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30 Mal um die Welt gefahren

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Josef Bertschy verfasste ein Tagebuch-Album über seine Zeit als Ziegelei-Chauffeur

16 Jahre alt war Josef Bertschy, als er die Stelle in der Ziegelei Düdingen annahm. Die harte Arbeit an den heissen Brennöfen ist ihm nicht leicht gefallen. «Da bi’ni gsii am dritte Tag scho ganz z’underobe» erinnert er sich in seinem Tagebuch, das er seit seinem ersten Arbeitstag führt. Vom Vorarbeiter der Ziegelei bekam er nach wenigen Tagen eine neue Arbeit zugeteilt, die aber nicht minder hart war. Trotz des kargen Lohns von 35 Rappen pro Stunde hielt er durch, denn viel Auswahl an anderer Arbeit gab es damals nicht.

Dann, gut anderthalb Jahre später, bekam er die grosse Chance, fahren zu lernen: «Zersch mit dem Chrysler, uf Luxuswage u nai o grad uf Camionage», hat Josef Bertschy in seinem Buch festgehalten.

Eine ungewöhnliche Chronik

Dieses Buch ist ihm heute sehr wichtig und teuer. Hat er doch darin sämtliche wichtigen Schritte seines langen Arbeitslebens festgehalten. Trotz des schwierigen Anfangs fühlte er sich mit der Zeit mit dem Düdinger Unternehmen immer stärker verbunden, hat die Fortschritte und Änderungen im Betrieb schriftlich festgehalten und so eine ungewöhnliche und persönliche Chronik erstellt.

Am Ende waren es 48 Jahre, die der heute 81-Jährige bei der Ziegelei verbracht hatte, 46 Jahre davon als Chauffeur. Die Arbeit mit den Maschinen, den Autos, Lastwagen und Baggern hat ihm stets grosse Freude bereitet. Er verzichtete sogar fast zwei Jahre auf den Lohn, um im Gegenzug fahren zu lernen. Als obs erst gestern gewesen wäre, erinnert er sich an die «Alte Berna», den ersten Camion, den er gefahren hat, erklärte er im Gespräch mit den FN. Der Wagen musste natürlich angekurbelt werden und fuhr mit einer Höchstgeschwindigkeit von 38 Stundenkilometern. Mit dem Gefährt hat er Backsteine auf Baustellen geliefert.

Alle Wagen gezeichnet

In seinem Buch hat Josef Bertschy genau beschrieben, wie die Wagen im Weltkrieg bei Diesel- und Benzin-Mangel auf Holzgas umgerüstet wurden. Jeden Morgen musste der Aufsatz mit einer Ladung Holzkohle und Buchenholz gefüllt werden. Auf dem Dach der Führekabine wurden sechs Säcke Holzkohle mitgenommen, damit der Lastwagen den Tag über in Betrieb gehalten werden konnte.

Bei der Beschreibung allein ist es aber nicht geblieben. Dank seinem Zeichen-Talent konnte er seine Texte stets mit Bildern und Skizzen illustrieren. Angefangen mit dem Portal der Ziegelei und einer Ansicht der damaligen Räumlichkeiten, hat Josef Bertschy im Laufe seines Arbeitslebens sämtliche Maschinen der Ziegelei und vor allem Lastwagen bis 1984 detailgetreu abgezeichnet und in seinem Buch festgehalten, selbstverständlich massstabgetreu.
Im Tagebuch-Album ist auch festgehalten, wie viel das erste Auto von Direktor Merkle 1942 gekostet hat, nämlich 50 Franken, und von welcher Marke das letzte Auto des Direktors war, nämlich ein Porsche. Das Bild vom Ende der letzten Pferdestärke, dem Pferd César, vervollständigt die Chronik ebenso wie die Dokumentation über einen Unfall, den Josef Bertschy am 31. Januar 1979 ohne eigenes Verschulden erlitten hat.

15einhalb Stunden unterwegs

Durch seine Fahrkenntnisse – als 18-Jähriger hatte er schon beide Fahrausweise – kam Josef Bertschy während der Rekrutenschule in Thun zu den «Motorwägelern», als einziger Freiburger. Viel Zeit blieb ihm nach der RS nicht. Schon bald hiess es einrücken: der Beginn von insgesamt 759 aktiven Diensttagen.

In seinem Erinnerungsbuch hat Josef Bertschy auch die oft sehr langen Arbeitstage festgehalten. Am 3. August 1953, zum Beispiel, musste er eine Lieferung ins Goms machen und war dazu 15einhalb Stunden unterwegs. Die letzte Fahrt führte Josef Bertschy auf dem «Saurer Überland»-Camion nach Visp, ein paar Tage später, Ende Dezember 1984, wurde er pensioniert.
Dank seiner genauen Aufzeichnungen weiss er ziemlich genau, wie viele Kilometer er in den 46 Jahren zurückgelegt hat: 1,35 Mio. Kilometer oder 30-mal um die Welt. Dabei haben seine Fahrzeuge rund 435 000 Liter Diesel-Öl und 10 000 Liter Benzin verbraucht.

Kreativ seit der Kinderzeit

Wenn Josef Bertschy heute zurückblickt, ist er stolz und glücklich auf seine lange Chauffeur-Karriere, auch wenn diese Tätigkeit nicht seinem Traum-Beruf entsprach. Sein innigster Wunsch seit der Kindheit, einen kreativen Beruf zu erlernen, konnte er sich wegen den damaligen Umständen nicht erfüllen. Seine Freizeit, abends und am Sonntag, hat er aber stets dem Zeichnen und Malen gewidmet. Neben den Illustrationen in seinem Tagebuch hat er Ölbilder von Landschaften gemalt.

In den letzten Jahren hat Josef Bertschy einen neuen Weg gesucht, um seine künstlerische Ader auszuleben. Es drängte ihn, etwas Eigenes zu schaffen und die Fantasie spielen zu lassen. So entstanden seine Schraffier-Bilder.

Fantasie ohne Grenzen

Die abstrakten geometrischen Figuren, die Josef Bertschy mit ruhiger Hand, in stundenlanger Kleinarbeit auf ein weisses Blatt Papier zeichnet und mit Filzstiften umrahmt, haben einen besonderen Reiz. Sie fallen durch ihre präzise Ausführung ebenso auf wie durch ihre ungewöhnlichen und schwungvollen Formen.

Die Schraffier-Werke von Josef Bertschy, in schlichten Linien gezeichnet oder farbig ausgefüllt, gibt es bereits in über 200 verschiedenen Designs. «Die Bilder entwickeln sich wie von selbst, sobald der erste Strich vom Mittelpunkt aus gezogen worden ist», erklärt der Düdinger, der sein Schaffen auch schon an einer Hobbyausstellung zeigen durfte. Josef Bertschy hofft, dass er seine liebste Freizeitbeschäftigung noch lange ausführen kann; die Ideen für seine Zeichnungen sind dem 81-Jährigen auf jeden Fall noch nicht ausgegangen.

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