «Wenn der Zaun weg ist, gibt es wenigstens ein Loch mehr für die Wildtiere.» Bürgy hat gegenüber den FN bereits im März dieses Jahres auf die Problematik in Galmiz hingewiesen. Ursprünglich habe der Wanderweg der Tiere vom Chab­lais über Murten-Löwenberg Richtung Murtenholz geführt, hat er darin erklärt. Weil diese Route verbaut ist, versuchen es die Wildtiere über Galmiz. «Aufgrund dieses Artikels ist die Forderung gegenüber dem Astra laut geworden, den Zaun zu entfernen», so Bürgy. «Wir haben beim Astra um Massnahmen an drei Standorten angefragt», bestätigte Elias Pesenti, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Walda. «Eine davon betrifft den Durchgang unter dem Autobahnviadukt in Galmiz.» Erste Priorität habe für sie jedoch die Situation in Vaulruz, wo der Wildtierkorridor vollständig unterbrochen sei und nicht nur Rehe und Wildschweine, sondern auch Rothirsche und Luchse betroffen seien.

Gefährliche Strasse

Beim dritten Standort handle es sich um den Wildtierkorridor vom Chablais-Wald über die Moosstrasse Richtung Grosses Moos. Diese sogenannte H 10 von Murten über Sugiez nach Ins wird per 2020 zum Strassennetz des Bundes gehören und damit zu einer Nationalstrasse. «Auch hier fordern wir Massnahmen, um den Wildtieren den Weg zu erleichtern», sagte Pesenti. Diese Route ist nicht nur für die Wildtiere, sondern auch für Lenkerinnen und Lenker als besonders gefährlich. Viele Autofahrerinnen und Autofahrer kennen die Situation auf dieser Strecke, mitten in der Nacht im Scheinwerferlicht plötzlich ein Wildtier vor sich zu sehen – sei es ein Fuchs, ein Wildschwein oder ein Reh.

Eine definitive Antwort seitens des Astra zu allen drei Prob­lemzonen steht laut Pesenti jedoch noch aus. Die Verhandlungen seien am Laufen.

«Das Problem werden die ausländischen Fahrenden sein.»

Thomas Wyssa

Gemeindepräsident Galmiz

«Wenn der Zaun weg ist, gibt es wenigstens ein Loch mehr für die Wildtiere.»

Elmar Bürgy

Wildhüter Seebezirk