Düdingen 13.11.2017

Gute Ideen scheitern in der Praxis oft

An fünf Tischen diskutierten die Jugendlichen mit einem Experten über die Flüchtlingspolitik im Sensebezirk.
Rund 30 Personen diskutierten am Freitag in Düdingen über die Flüchtlingspolitik im Sensebezirk. Gute Ideen waren zahlreich, doch scheitert deren Umsetzung oft an rechtlichen und politischen Schwierigkeiten, wie aus der Tagung hervorging.

«Wir sprechen heute nicht über internationale Politik», stellte Moderator André Perler am Freitagabend zu Beginn der Diskussion im Düdinger Schulhaus Gänseberg klar. Der Verein Jugend & Politik Sense hatte zu einem sogenannten Speed Debating geladen. Rund 20 mehrheitlich junge Teilnehmer unterhielten sich während zwei Stunden mit Experten über die Auswirkungen der Flüchtlingspolitik auf den Sensebezirk (siehe Kasten).

Sachliche Diskussionen

Die Teilnehmer erhielten aus erster Hand Informationen über den Umgang mit Flüchtlingen. «Asylsuchende bevorzugen in der Regel unterirdische Unterkünfte in der Stadt gegenüber abgelegenen oberirdischen Unterkünften», erzählte zum Beispiel Michel Jungo, Leiter Kollektivunterkünfte bei der Betreuungsfirma ORS. Denn viele Flüchtlinge würden aus urbanen Gebieten stammen. Beat Grossrieder von der Kantonspolizei Freiburg erklärte, dass der Polizei vor allem unbegleitete Minderjährige Sorgen machen. Für sie führe die Kantonspolizei spezielle Kurse durch – mit Erfolg, wie Grossrieder sagte. «Abgesehen von einer kleinen Minderheit haben wir bislang kaum Probleme mit jungen Asylbewerbern.»

Die Diskussionen verliefen sachlich und wenig kontrovers, obwohl einige Gäste durchaus kritische Voten anbrachten. «Nur Wirtschaftsflüchtlinge sind in der Bevölkerung nicht akzeptiert», meinte etwa Pirmin Schenk, SVP-Gemeinderat aus Wünnewil-Flamatt. Namentlich Eritreer würden die Voraussetzungen für eine Aufnahme nicht erfüllen.

Kaum neue Erkenntnisse

Die Schlussrunde im Plenum brachte kaum grundlegend neue Erkenntnisse. «Schweizer und Ausländer kennen sich zu wenig»; «die Sprache ist für die Integration entscheidend»; «Flüchtlinge sollten besser in den Arbeitsmarkt integriert werden», so lauteten einige der Feststellungen. Die Diskussion zeigte aber auch, an welchen Schwierigkeiten viele Ideen scheitern. So hatte ein Teilnehmer die Idee, Senslerinnen und Sensler könnten sich auf einer Online-Plattform einschreiben, wenn sie sich engagieren wollten. «Vielleicht arbeitet ein Flüchtling in meinem Garten, und ich bringe ihm dafür Deutsch bei.» Das sei nicht so einfach, entgegnete Michel Jungo. Asylbewerber dürften nicht arbeiten. «Auch unentgeltliche Arbeit fällt unter Umständen in die Kategorie Schwarzarbeit.» So könne der Flüchtling in rechtliche Schwierigkeiten geraten. Beat Grossrieder ergänzte: «Beschäftigungsprogramme wären sehr sinnvoll. Übernehmen Flüchtlinge aber zu viele Arbeiten, fühlt sich das Gewerbe konkurrenziert.»

Neues Wissen

So brachte die Diskussion vielen Teilnehmern vor allem neues Wissen über das komplexe Thema. Das dies nötig ist, stellte ein Teilnehmer in der Schlussrunde fest: «Wir wissen zu wenig über die konkreten Zusammenhänge der Flüchtlingspolitik.»

«Unentgeltliche Arbeit fällt unter Umständen auch unter Schwarzarbeit.»

Michel Jungo

Leiter Kollektivunterkünfte bei der Betreuungsfirma ORS

Ängste und Sorgen gegenüber Flüchtlingen

Fünf Diskussionsrunden zu fünf verschiedenen Themen

Der Verein Jugend & Politik hat fünf Experten eingeladen. Nebst Beat Grossrieder und Michel Jungo waren auch Gabriela Waeber-Blanchard vom Verein «Flüchtlinge willkommen im Sensebezirk», der ehemalige Flüchtling Abdullah Fener sowie Adrian Imboden, der sich mit der IG Guglera gegen das geplante Bundes­asylzentrum engagiert, anwesend. In fünf Runden zu je 12 Minuten diskutierten die Jugendlichen ein Thema, bevor es zum nächsten Referenten ging: Ängste und Sorgen gegenüber Flüchtlingen, Vorteile und Lichtblicke, Finanzen usw. lauteten die Themen.

sos