Andreas Kempf 18.02.2016

Über Iten und Berlin nach Amsterdam?

Will sich im Halbmarathon für die EM in Amsterdam qualifizieren: Andreas Kempf.Bild zvg
Nach einem Trainingslager in Iten (Kenia) verpasste Andreas Kempf in Barcelona die EM-Limite im Halbmarathon nur knapp. Im April unternimmt der Freiburger in Berlin den nächsten Anlauf, um sich für Amsterdam zu qualifizieren.

2012 lief Andreas Kempf beim Greifenseelauf zum ersten Mal ein Rennen über die Halbmarathondistanz von 21 Kilometern. «Und damals auch nur, weil dieser Lauf zum Post-Cup zählte.» Am vergangenen Sonntag realisierte der 27-Jährige vom TSV Düdingen in Barcelona in 1:06,25 Stunden im zweiten Anlauf sogleich die viertbeste Zeit, die von einem Freiburger Athleten je gestoppt wurde. Die kantonale Bestzeit hält Marius Hasler, seit er 1992 den Halbmarathon in 1:05,37 Stunden gerannt war.

 Lange Zeit auf EM-Kurs

«Mit dem Formstand und dem Gefühl, das ich während des Rennens hatte, bin ich sehr zufrieden», sagt Kempf, dessen Freude trotz der guten Vorstellung nicht uneingeschränkt ist. Er verpasste die EM-Limite nur gerade um 40 Sekunden. «Die äusseren Bedingungen in Barcelona waren top, ausser, dass ein Westwind mit 30 km/h blies. Dadurch hatten wir auf den ersten sowie den letzten fünf Kilometern mit Gegenwind zu kämpfen. Gleich nach dem Start konnte ich mich noch in einer Gruppe verstecken, auf den letzten Kilometern musste ich aber alleine laufen. Bis Kilometer 15 war ich noch auf Limitenkurs.» Ein kleiner Trost für ihn war, dass er quasi im Vorbeigehen gleich zwei Freiburger Rekorde, nämlich jene über die Distanzen von 15 und 20 km, auf 47:06 Minuten respektive 1:02,59 Stunden verbessern konnte (siehe FN vom Dienstag). Kempf relativiert aber: «Das hängt damit zusammen, dass in früheren Jahren noch keine offiziell zertifizierten Zwischenzeiten genommen wurden. Ich gehe schwer davon aus, dass Marius Hasler bei seinem Freiburger Rekord im Halbmarathon die besseren Zeiten hatte.»

 Dass sich der Schweizer Vizemeister und ehemalige Titelhalter über 5000 m im Halbmarathon versucht, hat einen einfachen Grund. «Die EM-Limite über diese Distanz ist verhältnismässig einfacher zu erreichen, weil es im Halbmarathon, der erstmals im Angebot ist, auch noch eine Teamwertung gibt», erklärt Kempf. «Zudem setzt der europäische Verband die Hürde weniger hoch an als für die Stadiondisziplinen.» Nachdem der Freiburger im Vorjahr die Limite über die 5000 m für die Heim-EM in Zürich verpasst hatte, will er es nun für die kontinentalen Meisterschaften vom August in Amsterdam über die längere Distanz versuchen. «Vorläufig ist geplant, am 3. April die Limite in Berlin noch einmal anzugreifen. Sollte aus irgendeinem Grund, wie zum Beispiel wegen Krankheit oder aber auch wegen ungünstigen Wetters, etwas dazwischenkommen, überlege ich es mir, noch einen weiteren Versuch zu unternehmen.» Viel Zeit hat Kempf allerdings nicht. Bereits Ende April geht die Qualifikationsperiode für den Halbmarathon zu Ende. «Falls es mit der EM-Limite nicht klappen sollte, habe ich mir eine gute Ausdauerbasis für die Bahnsaison geschaffen, die erst so Mitte Mai beginnt.»

160 km in der Woche

An seinen Grundlagen hatte Kempf zuletzt mitunter in Kenia gearbeitet. Während dreieinhalb Wochen war der Sensler im Westen des Landes im Läuferparadies Iten, nahe der Stadt Eldoret, im Trainingslager. «Für mich war es eine Premiere. Ich hatte das Glück, dass mein Mitbewohner Adrian Lehmann, aber auch Christian Kreienbühl, Michael Ott und Maja Neuenschwander, die mit dabei waren, alle schon einmal dort gewesen sind, und dass ich somit von ihren Erfahrungen profitieren konnte. Die Zeit in Kenia war extrem bereichernd und spannend.» Rund 160 km lief Kempf bei angenehmen Temperaturen um die 20 Grad pro Woche, üblich sind für ihn 120 bis 130 km. «Laut Lehrbuch sollte man nicht viel mehr trainieren als zu Hause, weil man in der Höhe ist (Red.: 2400 M. ü. M.). Um dem Rechnung zu tragen, war die Intensität etwas tiefer.»

Das in Kenia Erlebte ins Training in die Schweiz zu übertragen, sei aber nicht ganz so einfach. «Hier herrscht der Alltag mit Arbeit», sagt Kempf. Mitgenommen habe er mit Sicherheit ein Stück von der Mentalität der afrikanischen Läufer, die sich durch ein schlechtes Training nicht gleich aus der Ruhe bringen lassen würden. «Und die Motivation fürs Schuften, um besser zu werden.» Auch die Erfahrung mit der Höhe sei wichtig gewesen. «Ich kam zwei Wochen vor dem Start in Barcelona zurück. Das ging recht gut auf, und ich habe mich sehr gut gefühlt.» Das werde ihm helfen, kommende Wettkämpfe vorzubereiten.

Start beim Kerzerslauf

Apropos nächste Wettkämpfe: Für Kempf werden das der Bremgarter Reusslauf und der Kerzerslauf (19. März) sein. Im Seeland, wo er bisher noch nie über die 15 km gestartet ist, wird der Freiburger ein Wiedersehen mit Konkurrenz aus Afrika feiern können. «Ich werde mich nicht zu fest an den Afrikanern orientieren können», sagt er schmunzelnd. «Mein Ziel wird sein–je nachdem, wer am Start ist–, bester Schweizer zu werden.»

«Falls es mit der EM-Limite nicht klappen sollte, habe ich mir eine gute Ausdauerbasis geschaffen.»

«Die Zeit in Kenia war extrem bereichernd und spannend.»