Murten 08.02.2018

«So grosse Wagen gibt es nur bei uns»

Der neue Murtner Hofnarr Ruedi Scherz kann die närrischen Tage kaum erwarten. Die Murtner Fastnacht beginnt am 2. März.
Ruedi Scherz ist der neue Hofnarr der Murtner Fastnacht. Für ihn sind die närrischen Tage die schönste Zeit im Jahr, weil alle ausgelassen sein und Sprüche klopfen dürfen – von Handwerkern bis zu Bankdirektoren.
«An der Fastnacht sind alle auf einem Haufen und per Du miteinander, das ist eine ungeschriebene Regel.»

Ruedi Scherz

Murtner Hofnarr

 
 

Seit er 15 Jahre alt ist, kann er die närrischen Tage in Murten kaum erwarten: Ruedi Scherz ist begeisterter Fastnächtler und der neue Hofnarr der Murtner Fastnacht. «Es ist für mich die schönste Zeit im Jahr», sagt Scherz, «weil dann jeder so sein kann, wie er ist». Alle könnten sich gehen lassen, «und an der Fastnacht sind alle auf einem Haufen und per Du miteinander, vom Handwerker bis zum Bankdirektor, das ist eine ungeschriebene Regel».

Keine Scherze mit dem Namen

Seit sieben Jahren ist Scherz Mitglied bei der Fastnachts­gesellschaft Murten (FGM). Als Martin Fürst den Posten des Hofnarrs letztes Jahr freigab, war für Ruedi Scherz der Fall klar: «Ich stellte mich gerne zur Verfügung.» 26 Jahre lang war Martin Fürst Murtner Hofnarr, das ist eine lange Zeit. «Ich will ihn nicht nachmachen», betont Scherz, «wie lange ich Hofnarr sein werde, kann ich heute noch nicht sagen.» Er werde von Jahr zu Jahr schauen, wie es weitergeht, sagt der 52-Jährige. «Mit dem Rollator werde ich aber bestimmt nicht ins Murtner Stedtli an die Fastnacht kommen», sagt Scherz und lacht. Ob auch eine Frau den Job übernehmen kann? «Das kann ich mir nicht vorstellen», sagt Scherz, «ich weiss nicht, wie das bei den Leuten ankommen würde – es müsste auf jeden Fall eine Frau sein, die selbstbewusst ist.»

Dass er der neue Hofnarr ist, hat sich bereits herumgesprochen. Natürlich werde er in diesem Zusammenhang auch auf seinen Familiennamen angesprochen. Dazu sage er jeweils, dass «man mit dem Namen keine Scherze macht», sagt der Hofnarr und grinst.

Das Prinzenpaar begleiten

Ruedi Scherz ist verheiratet, Vater einer Tochter und lebt in Gurmels. Er ist als Hausmann und Abwart tätig und kann sich seine Zeit frei einteilen. «Der Job des Hofnarrs ist zeitaufwendig», sagt Scherz. «Fast über das ganze Jahr sind wir von der Fastnachtsgesellschaft daran, die Murtner Fastnacht zu organisieren.» Einzig über den Sommer gebe es eine kurze Verschnaufpause. Als Hofnarr sei es seine Hauptaufgabe, das Prinzenpaar zu begleiten. Er müsse genau wissen, wo sie wann sein müssen. «Diese Woche besuchen wir am Abend drei Wagenbauer, und am Wochenende gehen wir gemeinsam an die Bolzenfasnacht nach Freiburg», freut sich der Hofnarr. «Im Grossen und Ganzen sehe ich mich als Bindeglied zwischen den Cliquen, der Fastnachtsgesellschaft und dem Prinzenpaar», ergänzt Scherz.

«Mit dem Rollator werde ich aber bestimmt nicht ins Murtner Stedtli an die Fastnacht kommen.»

Ruedi Scherz

Murtner Hofnarr

 

Auch die Proklamation am Narrengericht am Fastnachtsmontag gehöre zu seinen Aufgaben, erklärt Scherz. Als Narrenrichter werde er den alljährlichen «Füdlibürger» verurteilen, der anschliessend in Flammen aufgeht. «Wichtig ist mir dabei, nicht unter die Gürtellinie zu gehen.» Unter die Haut aber schon, sagt Scherz und lacht, «wir wollen es ja lustig haben». Politisch solle das Narrengericht jedoch nicht sein, «das überlassen wir anderen».

Ruedi Scherz war lange bei der Clique Glögglifrösche Murten dabei. Diese konzentrieren sich auf den Wagenbau und auf Schnitzelbänke. Wie bereits die Schnitzelbänke für die Clique schreibe er auch das Narrengerichtsurteil in Versform und in der Nacht, «dann geht es einfach am besten», sagt Scherz. «Vor der närrischen Zeit liegt Papier und Schreibzeug immer bereit.»

Im Vergleich zur Narrenzeit an anderen Orten ist für den Hofnarr die Murtner Fastnacht insbesondere wegen ihres Umzugs am Sonntag speziell: «So grosse Wagen gibt es nur bei uns.» Das sei einmalig in der ganzen Schweiz. «Unsere Wagen sind bis zu acht Meter hoch, elf Meter lang und drei Meter breit», betont der Hofnarr. Das sei andernorts wegen Tram- oder Busleitungen gar nicht möglich. «Das Stedtli als Kulisse, die grossen Umzugswagen und über 13 000 Leute in der Altstadt, da läuft es einem kalt den Rücken runter.»