Kritik 12.08.2017

Ein Wüsten-Hippie im Bad Bonn

Von wegen sieben Tage Regenwetter! Am Donnerstagabend gab es im Bad Bonn in Düdingen kalifornische Wüstenmusik mit Aussichten auf bevorstehende Nackenschmerzen.

Wer sich mit dem Begriff «Desert-» oder «Stoner Rock» auseinandersetzt, kommt an Brant Bjork nicht vorbei. In dieser Szene hat der kalifornische Musiker aus Palm Desert seit den 90er-Jahren vielerorts seine Hände im Spiel, sei es mit Drumsticks, basszupfend, an der Gitarre oder als Sänger. Kyuss, Fu Manchu, Mondo Generator oder Desert Sessions sind nur einige Bands oder Projekte, mit denen man ihn in Verbindung setzen kann. Seit dem Jahr 1999 arbeitet Brant Bjork an Soloalben, stets mit neuen Musikern, so dass sich in seinen bisher elf herausgebrachten Scheiben verschiedenste Stilrichtungen wiederfinden: Punk, Reggae oder gar Jazz, allerdings immer noch verzerrt à gogo.

Donnerstagabend, das Bad Bonn ist voll, wie einige Besucher auch. Rasch wird es warm und stickig. Nun ist es soweit: Der braun gebrannte Kalifornier mit langer und lockiger Haarpracht, Bart, Bandana und Klampfe betritt als der Wüsten-Hippie schlechthin die Bühne. Mit dem ersten bluesigen Gitarrenlick über einen trägen Schlagzeugrhythmus hat der Nacken keine Chance, dem Mitwippen zur Musik zu widerstehen. Dazu singt Bjork mit der Stimme eines einsamen Kojoten; die Wüste ist definitiv in Düdingen angekommen. Der lässige und schleppende Spielstil bringt zusammen mit eingängigen Melodien einen unheimlichen Groove zutage. Doch die Herren können auch anders, entweder in rasanter Punk-Manier oder mit Black-Sabbath-ähnlichen Doom-Einwürfen, was so viel bedeutet wie noch tiefer, noch verzerrter und noch schleppender. Dafür kann man der Band aber nicht böse sein. Warum sollte man auch?

In der Mitte des Sets betritt im gesprenkelten Sakko Gastsänger Sean Wheeler die Bühne. Die Stimme rau und dreckig, nun wird der Mond im Doppelpack angeheult. Zum Ausritt in die psychedelische Ecke der Rockmusik gibt sich dieser maskiert und tanzend mit kaputtem Schellenkranz in der Hand. Man stellt keine Fragen, man geniesst einfach nur. Als Zugabe spielen sich die Kalifornier noch ein letztes Mal während einer gefühlten Ewigkeit wild in Ekstase. Schade geht auch diese Ewigkeit zu Ende. Was bleibt, ist ein leichtes Ohrenbrummen und Heimweh nach Palm Desert, auch wenn ich nie dort war.