Murten 23.12.2017

Zwischenlösung für 19 Kinder

Die vorübergehende Lösung rettet zumindest das Weihnachtsfest, abschliessend geklärt ist die Situation jedoch nicht.
19 Kinder aus Murten, Merlach und Gurwolf können bis auf weiteres bei ihrer Tagesmutter bleiben, weil sich diese vorübergehend selbstständig macht. Der Vertrag mit Kibelac (Kinderbetreuung See) läuft bis Ende Jahr.

«Es gibt eine vorüber­gehende Lösung für unsere Kinder», sagt die Murtnerin Sandra Steffen im Gespräch mit den FN. Sechs Mütter sitzen am Tisch. Sie alle geben ihre Kinder teils schon seit mehreren Jahren in die Obhut einer Merlacher Tagesmutter, die nicht namentlich genannt werden will. 19 Kinder betreut diese Tagesmutter insgesamt. «Sie wird sich vorübergehend selbstständig machen», sagt Steffen, «so dass unsere Kinder Anfang Jahr weiterhin zu ihr gehen können.» Die Selbstständigkeit ist der einzige Weg für die Tagesmutter, die Kinder weiterhin betreuen zu können. Denn vom Verein Kibelac (Kinderbetreuung See) hatte sie Ende Oktober die Kündigung erhalten.

Hier geht's zum Artikel über die Kündigung.

Auch die Eltern der 19 Kinder erhielten die Kündigung des Betreuungsvertrags, der jeweils von allen drei Seiten unterschrieben sein muss. Weil das Kündigungsschreiben erst am 1. November bei der Tagesmutter und bei den Eltern eintraf, verschob sich die einmonatige Kündigungsfrist auf Ende Jahr. Der Kündigungsgrund: Die Tagesmutter wollte neben ihrer Tätigkeit für Kibelac zusätzlich Kinder über das Jugendamt betreuen und suchte deshalb das Gespräch mit Kibelac. Tagesmütter haben zwei Möglichkeiten im Seebezirk: Entweder lassen sie sich von Kibelac anstellen, oder sie machen sich unter der Aufsicht des Jugendamtes selbstständig. Der Vertrag mit Kibelac schliesst eine Doppelspurigkeit aus.

«Wir können nicht verstehen, weshalb diese Tagesmutter die Kündigung erhalten hat.»

Sandra Steffen

Mutter

 

Administrativer Aufwand

Über die vorübergehende Lösung sei sie zwar erleichtert, sagt Steffen, das Problem sei jedoch nicht gelöst: «Wir können nicht verstehen, weshalb diese Tagesmutter die Kündigung erhalten hat.» Es könne doch nicht sein, dass einer so guten Tagesmutter gekündigt wird, wo doch in Murten ein Mangel an Tagesmüttern besteht. Mit der Selbstständigkeit der betreffenden Tagesmutter seien auch etwaige Ferienablösungen oder Krankheitsausfälle nicht geregelt. «Zudem muss diese Tagesmutter nun die Administration selber erledigen und hat damit weniger Zeit für die Kinder.»

Wie die Merlacher Tagesmutter auf Anfrage sagte, wolle sie auf Dauer nicht als selbstständige Tagesmutter arbeiten und sie sei schlicht nicht einverstanden mit ihrer Kündigung durch den Verein Kibelac.

Die Mütter erklären geschlossen, weshalb sie mit Kibelac nicht zufrieden sind: Der für sie nicht nachvollziehbare Kündigungsgrund, die kurze Kündigungsfrist, kein vorgängiges Gespräch mit den betroffenen Eltern und auch kein proaktiver Lösungsvorschlag im Zuge der Kündigung des Betreuungsvertrages.

«Wie ein zweites Zuhause»

«Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt, es fand kein Gespräch statt», betont Andrea Burkhart, eine der Mütter. Von dem Kibelac-Angebot, eine andere Lösung zu suchen, will sie nicht Gebrauch machen: «Unsere Kinder sind seit Jahren bei dieser Tagesmutter, es ist wie ein zweites Zuhause für sie», sagt Andrea Burkhart.

«Wir würden ein Gespräch mit Kibelac und der Tagesmutter sehr begrüssen.»

Andrea Burkhart

Mutter

 
 

«Es ist zudem fragwürdig, ob Kibelac unsere Kinder an einem anderen Ort hätte unterbringen können, weil in Murten ein Mangel an Tagesmüttern besteht», sagt die Murtnerin Sandra Steffen.

Mütter schlagen Mediation vor

Auf ihre diversen Schreiben an Kibelac nach der Kündigung hätten sie fadenscheinige Gründe als Antwort erhalten. «Wir würden ein Gespräch mit Kibelac und der Tagesmutter sehr begrüssen», sagt Burkhart. «Auf der Website des schweizerischen Verbandes Kibesuisse gibt es eine Liste mit Mediatoren», sagt Steffen. «So würden wir wenigstens mal alle zusammensitzen.» Denn die Ungerechtigkeit sei immer noch im Raum und die Kinder schlussendlich die Leidtragenden, «das kann es doch nicht sein». Kibelac habe sich schliesslich verpflichtet, zum Wohle des Kindes zu arbeiten.

Die Bereitschaft der Tagesmutter, sich vorübergehend selbstständig zu machen, ist mithilfe der Gemeinde Murten zustande gekommen. «Wir hatten eine Stellungnahme von Kibelac gefordert und sind mit der Präsidentin Susanne Aebischer zusammengesessen», sagt die Murtner Gemeinderätin Petra Schlüchter auf Anfrage. Rasch sei jedoch klar gewesen, «dass die Situation zu vertrackt ist, um die Tagesmutter weiter anzustellen».

Daraufhin habe Murten mit der Tagesmutter diskutiert, damit es mindestens eine vorüber­gehende Lösung gebe für die Kinder, «es musste ja rasch gehen», so Schlüchter. In einem nächsten Schritt werde Murten die Zusammenarbeit mit Kibelac evaluieren. Murten und 16 weitere Gemeinden des Seebezirks sind Mitglieder des Vereins. «Wir haben jedoch keine operativen Aufgaben und können hier auch nicht als Partei eingreifen», stellt Petera Schlüchter klar. Weitere Gespräche mit anderen Mitgliedsgemeinden würden Anfang 2018 folgen.

Die Kibelac-Präsidentin Susanne Aebischer war gestern nicht erreichbar.