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Abgehobene Geschichte mit Bodenhaftung

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Hannes Währer

Der Schluss des neuen Stücks des Kellertheaters Murten endet wider Erwarten mit einem Happy End. Denn aller Voraussicht nach müsste die Geschichte der Familie Hase im Desaster enden: mit einem arbeitslosen Vater, Kindern, die von der Schule fliegen, im terroristischen Milieu landen oder sich scheiden lassen, nur weil der Partner eben nach Salz statt nach Pfeffer gefragt hat.

Nachdenklich und amüsiert

Regisseur Mark Kessler und den elf Schauspielerinnen und Schauspielern des Kellertheaters gelingt ein anspruchsvoller Spagat: Einerseits wird dem Publikum ein roter Faden geboten, dem ohne Schwierigkeiten zu folgen ist. Andererseits wird der Hauptfaden mit teils skurrilen Einlagen, Nebensträngen in der Erzählung und verblüffenden Charakterdarstellungen zu einem komplexen Teppich verwoben, der die Zuschauer herausfordert – und zum Schluss amüsiert, aber auch nachdenklich zurücklässt.

Vor dem schlichten Bühnenbild, eine Küche mit grossem Tisch in einer kleinen Wohnung, entfaltet sich Stück für Stück die Misere der Familie Hase. Ein Glanzstück leistet dabei Stefan Hünig mit der Darstellung von Papa Hase. Die Figur oszilliert zwischen aufbrausendem Daherwettern und Resignation. Zwar glaubt Mama Hase (Ruth Schwarz) noch, der alte Hase würde bald eine Lohnerhöhung heimbringen. Aber bevor das Publikum tatsächlich erfährt, dass Papa Hase in Wirklichkeit auf der Strasse steht, lässt Hünig mit der lebensechten Haltung eines Arbeitslosen unmissverständlich anklingen, wie es wirklich um sein Berufsleben steht.

Überdrehte Realität

In gewissem Sinn lebt das Stück von den überdrehten, aber mit Bezügen zur Aktualität unterlegten Handlungen. So beispielsweise, wenn im Fernseher mit beissender Ironie gesagt wird: «Alles geht gut, wird sind reich, stark, verdienen viel Geld, lieben unser Land, und die ganze Welt liebt uns.» Worauf der sozialistisch angehauchte Bébert Hase die Mutter anbrüllt, sie solle den TV abdrehen, das sei doch alles nur Schwachsinn. Was die Mutter zur hintergründigen Antwort verleitet: «Klar weiss ich, dass alles schlecht geht. Aber das ist noch kein Grund, das auch im Fernseher zu zeigen. Wenn ich schon den ganzen Tag in der Scheisse stecke, will ich das am Abend nicht auch noch hören.»

Mann heult wie ein Kind

Szene für Szene krachen die Fassaden der Familie zusammen. Da ist Julie (Chantal Harder), die sich nur knapp vor der Polizei in der Wohnung der Familie verstecken kann. Hinzu kommen Gérard (Stefan Ruch), ein Schrank von einem Mann, heulend wie ein Kind, und Lucie (Kerstin Hecht Ruch), die ihm auf dem Standesamt das Ja-Wort verweigert.

Schliesslich, als die ganze Familie inklusive der vereinsamten Nachbarin im Elend vereint ist, verschwindet ausgerechnet der jüngste Spross mit grossem Getöse. Aber Hase Hase, mit Punkfrisur und spitzen Ohren im Science-Fiction-Stil, ist ein Kuckuckskind und eben nicht von dieser Welt. Als die Familie, die nun nichts mehr zu verlieren hat, sich auch noch mit der Staatsmacht anlegt, wird es Zeit, dass Hase Hase sein wahres Gesicht zeigt und der Story ihr ungewöhnliches Happy End verschafft.

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