Giffers 08.02.2018

«Die Hemmschwelle ist immer noch gross»

Im Trauercafé gibt es kaum Regeln und keinen vorgegebenen Ablauf.
Vor drei Jahren hat der Verein Wachen und Begleiten mit dem Trauercafé ein neues Angebot für trauernde Menschen geschaffen. Die Bilanz fällt positiv aus, auch wenn der Verein gern mehr Menschen ansprechen würde. Neu finden die Treffen in Tafers statt.

Immer am zweiten Sonntagnachmittag im Monat organisiert der Verein Wachen und Begleiten (WABE) ein Trauercafé. An diesem Ort der Begegnung kommen Menschen zusammen, die mit ihrer Trauer nicht allein sein möchten; egal ob sie in einem sozialen Netzwerk eingeflochten sind oder nicht. Der Austausch mit Menschen in gleicher oder ähnlicher Situation soll helfen, Betroffene in ihrem Verlust oder Trauer etwas aufzufangen, oder ihnen die Möglichkeit geben, sich ausserhalb der Familie über das Thema zu unterhalten.

Alle Arten von Trauer

Drei Jahre besteht dieses kostenlose Angebot nun bereits. «Wir sind gut gestartet», zieht die Initiantin und Verantwortliche für das Trauer­café, Madeleine Gauch, Bilanz. «Über Trauer zu sprechen ist ein Bedürfnis und wird doch oft unterdrückt», hält sie weiter fest.

Das Trauercafé richtet sich nicht nur an Menschen, die eine nahestehende Person verloren haben. Auch andere Arten von Trennungsschmerz haben Platz: etwa nach einer Scheidung, der Auflösung einer Partnerschaft oder dem Verlust der Arbeitsstelle. «Es geht darum, dass die Menschen beim Loslösungsprozess nicht allein sind», erklärt Irène Neuhaus, diplomierte Trauerbegleiterin. Sich mit einem schmerzlichen Verlust auseinanderzusetzen sei ein heilsamer Weg aus der Trauer heraus, um langsam wieder Mut und Lebensfreude zu finden.

Hemmschwelle ist gross

Irène Neuhaus und Madeleine Gauch gehören zu einem zwölfköpfigen Team, das die Trauercafés jeweils begleitet. Immer zwei aus dem Team nehmen die Teilnehmenden in Empfang und stehen für Gespräche zur Verfügung. «Wir bilden eine Art Nest, damit sie sich sicher und getragen fühlen.» Mal sei die Gruppe grös­ser, mal kleiner, erzählt Madeleine Gauch. Es habe auch Sonntage gegeben, an denen niemand gekommen sei, gerade im Sommer. Sie ist aber überzeugt, dass eigentlich noch viel mehr Leute von diesem Angebot profitieren könnten. «Doch die Hemmschwelle ist relativ gross: den Schritt zu machen und von sich aus das Haus zu verlassen und zu uns zu kommen.» Der Verein WABE sei sich schon beim Start der Trauercafés bewusst gewesen, dass das Angebot Zeit brauche, um sich zu etablieren. «Trauern ist in unserer Gesellschaft nach wie vor ein Tabuthema.» Es brauche Kraft und Mut oder die Hilfe Dritter, den Schritt nach aussen zu machen und sich mit anderen Menschen, die in einer ähnlichen Situation seien, auszutauschen. «Selbst, wenn nur eine einzige Person ins Trauercafé kommt und sie dieses nach einem Gespräch mit einem besseren Gefühl wieder verlässt, hat sich der Aufwand gelohnt», sagt Irène Neuhaus.

Beim Trauercafé, das von 14 bis 17 Uhr offen ist, gibt es nur wenige Regeln und keinen vorgegebenen Ablauf. Wer will, kann die ganze Zeit dort verbringen oder auch nur wenige Minuten. Weder braucht es eine Anmeldung, noch muss jemand seinen Namen nennen. Einige seien nur einmal gekommen, andere mehrmals. «Wir fragen nicht nach den Motiven», so Madeleine Gauch. Sie könnte sich aber vorstellen, dass sich einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer etwas anderes vorgestellt oder erhofft haben als «nur» einfaches Zusammensitzen. «Andernorts gibt es ähnliche Runden, die moderiert werden und bei denen die Treffen unter ein bestimmtes Thema gestellt sind. Das wollten wir nicht, wir sind keine Selbsthilfegruppe», führt sie aus. «Bei uns muss niemand seine Leidensgeschichte erzählen. Alles ist möglich, aber nichts muss sein.»

Erzählen oder zuhören

Keines dieser Treffen verlaufe gleich wie das andere, sagt Irène Neuhaus. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass etwa die Hälfte der Café-Besucher das Bedürfnis haben, von ihrem Verlust und ihren Erlebnissen zu erzählen. «Der anderen Hälfte genügt es, zuzuhören oder sich nur am Rande am Gespräch zu beteiligen.» Schon nur mit anderen das Gefühl der Trauer, den Schmerz des Verlustes zu teilen, könne tröstend und hilfreich sein. «Wer sich aufrafft und zu uns kommt, hat den ersten Schritt gemacht, sich helfen zu lassen. Ein Teil des Verarbeitungsprozesses ist schon im Gange.»

Doch hätten nicht nur ernste Themen in der Runde Platz. «Manchmal ergeben sich ganz lockere Gespräche, die mit dem Wetter anfangen, über Gott und die Welt führen und in denen es um einfache Alltagsthemen geht», erklärt Madeleine Gauch. Im Trauercafé werde Kaffee und Kuchen genossen. «Und es wird geredet und gelacht, geweint oder auch geschwiegen – je nach Bedürfnis.» Am Ende der Treffen verlassen die Teilnehmenden das Trauercafé ohne weitere Verpflichtung.

Trauercafé

Neuer Standort in Tafers

Bisher haben die Trauercafés in den Räumlichkeiten der Ritec in der Nähe des Bahnhofs Düdingen stattgefunden. Neu werden sie im Café Bijou der Sensler Stiftung für Behinderte (ssb) in Tafers durchgeführt. Auch dieser Standort ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar, die Bushaltestelle ist direkt vor der ssb.

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Nächstes Trauercafé: Sonntag, 11. Februar. Die weiteren Daten: 11. März, 8. April, 13. Mai, 10. Juni, 8. Juli, 12. August, 9. September, 14. Oktober, 11. November und 9. Dezember. Weitere Infos: www.wabedeutschfreiburg.ch